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11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
525
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Universitälswesen

das Positive abermals über Alles erheben und die menschliche Vernunft dadurchwieder unter das geistliche Joch bringen wollen, ja einige ängstliche und kurzsich-tige Staatsmänner meinen, der Staat könne nur dadurch vor Gefahren bewahrtwerden. Allein diese engherzige Lehre wird schwerlich unter cullivirtcn Völkern wie-der Raum gewinnen. DaS Wesen des Universitätsunterrichts besteht darin, daßdie Lehrer, durch Nichts als durch die Grundsätze der Vernunft bis zu dem Stand-punkte der gegenwärtigen Zeit beschränkt, die Wissenschaften lehren, dieselben unterihre» Schülern verbreiten, und durch diese den in dem Feuer der strengsten Prü-fung bestandenen Jde.n und Wahrheiten eine solche Macht und Ausdehnung ver-schaffen, daß sie allgemein anerkannt werden, so ins praktische Leben übergehenund die Welt regieren, daß das Positive nach und nach der Vernunft angemesseneingerichtet werde und stets mit ihr in vollkommener Harmonie bleibe. Wo einsolcher Unterricht gedeihen soll, da bedarf es wohl vorbereiteter Schüler, welche inden Elementen der Wissenschaften und in den nöthigen Hülfswissenschasten wohlunterrichtet, zum Selbstdcnken aufgelegt, und dadurch fähig sind, die höhcrn Leh-ren aufzufassen und mit eigner Denkkraft zu verarbeiten. Nur von solchen Jüng-lingen ist zu erwarten, daß sie auf der Universität die Wissenschaften gehörig fassenund durch eigne Denkkraft erweitern und vervollkommnen helfen werden. Diesehöhere Bestimmung der Universitäten ist indessen in der Wirklichkeit nur unvoll-kommen erreicht worden. Zwar hat es unter dem großen Hausen der Studirenden,welche jedes Jahr daselbst erschienen, immer einige glücklich organisirlc und gut vor-bereitete Köpfe gegeben, welche durch den Univcrsitätsunterricht zu wahren Gelehr-ten und gründlich unterrichteten Staatsbeamten gebildet wurden; aber die Zahlderselben war von jeher so gering, daß man Ursache fand, daran zu zweifeln, obdie Resultate, welche die Universitäten gaben, des Aufwandes werth seien, denihre Stiftung und Erhaltung crfodertcn. Die sich aus den Universitäten versam-melnden Jünglinge brachten nicht alle einen so lebendigen Eifer für die Wissenschaf-ten und eine solche Vorbereitung mit, daß sie, den hohen Zweck des Besuchs derUniversität stets vor Augen habend, ihr ganzes Thun allein auf Erreichung dessel-ben hätten richten sollen, und so wurden die Universitäten bald etwas Andres, alswas sie ihrer Bestimmung nach sein sollten. Die Regierungen verlangten vonJedem, der zu einem wissenschaftliche Kenntnisse erfodernden, öffentlichen Amtegelangen wollte, daß er eine bestimmte Reihe von Jahre» (gewöhnlich 3) auf derUniversität zugebracht haben müsse. Da der bloße Beweis der vorgeschriebenen ZeitdeS Aufenthaltes auf derselben in vielen Ländern für hinreichend erklärt, oder wenig-stens es milder Prüfung nicht genau genommen wurde, so wurde der Aufenthaltauf der Universität häufig ein bloßer äußerlicher Gebrauch. Um die Söhne bald zuBrote zu bringen, schickten die Ältern dieselben, ohne die nöthige Ausbildung inden Grund - und Hülfswissenschasten, auf die Universität, und diese, in der Mei-nung , daß es genug sei, wenn sie sich 3 Jahre daselbst aufgehalten und höchstens,was zu dem unvollkommenen und leichten Eandidatenepamen gehört, ins Gedächt-niß aufgefaßt hätten, brachten ihre Zeit daselbst ohne Nutzen und oft in liederlichenAusschweifungen und mit Rohheiten aller Art zu, und gelangten, obgleich sie dieuntauglichsten Subjecte dazu waren, dennoch häufig zu Staatsämtern. VonJünglingen, welche durch wissenschaftlichen Unterricht ausgebildet, sich schon demmännlichen Aller näherten, konnte man mit Recht voraussetzen, daß sie keiner Er-ziehung und Schuldksciplin mehr bedürften, sondern daß sie, ihrer höhcrn Bestim-mung eingedenk, von selbst den Weg finden würden, der sie zu ihrer intellectuellenund sittlichen Vervollkommnung führt. Daher wurden auf Universitäten keine An-stalten getroffen, die ökonomischen und literarischcn Verhältnisse der Studirendendurch Zwangsanstalten zu ordnen. Die Freiheit sollte auf das beste Maß der Auf-führung und auf die beste Methode, sich die gehörigen Kenntnisse zu verschaffen,