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11 (1830) T bis V
Entstehung
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Unger (Friederike Helene) Unglaube

römischen Currentschrift gleichsam in der Mitte stände. So entstand die sogen.Unger'sche Schrift, die jedoch nicht mehr viel gebraucht wird. Noch größerwaren seine Verdienste in der Holzschneidekunst, die er in Deutschland zuerst wie-der hob. Eine verdiente Anerkennung war es daher, daß er 1810 zum Pros. ander Akademie der Künste in Berlin, deren Mitglied er bereits war, ernannt wurde.Als Buchhändler zeigte er rühmlichen Eifer und große Thätigkeit bis an s. Tod 1814.

Unger (Friederike Helene), eine Tochter des preuß. Generals v. Rvthenburg,ward 1751 zu Berlin geb. Im Hause des Hofpredi'gers Bambergcr zu Potsdamgenoß sie eine sorgfältige Erziehung und erhielt eine für jene Zeiten seltene Ausbil-dung. Nach Berlin zurückgekehrt, verband sie sich mit dem bekannten Buchdruckerund Buchhändler Unger. Nach dem Tode ihres Gatten sehte sie dessen Unterneh-mungen fort. Ihre zahlreichen, meist anonym herausgegebenen Schriften behaup-ten durch treffliche Zeichnung der Sitten noch jetzt einen vorzüglichen Rang unterden Geisteserzeugnissen deutscher Frauen. Durch genaue Kenntniß der franz. undengl. Sprache erwarb sie das für ihre Zeit große Verdienst, mehre ausgezeichneteWerke jener Nationen in geschmackvollen Übersetzungen bekannter zu machen. IhrRoman: „Julchen Grünthal, eine Psnsionsgeschichte", ward bei dem ersten Er-scheinen (1784) mit allgemeinem Beifall aufgenommen, erlebte 3 Auf!, und ist inmehre Sprachen übersetzt. Unter ihren übrigen Werken verdient Auszeichnung:„Bekenntnisse einer schönen Seele" (1806). Ihr „Naturcalendcr" wurde insFranzösische übersetzt. Ihr letztes Werk war: „Der junge Franzose und das deutscheMädchen" (Hamburg 1810). Nachdem sie manchen schweren Wechsel des Ge-schicks mit hohem Muth ertragen, starb sie am 21. Sept. 1813.

Unglaube ist die Weigerung, Wahrheiten anzuerkennen, die entweder durchzuverlässige historische Zeugnisse bekräftigt, oder in unmittelbarem Bewußtsein dermenschlichen Vernunft gegründet, oder durch das Zeugniß einer geoffenbarten Reli-gion verbürgt sind. Im ersten Falle befindet sich der gemeine Unglaube, der, diewissenschaftlich ausgemiltelte Geschichte umwerfend, alles menschliche Wissen ver-nichtet, und Thatsachen läugnend, zum Unsinn wird; im andern der philosophischeoder vielmehr »»philosophische, welcher den Vernunflsätzen, z. B. den Lehren vomDasein Gottes und von der geistigen Natur der Menschcnseele, ihre ursprünglicheGültigkeit streitig macht; im letzter» der religiöse oder vielmehr irreligiöse, der ent-weder, wie der Naturalismus pflegt, der göttlichen Offenbarung überhaupt, odereiner gewissen Form und Weise derselben, wie Zuden, Mohammedaner und Heiden(Ungläubige im kirchlichen Sinne) der christlichen Religion, oder einzelnen Religions-lehren, wie die Socinianer der Drcieinigkeitslehre, die Glaubwürdigkeit abspricht.Das Verfahrendes vorsätzlichen Unglauben«: für die Wahrheiten, die er verwirft,objective Beweise zu fodcrn, die sich nach der Natur der Sache nicht geben lassen,ist ebenso unbillig als ungereimt. Indem er augenscheinliche, in die Sinne fal-lende Beweise für übersinnliche Gegenstände, z. B. den Anblick geistiger Wesen,oder positive Begriffsbestimmungen von unbegreiflichen Dingen, z. B. von derEwigkeit Gottes, verlangt, werden die Mißverständnisse, von denen er ausgeht,sogleich erkennbar. Wenn aber auch der relative Unglaube, oder das Sträubengegen die Annahme einzelner, subjektiv nicht gleich einleuchtender Wahrheiten nurunter die Folgewidrigkciten gehört, so ist der absolute, der Alles, was geglaubtwerden soll, schlechthin verwirft, eine der größten Verirrungen des menschlichen Ver-standes, die nie ohne nachtheilige Folgen für die Sittlichkeit bleibt. Mcistcntheils hatder Unglaube seinen Grund in den Neigungen des Herzens, die bei einer strengen,beschwerlichen Wahrheit ihre Rechnung nicht finden, und bezieht er sich auf die über-sinnliche Welt, die die Religion uns ausschließt, so werden seine Ursachen im Man-gel an Bildung und Sinn für das Höhere und in theoretischer Einseitigkeit zu su-chen sein. Mit allen diesen Arten deS Unglaubens darf jedoch die Bedenklichkeit des