Urania Urchristentum 53S
sten getreu. Unter ihnen erschien 1772 der Abenteurer Pugatscheff (s. d.),der sich für den Kaiser Peter ill. ausgab. Ungeachtet der Theilnahme , welche diemalischen Kosacken an Pugatscheff's Aufstand gehabt hatten, ward ihnen doch vonder Kaiserin Katharina !I. unterm 16. Jan. 1775 eine allgemeine Amnestie undder Genuß aller ihrer vorherigen Freiheiten bewilligt. Nur wurde der Name Jaikaufgehoben, und befohlen, daß der Fluß künftig Ural, und die Mischen Kosackendie malischen genannt werden sollten. Sie stellen 20,000 M. ins Feld.
Urania: 1) nach späterer Vorstellung die Muse der Sternkunde. Siewird gewöhnlich mit einer Sterncnkrone auf dem Haupte und in einem mit Ster-nen besaeten Gewände, in der Linken eine Himmclskugel oder eine Leier hal-tend, vorgestellt. Einige geben ihr auch ein Sehrohr, einen Eirkel und eineHimmelskugel. (S. Mu se n.) — Urania ist 2) der Name der himmlischenVenus, oder der reinen geistigen Liebe, im Gegensatze der bloß sinnlichen. —3) Heißt bei den alten griechischen Dichtern Urania eine der Oceaniden oder Meer-nymphen.
Uranus. Nach der Kosmotheogonie der Griechen ging auS dem EhaoS(dem unendlichen, leeren Raume) die Gäa (Erde) hervor. Diese erzeugte aus sichselbst den Uranos (worunter die Alten die Lichtsphäre, das Himmelsgewölbe, ver-standen) und mit demselben die Titanen, von denen der jüngste Kronvs (die Zeit)i hieß. Was nun entstand, um die Bildung der Natur zu vollenden, entstand durch
> die Umarmungen der Titanen und Titaniden, und die Zeugungen durch Uranos
> hatten aufgehört. Dies drückte die plastische Sprache des alten Gedichts so aus:die Zeit (Kronos) hat der Zeugungskraft des Uranos ein Ende gemacht, und ihnmit ihrer Sichel entmannt. (S. auch Planeten.)
Urbanistinnen, s. Franciscaner.
Urbanität, städtische Sitte, im Gegensatze der bäurischen (Rusticität);daher gewöhnlich feine Lebensart; eigentlich ist Urbanität das feine Benehmen inGesellschaft Andrer, wodurch man Alles, was den gebildeten Geschmack oder dasSchönheitsgcfühl verletzen würde, zu vermeiden sucht. Es ist mithin verschieden! von der Höflichkeit und Artigkeit. Der Urbane trägt zwar kein Bedenken, in der
> Unterhaltung mir Andern nicht ganz angenehme Gegenstände zu berühren, odersein Urtheil unbefangen zu äußern, allein er wird dabei immer eine gewisse Achtunggegen Die, welche es gilt, sowie gegen die Anwesenden überhaupt, beobachten,und durch die Form seiner Äußerung das Kränkende derselben zu entfernen oder dochzu mildern suchen. Der Höfliche dagegen vermeidet, der Sitte des Hofes gemäß,alles Dasjenige, was nicht angenehm ist und nicht schmeichelt. Urbanität kommt
- von urbs (die Stadt), und zwar verstand man, als das Wort gebildet wurde, un-ter urb» ausschließlich Rom; mithin heißt Urbanität wörtlich: das Benehmen,wie es zu Rom stattfand, insbesondere zur Zeit der Republik. Der Mangel eineseinzig Gebietenden und eines Hofes um ihn ließ Höflichkeit nicht aufkommen, son-dern die große Freiheit jedes Bürgers war Ursache eines freien, offenen und furcht-losen Benehmens, wie es in monarchischen Staaten nicht stattfinden kann, und dadieses wiederum durch die sittliche und ästhetische Bildung, sowie durch die Achtungder gegenseitigen Rechte gemildert wurde, so bildete sich nach und nach das aus,was Urbanität genannt wird.
Urbarium, nach Adclung, ein ursprünglich deutsches Wort (Urbar-buch, d. i. Ertragbuch, von ur, er, und bären, tragen), dem der oft so selt-same Sprachgebrauch eine lat. Form gegeben hat. In dem Urbarium sind die ur-baren, und daher zins- oder steuerpflichtigen Ländercien eines Bezirks oder einerGemeinde verzeichnet und beschrieben. Man nennt solche Bücher auch Erdbücher,Grund -, Lager -, Zins - und Steuerbücher. (Vgl. Kataster.)
Urchristenthum wollen einige Philosoph. Theologen im wahren (idealen)