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11 (1830) T bis V
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Umtriebe (demagogische) in Deutschland

und nach losgesprochen und ihrer Hast entlassen. Am gespanntesten war die öffent-liche Aufmerksamkeit auf den Sand'schcn Proceß, dessen Resultate aber, wie sichaus der Schrift: „Actenauszüge aus dem Untersuchungsprocesse über C- L. Sand",klar ergibt, den Glauben an das Dasein eines geheimen revolutionnairen Bundeskeineswegs bestätigten. Denn auch die am 8. Juli 1819 in Beschlag genommenenPapiere der berliner Burschenschaft hatten auf keine andre Spur geführt, als aufdie, daß der Pros. v. de Wette in Berlin ein Trostschrciben an Sand's Mutter er-lassen habe. Die preuß. Regierung trug daher bei der bairischen auf die Verneh-mung der Sand'schen Familie über ihre Verhältnisse zu dem Pros. de Wette undauf die Millheilung jenes Schreibens an. Bei der nähern Untersuchung ergab sichzwar in Ansehung jener Verhältnisse nichts Verdächtiges; allein die von Sand'sÄltern dem Landgerichte zu Wunsiedel (d. 5. Aug.) ausgelieferte Abschrift des deWette'schen Schreibens an die Justizräthin Sand vornZ1. März veranlaßte die Ver-nehmung des l>. de Wette, und da er sich zu dem Inhalte der Abschrift s. Privat-briefes bekannte, die sofortige Entlassung desselben von s. Lehramte durch eine Ca-binetsordre. (Vgl. Sand.) Ebenso wenig entsprach die gegen Iahn und A. ge-führte Untersuchung *) den erregten Erwartungen von der Wichtigkeit der gemach-ten Entdeckungen, und schon las man in öffentlichen Blättern die einlenkende Bemer-kung , „die außerordentlichen Maßregeln im Preußischen wegen demagogischer Um-triebe und geheimer Verbindungen seien vielleicht nicht genug in der eigenthümlichenFarbe, die sie in Preußen als preußische nothwendig besäßen, allgemein erblickt undgefaßt worden". — „Die Vorkehrungen hätten fast nur die Zukunft zum Gegen-stände gehabt, und wären der möglichen Gefahr entgegengetreten. Es sei der Re-gierung um Enthüllung, um Einsicht und Kenntniß zu thun gewesen, um Abschre-ckung und Warnung, damit im Dunkeln kein Übel sich gestalte und vermehre, dasspäterhin nur trauriger bestritten würde".

Endlich ward das Publicum durch die in der „Preuß. Staatszeitung" (Febr.1820) enthaltenen „actenmaßigen Nachrichten über die revolutionnairen Umtriebein Deutschland" aufgeklärt, und nun sah man allerdings, daß ein gefährlicher po-litischer Schwindelgeist die Köpfe vieler jungen Leute eingenommen hatte. Unter die-sen befand sich ein ehemaliger jenaischer Student, Joh, Ferd. Wit, **) der Sohneines holsteinischen Pferdehändlers, welcher erst in Kiel, dann in Jenabis Ende1818 studirt und zuletzt in Alton« unter Polizeiaufsicht gestanden, dann aber, imOct. 1819, sich nach England eingeschifft, und in London die auffallenden, aberläppischen Artikel über Deutschland im „NorninF ellronielv" geschrieben hatte.Dieser Enthusiast, der nach dem Protokolle des jenaer Universitätsgerichts vom 21.Der. 1818 schon in Jena für einen überspannten Menschen galt, sollte daselbst nebstSand und a. in Arrest gewesenen Individuen zu einem engern Vereine gehört haben.Er war Verf. der Flugschrift: „Neuestes aus Kurhessen", und hat sich selbst alsBerf. des berüchtigten Gedichts: „Die deutsche Jugend an die deutsche Menge zum8.Oct. 1818, 30 oder 35 gleichviel!" weßhalb K. Follen in Untersuchung ge-'men war, angegeben. Jene Aufsätze von ihm im „klorumA «bromcle" stimm-et den im Juli 1819 in Beschlag genommenen, an Wahnsinn grenzenden,

^gl. Jahn's von dem Justizcommissair Schulze geführte Vertheidigung, in wel-.. A. die von Jahn's Denuncianten, dem Reg.-R. Jahnke, aufgestellten Behaup-ten völlig entkräftet worden sind, in den „Aktenstücken des Jahn'schen Processes" (Gla-ö 1823). In der Folge wurde Iahn (s. d.) durch das Oberlandesgericht zu Frank-Mt a. d. O. (25. März 1825) von aller Anschuldigung und Strafe freigesprochen.

") Über diesen Abenteurer, welcher die Neugierde mit s. „Fraqm. aus meinemLeben rc." und mit den „Lucubrationen eines Staatsgefangenen" (Braunschw. 1827)beschäftigt hat, vgl. m. „Hermes" (30. Bds. 1. Hst.) und „Deutsche Jugend in wei-land Burschenschaften und Turngemeinden. Materialien zu dem verheißenen I. Thle.l« Fragmente" (Magdeb. 1823). (AIS Vers. wird Weffelhöft genannt.)

Conv.-Lex. Siebente Aufl. Bd. XI. ch 31