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11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
498
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488 Ungarische Literatur

Pfarrer frei; aber dieser Unterricht wird meist 3—5 Mal niederholt, mit Geld-bußen, Schlägen, Gefängniß und andern Schreckmitteln gegen Beharrliche be-gleitet, das Zeugniß darüber ganz oder lange verweigert, die Zulässigkeit des Über-tritts von königl. Entscheidung abhängig gemacht, und diese viele Jahre zurückgehal-ten. Es sind höchst selten wirklich Katholiken, sondern in der Regel nur Protestan-ten, die der kalh. Klerus als Apostaten des Katholicismus in Anspruch nimmt unddafür quält, daß sie nicht katholisch werden wollen: also nicht nur die Kinder ausgemischten Ehen, auch Erwachsene und Greise, deren Vätcr oder Mütter irgend ein-mal, wenn auch auf dem Todbette, katholisch wurden oder in ihrer Jugend einmalwaren, selbst solche Protestanten, deren Vätcr unter den Bedrückungen vor 1781ewige Zeit katholisch waren, werden jetzt als abtrünnige Katholiken behandelt, danach einem Bescheide vom 9. März 1818 die Nechtsregel, nach der Gesetze keinerückwirkende Kraft haben, auf die Protestanten nicht angewendet werden darf. Un-ter demselben Vorwande müssen Protestant. Eheleute, deren eins aus solchen Grün-den katholisch werden soll oder freiwillig übertritt, sich entweder trennen oder recopu-liren und jedenfalls ihre vorherige Ehe für Eoncubinat, ihre Kinder für unehelicheerklären lassen. Auch werden Kinder so angesprochener Protestanten ihnen geraubtund katholisch erzogen, und Verlobte, deren eins katholisch ist, vor der nur von kaih.Pfarrern zu verrichtenden Trauung zu dem Versprechen gezwungen, alle Kinder ka-tholisch werden zu lassen. An allen Orten gemischter Eonfcssivn stellen die kalh.Pfarrer Hansvisitationen an, um Verzeichnisse (bUenobi) so angesprochener oderanzusprechender Personen zu fertigen (elenchisiren). Evangelische Geistliche dürfenKeinen, der im Elcnchus steht, zum Gottesdienste lassen oder mit Sacramenr undZuspruch trösten. Durch diese dem Sinne des Gesetzes über die gemischten Ehenwidersprechenden Auslegungen und Gewaltstrciche, wie durch alle erdenkliche Ränkeder Prosclytenmachcrei, worunter auch Befreiung vom Mililairdienst zum Lohne derApostasic vorkommt, verliert die evangel. Ki-che in Ungarn fast jährlich Hunderte.Ihre Beschwerden darf sie nur an den König bringen, und gemeinsame sind ihr 1818aufs Neue untersagt worden. Über solche, die der König beachtet, haben kalh. Lan-desbehördcn zu berichten, daher sie erfolglos bleiben. Starke Beschwerden brachtendie Evangelischen 1820 (s. „Isis", 1321, 5. H) und 1824 an den Kaiser. Keinewurden erledigt. Die überwiegende Macht des kalh. Klerus, der ein Drittel allesGrundbesitzes innc und auf alle Reichs- undProvinzialbchöcde» großen Einfluß hat,seine Pflicht, die Ketzerei auszurotten, der jetzt dafür wieder starker als je angeregteEifer und die Hindernisse, welche die Aristokratie den weisen Absichten des gütigenKaisers entgegenstellt, lassen Abhülfe der Bedrückungen und Übelstande schwer hoffen,unter denen 2 Milk. Evangel'scher — die stärker» (1,200,000) Neformirten wenigerals die Lutheraner — (nach Verzeviczy an 3 Mill. Evangelische) in Ungarn seufze».Vgl. Berzeviczy's „Nachricht über den Zustand der Evangelischen in Ungarn" (Lpz.1822); Friedrich's „Vertraute Briefe über die äußere Lage der evangel. Kirche inUngarn" (Leipzig 1825). 31.

Ungarische Literatur. Über diesen bisher vom Auslande wenig be-achteten Zweig der Literatur haben ungarische Litcratoren Auskunft gegeben, theilsin ungarischer Sprache, wie Spangar (um 1738), Bod(1766), SLndor, Bu-dai, Papai, Toth, Jankowich u. A.; theils in latein. Sprache, z.B. Ezwirrin-gcr (um 1711), Rotarides (1745), Bel, Schier. Haner, Schmeitzel, Wesz-pro'mi, Pray, Wallaszky, Simonchich, Velnai, Tibold u. s. w.; theils auch indeutscher Sprache, nämlich Windisch, Seivert, Kovachich, Engel, Feßlcr, Mil-ler, Schwartncr, Schcdius, Lübeck, Nösler u. A. — In ihrer Literatur spie-gelt sich ganz der Charakter dieser an sich sehr merkwürdigen Nation, ihre eigen-thümliche Ansicht des Lebens und der Welt; in ihr zeigt sich vorzüglich der interes-sante, noch immer fortwährende Kampf, den dieses Volk seit seinem Eintritt in Eu-ropa mit dem Schicksale zu bestehen hat und bisher so ehrenvoll bestand. — Ebenso