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Union (kirchliche)
lange bestehen muß, als sie ihren Herrschgrundsatzen nicht entsagen will, ist doch !nur einzelnen Überläufern zuzumulhen. Der letzte, ernstlich gemeinte, auch Iselbst dem Kaiser Napoleon 1806 vorgetragene Unionsplan des fcanz. Rechlsge-lrhrten Beaufort, der den Kirchenfrieden durch das Übergewicht der Staatsgewaltstiften lassen wollte, hatte endlich, aus guten Gründen, beide Kirchen wider sich.
— Die vernünftigen Parteien sind jetzt in der Überzeugung einverstanden, daßhier weder durch Zwangsmittel, »och durch Religionsgesprache, noch durch Frie-densvcrträge über einzelne streitige Punkte, überhaupt durch keine halbe Maßre-gel etwas Ersprießliches auszurichten, sondern nur neuer Streit zu entzünden ist; >und wer das Innere Wesen beider Kirchen kennt, wird mit Plank (s. dessen „Wortedes Friedens an die katholische Kirche", 1809) entweder für eine vollständige, oderwenn diese nicht zu hoffen steht, wider jede Art von Vereinigung stimmen. Dennda der Katholicismus und Protestantismus svgl. d.), ungeachtet ihrerEinigkeit in den Grundlchren des Christenthums, doch gerade in Rücksicht auf dasKirchenlhum, worauf bei einer äußern Vereinigung offenbar das Meiste ankommt,die schärfsten und unversöhnlichsten Gegensätze bilden: so muß entweder eine vonbeiden Kirchen ganz und ohne Vorbehalt in die andre übergehen, oder der Stand derDinge bleiben, wie er gegenwärtig ist, bis die fortschreitende Bildung und die stilleAnnäherung im Geist Erfolge vorbereitet, die jetzt nur die unverzeihlichste Unbe-sonnenheit laut zu vermuthen oder gar anzukündigen wagen könnte. — Etwas an-ders verhält es sich mit dem Wunsche einer Union der beiden Protestant. Hauplpar- ,teien. So stark die evangcl. Theologen des 16. Jahrh, sich in die Meinung hin-eingestri'tten hatten, Calvinismus und Lutheranismus wären im Grunde und We-sen der Lehre von einander verschieden und ganz unvereinbar, so klar ist es doch,daß ihrer Vereinigung eigentlich nur 2 Punkte im Wege stehen: von Seiten derlutherischen Kirche die buchstäbliche Erklärung der Einsetzungsworte des heil. Abend-mahls („das ist mein Leib"; vgl. Abendm a h l und Ubiquität), die die philo- §sophircnde Vernunft der Reformirten anstößig findet, und von Seiten der refor-mirten Kirche die in aller Strenge von Calvin aufgestellte und von der dortrech-ter Synode bestätigte Augustinische Theorie von einer besondern Prädestination !oder Gnadenwahl (s. Gnade), die den Glauben der Lutherischen an die allge-meine Liebe Gottes in Christo kränkt. Über den ersten dieser Punkte hatten sichdie beiden Kirchen entzweit, und die wittenbergische Concordie (Vergleichs- undEintrachtsformel), die der strasburgisck.e Theolog Bucer 1586 der Billigkeit oderKlugheit Luther'ü abgewann, konnte keinen wirklichen Frieden herstellen (vgl. .Neformirte Kirche)/ ja die leidenschaftlichen Streitigkeiten und gegenseiti- !gen Verfolgungen in der letzten Hälfte des 16. Jahrh, gaben dem Sekkenhaß ^immer neue Nahrung. Friedlicher gingen die Theolögeii beider Theile von den :übrigens fruchtlosen Religionsgesprächen zü Leipzig 1631 und zu Kassel 1661 ^aus einander. In diesem Jahrh, wollte nun auch ein einzelner Mann ausrich- ;tcn, was den Fürsten und gelehrten Körperschaften beider evangel. Kirchen bisher !mißlungen war. Der Engländer John Dury^-anfangs Prediger der engl. Äe- jsmeinde zu Elbing, wendete den größten Theil seines Lebens (starb 1680 zu Kassel) ^auf, um durch Reisen in alle prokest. Länder von Europa und durch Verhandlun-gen mit den Höfen, Obrigkeiten, Universitäten und geistlichen Ministerien die .Union der englischen, holländischen, schweizerischen und deutschen reformirten Kir-chen mit den Lutherischen zu bewerkstelligen. Doch ungeachtet der Unterstützung,die er in England und einigen Gegenden Deutschlands fand, blieben seine fast 50jäh-rigen, eines leichtsinnigen oder unredlichen Synkretismus endlich verdächtig gewor-denen Bemühungen ohne Wirkung. Mehr versprach man sich von den Maß-regeln des reformirten preuß. Hofes in dieser Sache. König Friedrich I. veranstal-tete 1703 Bcrathschlagungen reformirtcr und lutherischer Theologen zu Berlin,