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11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
509
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Uniformitätsacte UmZenitus Osi Mus ete. 509

Philosophen, sich für ungeprüste Behauptungen zu erklären, oder in Sachen der! Überzeugung Machtsprüche anzuerkennen, nicht verwechselt werden. Diese Schwer-gläubigkeit kann aus der reinsten Wahrheitsliebe entspringen. (Vg, Glaube,Jndifferenlismus, Skepticismus.) L.

Uniformitätsacte heißt eine Verordnung des cngl. Parlaments von1662, zufolge welcher alle Geistlichen bis zum 24. Aug. d. I. ihre Übereinstimmungmit der Liturgie der hohen bischöfl. Kirche erklären, und nur unter der Bedingungdas Abendmahl verwalten sollten, wenn sie von engl. Bischöfen geweiht wären,i 2000 nonconformistische Prediger legten daher an diesem Tage ihre Ämter nieder.Erst das Toleranzedict des Parlaments von 1689, unter Wilhelm Ili., hob dieden Dissenters so ungünstige Uniformitätsacte auf.

IßniAenitusDe! killn 8 etc. sind die Anfangsworte einer vom Pap-ste Clemens XI. 1718 erlassenen Bulle, die u. d. N. der Constitulion Unigenikuseine dem päpstlichen Ansehen und dem Frieden der kathol. Kirche sehr gefährliche Be-rühmtheit erhalten hat. Um einen Hauptstrcich zur Unterdrückung der Jansenistenauszuführen, entwarf die jesuilische Partei am Hofe Ludwigs XIV., besonders derBeichtvater des Königs, Le Tellier, diese Bulle, und nöthigte ihre Bekanntma-chung dem Papste ab. Es waren darin 101 unverfängliche, mit Bibel und Kir-chenlehre fast wörtlich übereinstimmende Sätze aus den damals sehr beliebten mora-lischen Betrachtungen über das Neue Testament, die Paschas,us Quesnel, sonst, Priester des Oratorium zu PariS, nun in der Verbannung zu Amsterdam, seinerstanz. Übersetzung des N. T. beigefügt hatte, mit allgemeinen Machtsprüchen, alsketzerische und gotteslästerliche oder doch anstößige Behauptungen verdammt. Nurdie Wuth der Jesuiten wider Quesnel, den man nach Arnauld's und Nicole's Todeals Wortführer des Jansenismus betrachtete (vgl. Iansen), und wider den allge-mein verehrten Erzbischof von Paris, Cardinal Noailles, der Quesmel's Buchöffentlich empfohlen hatte und seine Unabhängigkeit gegen Le Tellier männlich zubehaupten wußte, konnte einen so empörenden Gewaltschritt begreiflich machen.Die Stellen, wo Quesnel im Tone seiner Partei der göttlichen Gnade (s. b.) einenunbedingten und unwiderstehlichen Einfluß auf das menschliche Gemüth zuschreibt,mochten allerdings durch die Schriften des heil. Augustinus zu rechtfertigen sein;aber wenn die Constitulion Unigenikus damit auch Sätze, die auf Reinheit der An-triebe zum sittlichen Handeln, auf Nothwendigkeit wahrer Gottesliebe zur Tugendund Versöhnung mit Gott, auf Allgemeinheit des Gebrauchs der heil. Schrift,

^ auf Verbesserung der Kilten und gewissenhaftere Führung des geistlichen Amtesdrangen, zusammenwarf und zu lehren verbot, so mußte die Welt erstaunen, wiedas Oberhaupt der Kirche der jesuitischen Nachgier und stanz. Hofpolitik so weithatte nachgeben können, unter seinem Namen ein Manifest wider die Grundwahr-heiten der christlichen Moral ausgehen zu lassen. Denn dafür wurde diese Consti-j tntion bald nicht bloß von den Jansenisten und den zahlreichen Freunden des verur-theilten, nun um desto begieriger gelesenen Buches, sondern auch von vielen un-^ parteiischen Katholiken angesehen. Das Parlament, der Cardinal Noailles miteinem großen Theile der stanz. Geistlichkeit, die Mehrheit der Theologen in derSorbonne, selbst die stanz. Damenwelt, der die Constitution durch Verketzerungdes Quesncl'schcn Satzes: „daß eine genaue Kenntniß der Religion u. heil. Schriftden Frauen nicht vorzuenthalten sei", dies erste Recht aller Christen absprach, unddie herrschende Stimmung des Volks brachen in offenen Widerspruch oder geheimeGegenwirkungen wider dieses jesuitische Machwerk aus, während die Jesuiten durchden König alle Mittel der Macht und Überredung anwendeten, um es in Frankreichzum NeichSgcsche zu erbeben und seine Einführung zu erzwingen. Konnten aberauch schwächere Gemüther durch känigl. Befehle, Bestechungen, Drohungen undVerhaftungen einzelner Widerspenstigen von niederm Range umgrstimme werden,