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Ungarn (Geschichte)
der Ohra geschlagen wurden. Ihr letzter Einbruch in Baicrn 954 und 955 endigtemit ihrer gänzlichen Niederlage am Lech, wo sie der König der Deutschen, Otto 1,besiegte. Allmälig lernten sie von den bezwungenen Slawen und Deutschen und denauf ihren Streifzügen gemachten Kriegsgefangenen Ackerbau und Handwerke. SchonHerzog Taksony bewies durch die Ansiedelung der handeltreibenden Jsmaöliten inder Gegend des heutigen Pesth, daß er die Nothwendigkeit eingesehen habe, seineMacht auf andern Wegen, als durch beständige Kriege, zu vergrößern; noch mehraber lockten Geysa's Gastfreundschaft und der christlichen Sarolta, seiner Gemah-lin , Religionseifer Fremde aus verschiedenen Reichen und Ständen nach Ungarn.Der Einführung des Christenthums durch die Bischöfe Pellegrin von Passau undAdelbert aus Prag widersetzten sich die Ungam auf das hartnäckigste, und Geysamußte dessen weitere Verbreitung s. Sohne Stephan überlassen, der sie mit Hülfe> lateinischer Mönche und deutscher Ritter endlich durchsetzte. Für s. Verdienste umdie Ausrottung der Heiden erhielt Stephan vom Papste Sylvester II. eine Krone, wo-von ein Theil noch jetzt an der 8»eia ke^ni HunAarise corvim übrig ist, nebst einempatriarchalischen Kreuz und dem Titel eine« apostolischen Königs. (Jene Krone istaus der des Papstes und aus der dem Könige Geysa vom griech. Kaiser geschenktenzusammengesetzt.) So stiftete Stephan 1000 das Königthum, das er durch dieMacht der Hierarchie und Aristokratie zu befestigen suchte. Er errichtete 10 reichlichdoiirte Msthümer und theilte das ganze Reich in 72 Comitate (Gespanschaften) ein,in denen ebenso viele dem König allein vcrantwortlicheObergespäne die vollständigste' Militair- und Civilgewalt ausübten. Diese Obergespäne und die Bischöfe bildetenden Reichssenat, mit dessen Zustimmung König Stephan s. Volke eine Verfassunggab, deren Hauptzüge sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Früher wardaS Volk in 7 Stämme und 108 Geschlechter getheilt gewesen. Der Mangel einerfestgestellten Thronfolge, und die dadurch herbeigeführte Einmischung benachbarterj Fürsten und der römischen Curie in Ungarns innere Angelegenheiten, der tödtlicheHaß der Magyaren gegen die vom König Peter, Stephans Nachfolger, zu sehr be-günstigten Ausländer, der fortwährende geheime Kampf des Heid -athums mit demChristenthume, vorzüglich aber die Anmaßungen der Geistlichkeit und des Adels,verhinderten noch lange nach Stephans Tode des Staates Aufblühen und die Ent-wickelung seiner Kräfte. Des Kampfes letzter Ausbruch geschah unter Andreas 1., inweichem der BischofS. Gerhard von demOfncr Berge, auf welchem jetzt die Stern-warte steht, herabgestürzt und mit mehren Christen ermordet wurde. Doch leuchtenLadislaus deS Heil. Religiosität und Tapferkeit, sowie Colomanns Energie und Klug-heit aus dem Dunkel jenerZeit hervor; Beide erweiterten desReiches Grenzen, jenerdurch Kroatiens und Slawoniens (1089), dieser durch Dalmatiens (1102) Erobe-rung ; Beide behaupteten mit Festigkeit die Würde der ungarischen Krone und dieSelbständigkeit der Nation gegen äußere Angriffe; Beide stellten durch treffliche Ge-setze und deren Handhabung im Innern Ordnung und Ruhe wieder her. Wie dieEinführung deutscher Colonisten aus Flandern und dem Elsaß nach Zips und Sie-benbürgen durch Geysa II. (1143) für diese Gegenden insbesondere, so blieb auch dielängere Verbindung Ungarns mit Byzanz unter Bcla 111., der daselbst erzogenwar, für des Landes Cultur nicht ohne Folgen; die Magyaren, die bis dahin den! größten Theil des Jahres unter Zelten zugebracht hatten, gewöhnten sich immer! mehr an städtisches Zusammenleben und bürgerliche Einrichtungen; mehre Hof-ämter und eine Reichskanzlei wurden nach dem Muster des griech. Hofes errichtet.Von der andern Seite trat Ungarn durch die zweite Heirath Belas (1186) mitFrankreich in Berührung; Margaretha, Schwester des Königs Heinrich v. Frank-reich und Witwe des Königs Heinrich v. England, brachte französische Eleganz an denungarischen Hof, und um diese Zeit findet sich die erste historische Spur von Reisenstudirender Ungarn nach Paris. Allein der begüterte Adel und die Geistlichkeit be-nutzten Andreas II. Schwäche, um ihren Einfluß, ihre Macht zu vermehren; jener