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Ungarn (gcogr.-stati'st.)
v. Östreich und Joh. Zapolya. Endlich verschafften die protestantisch Gesinnten, dieaus Furcht vor Zapolya's Verketzerungssucht Ferdinanden anhingen, diesem dieOberhand, und Zapolya mußte sich mit Siebenbürgen und einigen EomitatenOberungarns begnügen. Allein eben diese Theilung enthielt den Keim unaufhör-licher, von den Türken und Franzosen genährter Zwistigkeiten mir Zapolya's Nach-folgern, und brachte in Verbindung mit den Verfolgungen der Protestanten (beson-ders seit der Aufnahme der Jesuiten 1561) bürgerliche Unruhen hervor, zu derenBeilegung die Friedenstractate von Wien mit Stephan Botskay (!606i, von Ni-kolsburg mit Gabriel Bethlen (1622), und von Linz mit Georg Rakoczy (1645)ein-gegangen wurden. Endlich eroberten Leopolds I. Feldherren Ofen (1686); die Un-garn, welche ihrer Verfassung ergeben waren, verurtheilte das tyrannische Blutge-richt zu Eperies 1687; der presburger Landtag erkannte die Erblichkeit der unga-rischen Krone an, und die Pforte gab in dem karlowihcr Frieden (1699) das übrigeUngarn (außer dem Banate) nebst Siebenbürgen zurück. Indessen veranlaßte die-ser Friede und die Errichtung der Oominmsio noo-avguistic-i, vor welcher alle An-sprüche auf die von türkischer Botmäßigkeit befreiten Landgüter ausgewiesen wer-den sollten, neue Bewegungen, welche erst der duldsame Joseph l. 1711 durch denszathmarcrFrieden dämpfen konnte. Der passarowitzerCongreß (1718) brachte dasBanal an Ungarn zurück, und der nachtheilige belgrader Friede (1739) bestimmtedie Grenzen Ungarns und der Türkei auf längere Zeit. Karl VI. sicherte durch diepragmatische Sanction auch den weiblichen Descendenten des Habsburgischen Hau-ses die Thronfolge in Ungarn und verbesserte die Verwaltung, indem er der ungari-schen Hofkanzlei und Statthalterei eine zeitgemäßere Gestalt verlieh; endlich schufer ein stehendes Heer für Ungarn und die Militaircontribution als Fonds zu dessenUnterhaltung. Ungemeine Verdienste um Ungarn erwarb sich Maria Theresia durchdie Rcgulirung der Unterthanenverhältnisse (das sogen. Urbarium) 1765, durch dieEinführung der Dorfschulen (1770) und die Aufhebung des Jesuitenordens (1773).Auch Joseph II., einer der größten Regenten s. Jahrhunderts, hatte bei den Verän-derungen, die er mit der ungarischen Verfassung vornahm, die besten Absichten;doch übersah er bei s. Eifer die Nothwendigkeit, solche Reformen allmälig vorzube-reiten. In der Nation fand er nirgends Unterstützung, vielmehr Widerstand, undLeopold II. sah sich genöthigt, alle Verordnungen seines in Ungarn ohnehin nicht ge-krönten Bruders zu widerrufen.
Das heutige Ungarn mit s. Ncbenländern: Kroatien, Slawonicn, dem Litoraleund Siebenbürgen, liegt zwischen den dcutsch-östreich. Provinzen und der Türkeimitten inne. Es ist beinahe ganz mit Bergen umkränzt, worunter die Karpathenvom N. a»S im Innern des Landes sich verzweigen. Der höchste Punkt ist dieLomnitzec Spitze; der niedrigste Ort bei Orsova. Zwischen den beiden Hauptströ-men, der Donau und der Theiß, breitet sich eine fruchtbare Ebene auf mehr alsiOOO ss)M. aus. 160 Flüsse durchkreuzen das Land nach allen Richtungen. Unterden Seen sind der Plattensee (10 Meilen Länge, 1—2 M. Breite) und der Ncu-siedlersec (4 M. Lange, 1—1f- M. Breite), unter vielen Morästen der etsederMorast (5 M. Lange, 1—1^ M. Breite), die sogenannte Sumpfwiese, welche sichvorder nun schon weit gediehenen Austrocknung auf 70,000 Morgen ausdehnte,und der Hansäg, der 6 fZM. mit schwimmendem Rasen bedeckt, auf dem nichts alsSchilf, Rohr und Binsen wachst, die bedeutendsten. Schon die gcogr. Lage, nochmehr aber die Beschaffenheit des Bodens machen Ungarn zu einem der gesundestenLänder; denn, mit Ausnahme des kalten, nach N. offenen Poprader Thals, liegtes vor den rauhen Nordwinden durch hohe Gebirge geschützt, und im S. öffnet essich der warmen Seeluft; doch sind hier die Moräste der Gesundheit nachthcilig.Ungarn vereinigt die verschiedenartigsten Klimate mit der größten Fruchtbarkeit desBodens; das Biharcr Comitat allein könnte, besser angebaut, ganz Ungarn versor-