548 Urwelt und Vorwelt
mit Ausschluß der Schlangen, von denen die fossilen Reste sehr selten sind. Diefossilen Amphibien, und namentlich die Reste der Krokodile, finden sich in relativältern Ablagerungen als die der Saugethiere. Cuvier hat im Ganzen über 160fossile Thiere beschrieben, darunter 7 Elefanten, 4Hippopotamen, 4 Nashörner, 9Paläothcrien,eine Pferde-, eine Schweine-, 13 Hirscharten, ZO Ochscnarten, 20fleischfressende Thiere, 15 Krokodile, 21 Schildkröten, 10 Eidechsen, einen Sala-mander n. s. w. Die vor 100 I. in den Brüchen von Öhringen gefundenen fos-silen Knochen, welche Scheuchzer als „Homo äiluvii tentia ' (Zürich 1726) be-schrieb, und die schon Gesner nicht für einen Anthropolithen gelten ließ, sind nachEuvier ein Niesen-Salamander. — Von der hier besonders wichtigen Einleitungzu Cuvier's Werke, von s. „viacours «ur lesrövolutionsäe lasurtsoe 6u zlodeet »ur le« vbsnAeinens gu'elles vnt proäuits äsn« le regne animsl" (der 2. Bd.zu „Cuvier's Ansichten von der Vorwelt", herausgcg. von I). I. Nöggerath) er-schien zu Paris 1828 die 5. Aufl. Auch vergl. man Link's Schrift: „Die Ur-welt und das Alterthum" (Berl. 1821); Schuberl's Schrift: „Die Urwelt unddie Fixsterne" (Dresden 1822), und Krüger's „Geschichte der Urwelt" (Quedlin-burg 1822), sowie Ballenstädt's Schriften über diesen Gegenstand.
Die Geschichte der mehr oder minder unversehrten Überreste von vegetabili-schen und thierischen Gebilden, die man in den Gebirgen findet, bildet einen Zweigder Naturkunde, welchergewissermaßcn den Grund zurGeologie gelegt hat, dadie Beobachtung des Vorkommens dieser Überreste zu vielen Aufschlüssen über dieverschiedenen Veränderungen, die mit der Erde vorgegangen sind, über das Alterder Gebirgsarten überhaupt und besonders über die Entstehung mancherArten vonFlötzgcbirgen führen konnte. Es mußte früh Erstaunen erregen, zahllose organi-sche Gebilde (z. B. Ammoniten und Ostracitcn auf den savoyischen Alpen«. Py-renäen) zu finden, welche einst den jetzt bis zu mehr als 12,000 Fuß über der Seeerhabenen Meeresboden bewohnt haben mußten. In den frühern Zeiten der rohemNaturkunde hielt man die Knochen von Elefanten und a großen Landthicren, dieman schon im aufgeschwemmten Lande oder in geringer Tiefe fand, für die Überresteeines Riescnstammes der Vorwelt, während man bei der Dichtkunst und GeschichteHülfe suchte, um aufzuklären, was bei dem damaligen Zustande der Wissenschaftunerklärlich war. Zu solchen Irrthümern verleiteten besonders die langen Knochender Arme und Beine, da um jene Zeit das Studium der vergleichenden Anatomienoch nicht verbreitet war. So berechnete ein Franciscancrmönch nach einem inMexico gefundenen Schenkelknochen, daß der Mensch, von welchem derselbe einÜberrest sein sollte, 17—18 Fuß hoch gewesen sein und einen Kopf von der Größeeines castilischen Weinkruges gehabt haben müsse, und der Spanier Hernandez be-schreibt ins. Gigantenlehre ungeheure Knochen sammt lOZoll langen und 5 Zollbreiten Backenzähnen, woraus erden Schluß zieht, daß die Köpfe dieser Menschenvon 2 Männern nicht hätten umspannt werden können. In diesen, wie in andernBeispielen, gehörten die entdeckten Knochen und Zähne Vierfüßlern, deren Über-reste man, wie jetzt bekanntist, in jenen Erdlagern findet, doch verrathen allerdingsauch viele ältere Berichte offenbar Betrug oder Irrthum. Obgleich aber die Kennt-niß der organischen Überreste für die geolog. Geschichte der Erde von großer Wich-tigkeit ist, und z. B. aus dem Dasein von Scemuscheln in gewissen Gebirgen aufdie Bildung derselben unter der Oberfläche des Meeres durch Niederschlag aus demWasser geschlossen werden muß, oder aus der Lage verschiedener Muscheln gegendie Ebene der Schichtung, oder aus den regelmäßig abwechselnden Lagern der orga-nischen Überreste auf das Entstehen der Schichtungen zu schließen ist: so kannmandoch nurzu irrigen Ansichten gelangen, wenn man mit einigen sonst sehr verdienst-vollen Schriftstellern glauben wollte, daß sich die Lehre von der Erdbildung lediglichauf einer Grundlage errichten lasse, die nur einen so kleinen Theil des ganzen Baues