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11 (1830) T bis V
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Ungarische Literatur

wenig mangelt es dieser Literatur an dem Werthe, den man nach der daraus zu ge-winnenden Ausbeute für die Gelehrsamkeit zu messen pflegt. Denn außer dem, daßdie ungar. Grammatik viele unerwartete Aufschlüsse für die Philosophie der mensch-lichen Sprache überhaupt gewahrt (s. Ungarische Sprache), außerdem, daßdie ungar. Poesie, besonders die lyrische, ausgezeichnete Muster aufstellt, so kannaus den Quellen, die sich hier eröffnen, der Naturkunde, der Ökonomie, der röm.und griech. Altecthumskunde und Philologie, der Geschichte überhaupt, dem allge-meinen Staats- und Völkerrechte und andern Wissenschaften gar manche Bereiche-rung zufließen. — Theils von eignem Dränge nach kühnenAbenteuern angetrieben,der durch den Geist der Zeit im Mittelalter bei so vielen kräftigen Völkern aufgeregtward, theils von fremden Fürsten zu Hülfe gerufen, wanderten die Ungarn ausAsien nach Europa ein, und drangen durch die nur lose zusammenhängenden Pro-vinzen der östl. Länder immer weiter vor, bis sie auf ein durch innere feste Verfas-sung und eine verständige Regierung consolidirtes Reich (Deutschland unter Hein-rich l. und Otto l.) stießen, das ihren kriegerischen Nomadcnzüge» Ziel und Gren-zen setzte (in, 1.955). Von nun an reflectirte der bisher beinahe immer außer sichgekehrte Geist der Nation vorzüglich auf sich selbst; die Civilisation der Magyarenbegann und hatte einen so raschen Fortgang, daß in weniger als 50 I. die Sicher-heit des Reichs im Innern und von Außen begründet, geordnete Betriebsamkeitund mildere Gesittung verbreitete und die Nation für die Annahme des Christenthumsempfänglich wurde. Allein anstatt auf dem Wege einer klugen Vorbereitung zurfreien Selbstcntwickelung, der dem Nationalcharaktcr des Ungarn am meisten zu-sagt, und den besonders Herzog Geisa vorher mit Erfolg betreten hatte, fortzufah-ren, suchte K. Stephan 1., sowie die meisten seiner Nachfolger, mit aller Machtnoch schnellere Fortschritte zu erzwingen. Das Mißvergnügen hierüber wurde durchdie häufige Aufnahme fremder Priester und Ritter in das Land, durch das Vor-dringen des Klerus zum ersten Stande des Reichs, durch das Aufdringen der latei-nischen und die Zurücksetzung der Nationalsprache, nicht nur bei kirchlichen Funktio-nen, sondern auch bei gerichtlichen Urtheilssprüchen, rechtsgültigen Urkunden undgesetzlichen Formen, in der Folge vermehrt, und brachte eine Opposition hervor, dieerst durch die weisen Maßregeln der trefflichen Fürsten aus dem Hause Anjou im14. Jahrh, einigermaßen beschwichtigt, sich jedoch nachher immer wieder erneuerte.Die lal. Sprache erhielt nun hier, wie in allen zu einiger Cultur emporgestiegenenLändern jener Zeit, die Oberherrschaft; aber in Ungarn behauptete sie dieselbe, ausbegreifliche» Ursachen, noch bis auf unsere Tage, wo jede andre gebildete Nationsich derselben nur mehr als eines untergeordneten Mittels zur Gelehrsamkeit bedient.Der hiermit sowol in das praktische Leben als auch in die wissenschaftlichen Be-schäftigungen überall so tief cingedrungene Gebrauch eines solchen fremden, tod-ten Materials, wie die lat. Sprache jetzt für uns ist, konnte weder dieser Spracheselbst, noch der allgemeinen Bildung des Volks, noch der Nationalliteratur zumVortheil gereichen. Zwar entfaltete sich, ungeachtet solcher ungünstigen Einflüsse,von Zeit zu Zeit manche schöne Knospe litcrarischer Cultur; es schwangen sich, ob-gleich so gefesselt, vorzügliche Talente in jedem Fache der Wissenschaften zu einerbedeutenden Höhe empor, aber wieviel besser hatte Alles gedeihen können, wennes mehr im Geiste der Nation, aus dem eigenthümlichen Leben derselben entwickelt,und nicht stets von Außen widernatürlich aufgedrungen worden wäre!

Schon im 11. Jahrh, entstanden in Ungarn eine Menge Kloster- und Episko-palschulen, die eine große Anzahl Schüler hatten; im 12. Jahrh, wurden vieleJünglinge, besonders solche, die sich dem geistlichen Stande widmeten, nach Pa-ris auf die dort neu errichtete berühmte hohe Schule geschickt; zu Anfang des 13.Jahrh, erhob sich bereits in Ungarn selbst, zu Weßprim, das erste Lturlium xene-rsle, das, außerhalb Frankreich, nach dem Muster der pariser Universität gemo-

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