474
Umtriebe (demagogische) in Deutschland
dische altdeutsch-romantisch-ästhetische Mysticismus und der jeder Schwärmereieigne Sektireistolz verbanden. Indeß reizten auch wol hier und da die Gleichgül-tigkeit gegen die Feier des 18. Oct. und verächtliches Absprechen über das Daseinund die Bedeutung der ebenso fromme» als glorreichen Volksbegeisterung 1813 fg.das Volk und ganz besonders die erwachsene Jugend zum Unwillen. Endlich gabdie Jubelfeier der Reformation dem Nationalgefühl einen erhöhten Schwung.In dieser — psychologisch sehr erklärbaren — Stimmung feierte die akademischeJugend das von der weimarischen Regierung in gutem Glauben gestattete Wart-burgsfest; zugleich suchte sie die von der Teutonia und andern Vereinen langst ge-hegte Idee der Einheit der deutschen Nation in der sogenannten allgemeinen Bur-schenschaft darzustellen. Da nun dieser an sich unhaltbare Plan, dessen Mittelüberdies noch weit ablagen von der Sphäre des akademischen Berufs, manchemernsten Manne verdächtig erschien, so wurde um so eher denjenigen Schriftstellern,welche durch den literarischen Eensurmulhwillen einiger Studenten bei dem Octo-berfeuer des Wartburgsfestes beleidigt worden waren, aufs Wort geglaubt, daßdieser strafbare Muthwille ein politischer Frevel sei, und daß die ganze akademischeFreiheit eine revolutivnnaire Richtung genommen habe. Diese wieder übertrie-bene Beschuldigung reizte die jungen Leute heftig auf; dazu kam der Vorfall inGöltingen. Doch erst als Stourdza und Kotzebue, die Jugend verhöhnend, indie Schranken traten, vergaßen einzelne Studenten das würdige Benehmen, wel-ches dem ruhigen Manns geziemt. Übrigens nahm man die Sache jetzt wol zuernsthaft, und dadurch wurde sie es. Da geschah es, daß ein in der Gemüths-schwärmerei längst befangener, übrigens unbescholtener Jüngling sich bis zum Fa-nalismus exaltirte. Er griff zum Dolche und setzte Leben und Ehre an eine Idee,für welche er zu sterben entschlossen war. Natürlich bewunderte mehr als Einerden Muth, der für etwas edel Gefühltes einem Meuchelmorde sich hingab; derdurch das viel zu langmüthig geduldete Duellunwesen an Selbsthülfe gewöhntejugendliche Dünkel übersah dabei, daß der Zweck falsch durchdacht, und daß dasMittel ein Verbrechen war. Bei andern redlich gesinnten, jedoch bangen Gemü-thern kamen zu dem gerechten Abscheu »och Furcht und Argwohn. Man fing an,an einen Assassinenbund zu glauben; denn hier und da sprach ein Knabe wirklichwie ein Dolchritter.
Nun wurden politisch verdächtig die, oft doch nur scheinbare, Nohheit vielerTurner, deren Gesetze übrigens (wenigstens nach GulöMulhs's Katechismus)streng sittlich waren, der allerdings anmaßende Ton eines großen Theils der jungenWelt und das mystisch - alterthümliche Deutschrhum der Burschenschaft. In demärgerlichen Streite über Turnen und Tumziel übertrieben die Turnfreunde viel zuviel und verdarben durch ihr Zunstspiel Alles. AlS das Gefährlichste erschien jedochdie geheime Verbindung. Hatten aber der Tugendbund und die deutsche Unionschon früher den Trieb zu solchen Verbrüderungen selbst unter Männern genährt,und hatte späterhin die Kette des Adelsbundcs ein Beispiel andrer Art gegeben; sowar es erklärlich, daß auch in der Studentenwelt das alle Spiel mit Orden undLandsmannschaften sich als Burschenschaft erneuerte.
Es hatte nämlich schon der edle Fichte durch seine Reden an die deutsche Na-tion Deutschlands Jugend begeistert, daß sie Deutschlands Ehre wiederherstellte,wann sie einst zum Mannesalter und Geschäftsleben gereift sein würde. DiesesZiel ward beabsichtigt und vorbereitet durch die Stiftung des Tugendbundes(s. d.) im Frühjahr 1808, der nicht ohne Vorwisscn höherer Behörden entstandenwar. Als er nach Schill's blutigem Rettungsversuche aufgehoben ward, dauerteder Geist desselben im charlottenburger Vereine fort, abermals nicht ohne Vorwis-sen und Theilnahme höherer Personen. Dann trat Iahn (s. d.) auf (1810) mitseinem Turntvescn (s. d,), und es ward in dems. I. zu Berlin der deutsche Bund