Druckschrift 
11 (1830) T bis V
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Ungarische Sprache

verträgt keine sogen, stummen Vocale, kein <- muet), und die bestimmte Vocalen-folge, geben der ungarischen Aussprache den Charakter des Prächtigen und einen !männlichen Wohllaut, worin sie sich mit jeder andern messen kann. Durch die lc- !bendige Fülle und Bedeutsamkeit der Wortformen und Fügungen gewinnt die iSprache eine ungemeine Energie; durch die nur mit der Sanskrit zu vergleichendeRegelmäßigkeit ihrer Flexionen und Verbindungen entsteht Deutlichkeit und Be-stimmtheit, durch die Eigenthümlichkeit ihrer reinen Wurzelwörter beweist sie Ori-ginalität; durch die unendliche Bildsamkeit, die aus diesen Wurzeln feste Stämmeemportreibt, welche sich mit kräftigem, in treuer Befolgung normaler Formen als !gesund bewährendem Organismus in vielfältige Äste, Zweige, Blätter und Blüthenentwickeln, erhält sie einen innern Reichthum, worin sie beinahe alle Sprachen desOccidents übertrifft. Weit beschränkter ist wol zurZeit noch der äußere Reichthumder Sprache, theils darum, weil sie bisher mit zu wenig Vorsicht das Recht des Be-sitzes und Gebrauchs mit mehren Sprachen im Lande theilte (mit der slawischen,serbischen, deutschen, neugriechischen, walachischen, italienischen u. a.), besondersaber darum, weil sie viele Jahrhunderte hindurch nicht nur aus den Geschäftsver-handlungen aller öffentlichen Behörden, sondern auch aus den Kirchen, aus den nie-dern und hohem Schulen durch die lateinische, sowie lange Zeit sogar aus der gebil-detem Conversation durch die franz. und deutsche Sprache verdrängt war. In-dessen gewann sie doch oft Gelegenheit, sich weiter zu verbreiten und zu entwickeln,theils an den Höfen ungarischer Könige und Magnaten, vorzüglich aber siebenbürg. ,Fürsten, wo sie sich wirklich am meisten ausbildete; theils durch die freie Verfassungdcs Landes, die in den Comitatsversammlungen (Provinziallandtagen) und auf denReichstagen den öffentlichen Gebrauch der ungarischen Sprache nicht unterdrückenließ; theils durch die zur Zeit der Reformation eingetretenen polemisch-theologischen IAnregungen, die sich meistentheils in der ungarischen Sprache, sowol beim Lehr-vortrag in Kirchen und Schulen, als auch häufig in Druckschriften äußerte; end-lich in dem Widerstreben gegen die gewaltsame Einführung der deutschen Sprachezur Gcschäftssprache unter Joseph il., was bei der damaligen Preßfreiheit vieletreffliche ungarische Werke aus Licht förderte. Seit dieser letzten Epoche nimmtdie ungarische Sprache einen höhern, herrlichen Schwung, worin Kraft, durch Be-sonnenheit geleitet, zum schönen Ziele wahrer Nationalvercdlung strebt, ohnedurch den Despotismus einer Sprachakademie beengt zu werden. Auf demReichstage 1825 wurde zu einer Akademie eine große Stiftung gemacht, und dergelehrte Graf v. Tclczi. bestimmte ihr s. kostbare Bibliothek. — Unter der großenAnzahl von Grammatiken der ungar. Sprache, wovon die erste, jedoch verloren ge-gangene, schon im 15. Jahrh, von Janus Pannonius, die erste im Druck erschie- !nene aber 1539 von Joh. Sylvester (oder Erdösi) bearbeitet war, hat wol die von !einem Vereine mehrer Gelehrten in Debreczin ungarisch verfaßte und in Wien 1795hcrausgeg. das große Verdienst der ersten Anregung einer gründlichen Kritik; dievon Gyarmathi, ebenfalls ungarisch geschriebene (Klansenb. 1795), zeigt ungemeineReichhaltigkeit; Verseghi hat in s. deutsch hcrausgeg. Sprachlehre (Pesth 1805), >

sowie in s. latein. geschriebenen (Ofen 1816) manche Eigenthümlichkeit der Spracherichtig aufgefaßt, aber die wahre Reinheit und edlere Form derselben verkannt; Be-regszaszi wollte in s. „Versuch einer magyar. Sprachlehre" (Erlangen 1797) nur dieVergleichung mildenoricntal. Sprachen berücksichtigen. Am brauchbarsten für denersten Anfang ist die von Joh. Farkas erst verfaßte, hernach von Franz Pethe um- !gearbeitete, wovon viele Aufl. schon erschienen sind; dann besonders die von Jos.Mürton (neueste Aufl., Wien 1820). Die vollständigste, mit der scharfsinnigstenKritik und mit Philolog. Gelehrsamkeit bearb. Grammatik ist wol die von NiclasReva! (2Bde., Pesth 1809) begonnene, deren würdige Vollendung, woran dertreffliche Verf. durch den Tod verhindert wurde, nur von einem so gründlichen For-