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11 (1830) T bis V
Entstehung
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524 Universitätswesen

legung und Deutung der Worte der Bibel freigegeben ward, so erhielt dadurch dieFreiheit der Theologen einen solchen Umfang, daß leicht alle Schranken, welchedieses Buch dem menschlichen Verstände setzen sollte, durchbrochen werden konn-ten, und Viele fürchteten, es werde endlich alles Positive der Religion darüber zuGrunde gehen. Da hieraus selbst die Regierungen große Gefahr ahneten, so scheintes, daß sie das Bemühen Derer nicht ungern sehen, welche diese Freiheit wiederdurch bestimmte positive Lehrsätze beschränken wollen. Noch streiten hier die ratio-nalistische und supernaturalistische Partei. Die juristische Facultät hattedas positive Recht zu bearbeiten. Obgleich nun ein jeder Staat sein eignes posi-tives Recht hat, so waren doch alle in Europa bestehende positive Gesetze auf einegemeinschaftliche Basis - nämlich auf das römische Recht und auf die alten her-kömmlichen Rechte der Vorfahren der verschiedenen Völker, gegründet; daher er-streckte sich die Beschäftigung der jurist. Fakultäten von jeher auf die Erklärung unddas Systematisircn der römischen, altdeutschen, longobacdischen Gesetze und Rechte,wobei Nachdenken, Scharfsinn und Gelehrsamkeit hinlänglichen Stoff fanden, undworin dieselben eine so feste Basis und so sichere Führer fanden, daß sie nicht leichtvon ihrer vorgezcichneten Bahn abkommen konnten. Indessen entstand In der neuenZeit, und je mehr durch neue Gesetzgebungen das alte röm. Recht zum Gegenständeder Geschichte geworden ist, der Streit der historischen und philosophischen Partei,welcher zuletzt die Vereinigung der histor. und philos. Ansprüche in der Darstellungdes alten Rechts zum Resultate haben muß. Die medicinische Facultät fandihren Gegenstand in der Natur, sowie sie sich den Sinnen offenbart, und war da-durch vor Verirrungen am meisten gesichert; daher man es auch nie nöthig gesundenhat, die Freiheit medicinischer Untersuchungen auf irgend eine Weise zu beschränken.Gegenwärtig streiten sich in dieser Facultät die Homöopathie mit der allopathisch«»Heilart; doch macht die letztere auf Wisscnschastlichkeit größern Anspruch.Der sreieste Spielraum aber war der philosophischen Facultät gestattet. Dader Stoff der eigentlichen Philosophie in dem Innern des Menschen liegt, so mußteauch dieses die einzige Schranke für die Philosoph. Wissenschaften sein, und demUnterrichte darin positive Schranken zu setzen, war nicht wohl ausführbar. Zwarversuchten dies die Theologen seit den frühesten Zeiten und wollten der Philosophiedie Resultate vorschreiben, zu welchen sie allein gelangen sollte. Auch gelang es derKirchengcwalt oft und lange genug, die Philosoph. Facultät zur Magd der theolo-gischen zu machen, da einerseits der ganze Unterricht im theol. Institute sein Fun-dament hatte und nur Theologen zu Philosoph. Lehrern befördert wurden, andrer-seits aber auch die Regierungen der Meinung waren, daß «ine unbeschränkte Frei-heit der Philosophie den positiven Einrichtungenches Staats und der Religion leichtgefährlich werden könnte. Indessen bahnte sich die Philosophie bald einen freiernWeg, besonders als sie Gemcingut ward und unter beide Stände drang, welche wederdurch die Fesseln der Kirche gehalten wurden, noch in dem theol. Universitätszwangelebten; diese Unabhängigkeit errangen auch bald 'die Philosoph. Facultäten selbst,und verbreiteten diesen Geist endlich sogar unter die-thcol. Facultäten. Die Philo-sophie erhob sich über alles Positive hinaus, warf sich zur Richte«» desselben auf,sodaß nur dasjenige Positive als wahr und gut zu gelten anfing, was mit denGrundsätzen der Philosophie harmonirte. Theologen und Juristen singen an, nurdann etwas im Reiche der Wissenschaften zu gelten, wenn sie selbst Philosophenwaren. Hierbei muß jedoch bemerkt werden, daß die Philosophie oft in der Gestalteines beschränkten Schulsystems oder eines kritischen Raisonnemcnts erschien,welches das Positive verneinte und an dessen Stelle keine gehaltvolle Wahrheit zusetzen wußte.

Jener freie Zustand scheint nun der beharrliche auf unsern Universitäten ge-worden zu sein. Zwar sind in unsern Tagen wieder Töne laut geworden, welche