Ungarische Sprache 505
gen u.a.) nur der eine, tiefer wurzelnd, sich zum eignen Baum erhoben und bis aufunsere Zeiten blühend erhalten hat, so stammt auch die magyarische Sprache vonder jenem Volksstamme eignen (medisch-persischen?) Ursprache her, worin die semi-tischen und finnischen Sprachen, als Töchter, noch vereinigt lebten. Bon diesemStandpunkte aus zeigt sich sogleich der Grund des unter den Gelehrten noch immerfortwährenden SkreilS, ob die ungarische Sprache mit der lappländischen und finni-schen verwandt sei, wie Nudbeck, Eccacd, Ihre, Hell, Sajnovits, Gattcrer, Schlözcr,Büsching, Hagen, vorzüglich aber Gyarmathi gezeigt, oder mit den sogen, orientali-schen Sprachen, wie Öuokotsi, Ärtel, Kalmar, Versegi und vorzüglich Beregszaszibewiesen haben; aber eben darum ist nun auch die Entscheidung keiner Schwierig-keit mehr unterworfen, wie schon der scharfsinnige Niklas Rovai erkannt hat. Vonallen europäischen Sprachen also, außer der finnischen, in ihrer innern und äußernForm gänzlich verschieden, mußte die ungarische doch die eigentlichen Nuancirungenund asiatischen Feinheiten ihrer Laute mit Hülfe des seit der Bekehrung der Na-tion zum Chcistenthume angenommenen lak. Alphabets ausdrücken, wodurch schonlange die Aufgabe gelöst ist, die Volncy zuerst in s. „Kimplilroation des IsnKue»vriontal»:»" aufgeworfen und dann zur Preisbewerbung in Frankreich ausgesetzthat. — Der Ungar unterscheidet, wie der Orientale, die einfachen Vocale von denruhenden; jene (a,e,i, o, ö,u,ü) werden scharf ausgesprochen, sie mögen kurz oderlang sein; diese haben immer eine gedehnte Aussprache, und werden mit einemStriche über sich bezeichnet ü, ö, i, 6, », ü, u, und sehr genau von den erstem imSprechen unterschieden, z. B. ILur (der Arm), Kür (der Schade), Leroic (rund),ILeröle (das Nad), Ksrole (ich bitte). Die ungarische Sprache hat ferner, sowiedie orientalischen, keine eigentliche Diphthongen; sie unterscheidet die feinsten Ver-schiedenheiten der Laute, besonders der Mitlaute, äußerst genau. EigenthümlicheLaute sind g/, 1^, t/, wo das ^ keineswegs wie ein i gebraucht, sondern als ein
mit dem vorhergehenden Mitlaute innig verschmolzenes j (der vordere Kchlbrum-mer, nach Olivier) gehört wird. Sie verträgt am Anfange einer Sylbe nie mehrals einen Consonanten; in fremden Wärtern, die mit 2 Mitlautern anfangen, wer-den diese im Munde des echten Ungarn durch einen vorgesetzten Selbstlaute,: (ausevlrola wird islcola) oder einen eingeschalteten (eigentliches 8otnv.-r: auS leräl wirdIdeals) getrennt. Sie hat ein bestimmtes Gesetz der Vocalenfolge, wie die finnische(nach Rask und Sjögren), sie hat, wie,diese, gar keine Unterscheidungen sür-dasGeschlecht der Wörter, :abcr eine reiche Declination, mit einer' großen Menge vonCasusflexionen,;'die den für die Geschichte der Sprache überhaupt wichtigen Satz,den selbstJak. Grimm inst „DeutschenGrammatik" nurnoch.furchtsam ausdrückt,im hellesten Lichte darstellt, daß die Casusflexionen eigentlich aus Partikeln beste-hen, die an das Wurzclwort wachsen. — Der in den Denkgesetzen begründete Un-terschied zwischen den absoluten und relativen Formen der Wörter, der sich in vielenSprachen noch theilweise findet (in den semitischen als «tatu» oonstruetu» und sb-eolutus, in den gothischen, angelsächsischen und übrigen deutschen nach I. Grimm,als starke und schwache Formen, in den slawischen Dialekten, als concrcte und ab-stracte, in der französischen, englischen bei den Fürwörter als adsolu und eonjonetiku. s. w.), zeigt sich in der ungarischen Sprache durch alle Declinationen und Conju-gationen so bestimmt und charakteristisch, daß eben daraus für den Fremden, der inkeiner Sprache diese durchgängige Bestimmtheit kennt, die größte Schwierigkeitentsteht. Die verbindenden Bcsttzfürwörter, sowie die Verhältnißwörter (Präpo-sitionen) werden als Sufsixa ausgedrückt. Die Familien-Zunamen werden alsAdjective (aus denen sie meist entstanden find) angesehen, und daher auch den Tauf-namen vorgesetzt, z. B. kütori Kabor, gleichsam Gabriel von Bütor, oder der Bü-tor'sche Gabriel. Das schöne Verhältniß zwischen den Selbst- und Mitlauten,diegenaue Nugncirungiund richtige Articulimng, die jede Sylbe federt (der Ungar