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11 (1830) T bis V
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502
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502 Ungarische Literatur

tigs Einwirkung positiver Beschränkungen des Nationalcharakters aufgehört hatte,entfaltete sich dieser desto freier, und mit ihm die herrlichsten Blüthen vaterländischerLiteratur in alle» ihren Zweigen. Durch die mit vieler Freimüthigkeit geführtenreligiösen Streitigkeiten und die häufigen öffentlichen Neligionsvorträge, zu denendie damals auch in Ungarn aufkeimende Reformation Veranlassung gab, durch diejetzt mehr zum Bedürfniß gewordenen Kirchcngesänge, die aus heiliger Begeiste-rung flössen, sowie durch die Kriegs - und Volkslieder, die nun allenthalben ertön-ten, bereicherte, verfeinerte und erhob sich die Nslionalsprache so kräftig und er-starkte so sehr, daß sie damals schon beinahe die Stufe erreichte, worauf sie sich bis1780 erhalten hat. Man beeifcrtc sich, das Volk wenigstens über die Schicksaleseiner ältesten und nächsten Vorfahren in seiner eignen Sprache zu belehren; dazudienten die ungarischen Chroniken z. B- von Szökely, die zuerst 1559 erschien, vonTemcsvari 1569, von Heltai 1572, von Pelhö (eigentlich Zrinyi) 1660, Bartha1664, Lisznyai 1692 u. fg. Noch viel häufiger kamen jetzt ungarische Übersetzun-gen der heil. Schrift zum Vorschein, von Komjati zu Krakau 1533, von Pest! zuWien 1536, von Erdösi (oder Sylvester) zu Ujszigeth 1541, von Heltai zu Klau-scnburg 1546, von Szekely zu Krakau 1548, von Juhasz (oder Melius) zu De-breczin 1565, von Felegyhazi auch zu Debreczin 1586» von Karolyi zu Visoly1590, von Albert Molnar zu Hanau 1608, von Kaldi zu Wien 1625, von einemVerein resormirter Theologen zu Großwardein 1661, von Csipkes Komaromi zuDebreczin 1685, von Tätfalusi zu Amsterdam 1685 u.s. w., welche alle noch öfterund an verschiedenen Orten gedruckt erschienen, sogar im Auslande, zu Kassel,Utrecht, Nürnberg, Brieg u. a. Geistvolle Redner, die mit großer Kraft undWürde auch Feinheit des Ausdrucks verbanden, und mit den berühmtesten Predi-gern ihres Zeitalters die Vergleichung aushalten, traten damals auf, z. B. Gaalum 1558, Juhasz um 1556, Davids! 1569, Kultsar 1574, Bornemlsza 1575,Telegdi 1577, Detsi1582, Karoly! 1584, Pazmän1604, Ketskemeli 1615,Zvonarits 1628, Koptsanyi 1630, Kaldi 1630, Margiten 1632, Alvintzy 1738und v. A. Als geistliche Liederdichter zeichneten sich aus Szekely, Bornemisza,Batizi, Polst, Ujfalvi, Skaritzai, Fabrizrus, Fazekas, Alb. Molnar, Gclei, Dajka,Megyest u. m. Aber auch Volkslieder, worin vorzüglich die Heldenthaten vater-ländischer Krieger gepriesen, oder alte Geschichten und Märchen zur Untcrhalrungerzählt wurden, erschollen ungemrin häufig, z. B. von Tirwd! um 1540, Käkony!1549, Tsanadi 1577, Walken 1572, Tsaktvrnyi 1592, Tserenyi, Szegedi, Jllye-falvi, Sztaray, Fazekas 1577, Balassa, Jllosvai, Gosarväri, Veres, Enycdi,Szöllöst 1580 und unzählige A. Einen höhern Schwung nahmen die epischen Ge-dichte des Grafen Niklas Zrinyi (1652), des Ladisl. Lißthi (1653), des ChristophPaskö (1663), des Grafen Stephan Kohary (1699), und besonders die zahlreichenGeistcsproducte des talentvollen Stephan v. Gyöngyösi, die von 1664— 1734erschienen, sowie die lyrischen Gedichte eines Nimm, Balassa, Benitzky u. A. —Die vorher nur im Latein vorhandenen juridischen Zauberformeln des berühmtenStephan Werböczy wurden nun auch durch Blasius Veres 1561, Kaspar Heltai1571, Joh. v.Okolitsanyi 1648 u. A. dem Volke in seiner Sprache verständlichgemacht. — 1653 trat Joh. Tsere (Apatzai) sogar mit einer Encyklopädie allerWissenschaften, und 1656 mit einer Logik in ungarischer Sprache auf, zu einerZeit,- wo noch kein andrer Schriftsteller ein ähnliches Werk in seiner Mutterspracheversucht hatte. >— Auch die grammatikalische Vervollkommnung des magyarischenIdioms blieb keineswegs unbeachtet, wie die zahlreichen Sprachlehren, Wörterbü-cher und «.Werke, ungarische Philologie betreffend, dieser Zeit beweisen; z. B.die „Nomouvlatura" von Gabriel Pesti, zu Wien gedruckt 1538 und 1561; dieGrammatik von Sylvester (Erdösi) zu Ujsziget 1539; Calcpin's Lexikon mit unga-rischen Erklärungen, zu Lyon 1587; die Wörterbücher von Fabricius (Koväts) zu