482 Umtriebe (demagogische) in Deutschland
politischen Tilden eines unter Polizeiaufsicht stehenden Gymnasiasten in einer preus,.Stadt fast wörtlich überein. Ferner theilte die „Staatszeitung" als Beweise derJugendverführung (daß man nämlich in Schulen gelehrt habe: , die Jugend seischon !m Knabenalter mündig und müsse daher frühzeitig mit den Grundlagen einerauf republikanischen Grundsätzen aufzurichtenden Verfassung sich beschäftigen, so-dass sich Tertianer und a. Schulkunden zu Staatsreformatoren und Eonstitutione-verfassern berufen geglaubt"), jedoch ohne die Namen der jungen Verfasser zu nen-nen, mehre schriftliche Expcctorationen dieser Lykurgus-Embryone mit, und fügtedie Bemerkung hinzu, daß sie sämmtlich leidenschaftliche Schüler der Turn-plätze gewesen seien. Wir führen hieraus nur so viel an: 1) Ein Lssjahriger Gym-nasiast schrieb phraseologischen Unsinn über Einheit und Freiheit an einen jungenPrivatdocenten, d. 19.Mai 1819. 2) Ähnliche schwärmerische Luftblasen beschriebein 16jähriger Tertianer d. 30. Nov. und d. 29. Der. 1819 einem Seminaristen.3) Erklärte sich ein Mjähriger Seminarist schriftlich über das wiederkommende hei-lige deutsche Kaiserthum; auch die Turngemeindcn hatten der Wiederkunft einesdeutschen Kaisers entgegengeharrt. 4) Ein Buchdruckerlchrling schrieb Dasselbe aneinen Seminaristen. 5) Ein 18jähr!ger Handlungsbursche schrieb Ähnliches an ei-nen Schulamtscandidaten v. 24. Sept. 1819. 6) Ein Schüler, der eben consir?
mirt werden sollte, legt. demselben Seminaristen d. 27. Nov. 1819 s. Eonstitu-lionSentwurf von einem deutschen Kaiserchume vor, wie es in 14 Kreise einzuthei-len sei u. s. w. Diese Solone äußerten sich gegen einander mit beifälliger Bewun-derung , oder wie ein 20jähr:aer, unmündiger Schulamtscandidat mystisch albernüber Sand's That. 7) Noch kecker erklärte sich ein gewisser D. M. in F. f. t. ineinem Briefe »om 13.-Avg. 1815, über das künftige „nicht mehr Bestehen derKleinstaaten in Deutschland", die er Mäuse nennt, „welche stets an unserer Volks-thümlichkeit nagen". Außerdem wurde die politische Einheit Deutschlands in meh-ren Wissenschaft!. Studentenvereinen, z.B.inG., I., F., ganz ernsthaft bespro-chen , wie die in der „Staatszeitung" ausgehobenen Stellen aus Briefen und 'Aus-sagen mehrer Studenten und Magister bewiese»; aber fast immer ersassen die Frei-beit und Einheit Deutschlands unter Einem Kaiser nur als Idee, wie sie schon oftin gedruckten Büchern verhandelt worden ist. Falsche Theorien, selbst in der Po-litik, sind aber von jeher innerhalb und außerhalb der Mauern Jliums aufgestelltworden. So z. B. suchte ein Recensent in der von Mastiaur'schen „Literaturzeitung"(Heft 3, 18l9) den Grundsatz aus der Finsterniß des Mittelalters wieder hervor-zuziehen : „daß der Papst, zwar nicht ox, oklivio, aber auf Anrufen (der Untertha-nen) den HuldignngseiS rekaxiren könnte". Überhaupt darf man fragen, in welchemöffentlichen Blatte hat man sich unschicklicher gegen Regierungen und Staatsmini-ster erklärt, als es in jenem Blatte geschehen ist, das sogar die Protestant. Fürstenbeschuldigt, die kath. Kirche unterdrücken zu wollen? — Doch eine falsche Theoriewird durch die Theorie widerlegt, nicht durch die Macht: erst wenn Absicht undThat hinzukommen, greift die Macht ein. Von solchen verbrecherischen Thatsachenaber enthielten die aufgefundenen Papiere Nichts. Vielmehr brachte die „Stagsszeitung" selbst Zeugnisse bei, daß von gewaltsamen Mitteln, eine Einheit ln Deu 'land zu bewirken, in den Burschenschaften nie die Rede gewesen sei. Man ststter allen diesen Einhcitspredigern auf wenig entschiedene Republikaner, die nr.Bolksherrschast wollten. — Aus unbekannten Ursachen hörte die „Staatszeitung"plötzlich mit ihren Mittheilungen über diesen Gegenstand auf. Werfen wir nun einenBlick auf Alles, was kundgemacht worden ist, so bleibt die Öffentliclikeit auffal-lend, mit welcher diese Jünglinge ihren Gallimatbi'as in Briefen und Stammbü-chern niedergeschrieben hatten, sowie die Formlosigkeit ihrer Verbindungen. Ausdem Bekanntgemachten aber schien sich so viel zu ergeben, daß politische Traumeallerdings eine Menge jugendlicher Köpfe erhitzt und drehend gemacht, daß die jun-