544 Urkunde Urproduktion
eigens dazu bestimmte Theile geschieht. Es sammelt sich daher die in den Nierenbereitete Flüssigkeit in einem häutigen Sacke, die Urinblase genannt, und wird ausdieser durch die Harnröhre ausgeleert. Der Urin besteht aus Wasser, in welchemder eigentliche Harnstoff, phosphorsaurer Kalk, phosphorsaures Natron, phosphor-saures Ammoniak und etwas Extraktivstoff sich aufgelöst befinden. Da alle diese indem Urin befindlichen Theile hauptsächlich den Stickstoff in verschiedenen Verhält-nissen enthalten, so macht dies die Meinung wahrscheinlich, daß die Absonderungdes Urins die Bestimmung habe, den Körper von dem Überflüsse dieses Stoffeszu befreien. Krankheiten'verändcrn die Beschaffenheit des Urins auffallend, beson-ders die allgemeinen Krankheiten des Blutsystems, die Fieber, indem die Heilkraftder Natur auf diesem Wege die schadhaften Stoffe zugleich mit entfernt, die Gelb-sucht, die eigenthümlichen Krankheiten der Urinwerkzeuge, der Nieren und derBlase, daher zuweilen der Abgang eines blutigen Urins, die Harnruhr (der Abgang-einer unverhältnißmäßig großen Menge Urins) u. a. m.
Urkunde heißt ursprünglich jedes Bekenntniß oder Zeugniß zur Bekräfti-gung der Wahrhaftigkeit einer Sache ober Handlung; daher künden und Urkunden,Zeugniß geben; insbesondere jedes geschriebene Zeugniß; daher Urkunden voneiner Sache, geschriebene Zeugnisse. In der letztem Bedeutung heißen alle Diplo-me Urkunden. Für den Unterricht im Lesen und Erklären der Urkunden ward inParis die Lool« ro^. «1e» vbartoa am 2. Jan. 1830 eröffnet. (S. Diplo -matik.)
Urne, ein rundes Gefäß, welches bei den Alten theils zum Schmucke, theilszur Aufbewahrung der Asche der verbrannten Todten diente. Die letzte Art Urnenwurde in den Grüften oder Grabgewölben in SeitennischcN beigesetzt oder auchan Sarkophagen angebracht, und war von verschiedener Größe, bald von Thon,bald von Marmor, bald von Erz oder Holz, und mit geschnitzten oder geschlage-nen Verzierungen oder Gemälden versehen. Dann gab es auch Thräncnkrüge oderUrnen, kleine Gefäße von Thon oder Glas, worin man die für verstorbene Verwandtevergossenen Thränen sammelte und aufbewahrte. Auf unsern Grabmälern werdendie Urnen häufig als Dekoration angebracht. Endlich waren die Urnen auch Sym-.bole eines Fluß- oder Quellgottes. Von den Urnen der Alten hat Montfaucon ineinem eignen prächtigen Werke zahlreiche Abbildungen geliefert.
Urphede soll, nachAdelung, Urfehde geschrieben werden, und aus denWorten Fehde, Krieg, thätliche Feindschaft, und ur, so viel als un, zusammen-gesetzt sein; Urfehde hieße also Unterlassung aller Fehde. Es ist ein altes, jetztnur noch in den Rechten übliches Wort, und bedeutet ein eidliches Versprechen, sichwegen einer erlittenen Beleidigung, besonders wegen ausgestandenen Verhaftcsnicht rächen zu wollen. Urphede ist also der Eid eines entlassenen und verwiesenenVerhafteten, das Land, aus welchem er verwiesen worden, nicht wieder zu betreten,noch weniger an demselben und dessen Bewohnern sich zu rächen. In diesem Sinnesagt man, daß Einer die Urphede geschworen habe. Die Gewohnheit scheint aus den-Zeiten des FaustrechtS und der Selbstrache herzurühren.
Urproduktion, in der Staatswirthschaft, ist derjenige Zweig der Werth-schaffung, welcher dem Urstoffe Güter entlockt und dieselben in ihrer ersten Gestaltdem Genusse darbietet, Urstoff aber ist die ganze Natur, welche Genußmittel zuliefern fähig ist, also 1) die Erdfläche, 2) das Wasser, 3) die freien Landthiere,und 4) der Schoß der Erde. Mit der ersten beschäftigt sich die Landwirthschaft(Feldbau, Viehzucht, Gartenbau, Forstwissenschaft), mit dem zweiten die Fische-rei, mit dem dritten die Jagd, und mit dem vierten der Bergbau. Unter diesen ver-schiedenen Zweigen der Urproduktion steht die Landwirthschaft oben an, denn hierverbindet sich die Kraft des Menschen unmittelbar mit dem Segen der Natur, seinFleiß unmittelbar mit der Wirksamkeit der Elemente; daher wird auch häufig un-