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Uliivcrsitätsweseu
(1479); Schweden: Upsala (1476), Abo in Finnland (1640, unter russ. Herr-schaft 1827 nach Helsingfors verlegt), Lund (1666); das russ. Reich 10: Krakau(i347), Dorpat (1632), Moskau (1705), St.-Petersburg (1819), ferner: Kiew,Kasan, Charkow, die 1803 neu organisirte Universität Wilna, Warschau (1816)und Helsingfors (1827).
Universitätswesen der neuesten Zeit. Obgleich man die Universitätenals öffentliche Anstalten betrachtet, auf welchen insbesondere diejenigen Personenvorbereitet und gebildet werden sollen, welche die Regierung zu den Hähern Ämterndes Staats und der Kirche nöthig hat, und obgleich daher der Staat die Universitä-ten unter seine Aufsicht nimmt, damit sie von dieser ihrer Bestimmung nicht abwei-chen, so ist dennoch die Überzeugung von jeher allgemein gewesen, daß die Culturder Wissenschaften ihrem freien Gange überlassen werden muffe, weil ihr Fortschrittnur unter dem Schutze der Freiheit möglich sei, indem der vernunftgemäß sich ent-wickelnde Geist nie auf Resultate stoßen kann, welche dem bei Errichtung der Uni-versitäten beabsichtigten Staatszwecke entgegen sein können. Die Universitäten wur-den daher zu eignen, für sich bestehenden Corporationcn gemacht, welche den wissen-schaftlichen Unterricht nach ihren eignen Einsichten ordnen, und bestimmen sollten,in welcher Art dieselben so vorzutragen wären, daß eine die andre unterstützte, undein einziges Ganzes daraus hervorginge. Die Lehrer wurden wieder in besondereCorporationm (Facultäten), nach dem Unterschiede drr verschiedenen Zweige derWissenschaften, eingetheilt, und diesen überlassen, besondere Systeme des Unter-richts in den ihnen übcrgebenen Wissenschaften zu bilden, welche jedoch unter einan-der zusammenstimmen sollten. Der wissenschaftliche Unterricht wurde daher, fastganz unabhängig von den höhern Staatsbehörden, von den Universitäten selbstgeordnet und im Gange erhalten, und wenn ja Etwas dieser Art der Bestätigung derobern Staatsbehörden bedurfte, so gingen doch die Verordnungen, sowol ihrer Formals der Materie nach, von den Universitäten aus, und hie oberste Genehmigungdeutete nur an, daß von obenhcr dagegen nichts zu erinnern war. Bloß diejenigenFacultäten, deren Gelehrsamkeit und Wissenschaft die Erklärung und Begründungdes Positiven zum Zwecke hatte, waren durch das Positive selbst beschränkt, näm-lich die theol. und jurist. Facultät. In der theologischen war es die kirchlicheDogmatik, zu deren Befestigung und Stütze aller Unterricht und alle gelehrte Unter-suchungen derselben angewandt wurden, wodurch daher die theol. Facultäten einebestimmte Richtung erhielten, indem sie Jeden als ihren Feind (Ketzer) ansahen, derihr kirchliches Gebäude zu erschüttern oder umzustürzen drohte. Daher war dieFreiheit der Docenten in derselben beschrankt; ja sie wurden oft streng behandeltund hart verfolgt, wenn sie sich in ihren Verträgen und Schriften dem kirchlichenSysteme nicht fügen wollten. Nicht selten streckte die theol. Facultät ihreArme auchgegen die übrigen Facultäten und gegen einzelne Gelehrte aus, wenn sie es wagten,Etwas zu lehren oder zu schreiben, was ihrem Systeme nachtheilig zu werden schien.Die Geschichte der pariser thcolog. Facultät gibt hiervon einen deutlichen Beweis.(S. Sorbonne.) Die Reformation brachte zwar mehr Freiheit in den Geist derProtestant. Facultäten; jedoch waren es immer positive Glaubensformeln, obgleichandre als die des Papstes und der kathol. Kirche, welche die theol. Lchrfreiheit be-schränkten. Alle Statuten der protcstant. Universitäten nämlich schrankten dicLehr-und Schreibfceiheit der theol. Facultät durch ihre symbolischen Bücher ein. Zwarkam nach und nach das Änsehen dieser symbol. Bücher unter den Theologen selbstin Verfall; man läugnetc, daß diese als Glaubensvorschriftcn gelten sollten; es be-gann die Meinung herrschend zu werden, daß die Bibel das einzige positive Funda-ment der christl. Lehre sei, und daß die theol. Lehrer auf der Universität die vollkom-mene Freiheit hätten, den wesentlichen Inhalt derselben nach eigner Einsicht zusam-menzusetzen, um daraus eir, System (Dogmatik) zu bilden, Da ihnen so hie