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Ulrich (Herzog von Würtemberg)
fruchtbar an Obst u. Getreide; der Weinbau hat schon seit 200 Jahren aufgebort.Hie Donau ist hier 200 F. breit und 10 —12 F. tief; sie wird durch das Einströ-men der Jller und Blau schiffbar, und ihr Thalweg bildet hier die Grenze zwischenBaiern und Würtemberg. Diese Lage und die 1830 von einer gemeinschaftlichenBaucommission gebaute Ludwig-Wilhelms-Brücke befördern den Handel, der infrühern Zeiten beträchtlich und noch bis auf die Mitte des 18. Jahrh, nicht unbe-deutend war. Durch die Handelsverbote und Mauthsysteme der deutschen Regie-rungen aber sehr beschrankt, bestand das Gewerbe hauptsächlich in Spedition aufder Donau nach Östreich. Doch lebt der Handel wieder auf, nachdem Baiern undWürtemberg 1820 zu Einem Handelsstaate vereinigt worden sind. Ulm hat Ta-backsfabriken, Leinwandweberei und feine Brotbackerei; geschätzt sind die ulmerMaserpfeifenköpfe, der Zunder aus Lindenbast» die Graupen und die in der Umge-gend gemästeten Schnecken. Wichtig sind der Gartenbau und der Schiffbau. Dashiesige Gymnasium ist berühmt. Der Dom, einer der höchsten, weitesten und hell-sten in Deutschland, gehört, obgleich der Thurm nicht vollendet ist, zu den schönstenWerken gothischer Bauart; die Vorderseite des Thurms ist von erhabener Schön-heit, ebenso die Gewölbe mit ihren Pfeilern und Säulen und dem Sacramenten-hauschcn; die Kirche selbst ist 485 F. lang, im Innern 416, und das Mittel-gewölbe 141 F. hoch. Der Bau dieses Münsters soll von Ulrich von Ensingen imUcchtlandc angefangen, von dessen Söhnen Kaspar und Matthias (st. 1463), hier-auf von Match. Boblinger von Eßlingen 1474 fortgesetzt worden sein. Die Fun-damente wurden 1377 gelegt, und die Kirche in 111 I. vollendet. Die Stadthat durch ihre Lage an der Oberdonau auch politische Wichtigkeit. Im Kriege 1805ward Ulm, nachdem die Franzosen unter Napoleon am 14. u. 15. Oct. bei Elchin-gen gesiegt hatten, am 17. Oct. mit Capitulation genommen, und der GeneralMack mit 24,000 M. daselbst zu Kriegsgefangenen gemacht. Die Festungswerke,kurze Zeit vor diesem Ereignisse ihrem größten Theile nach niedergerissen, wurdennun vollends geebnet. Vgl. Haid, „Ulm mit seinem Gebiete" (1786), und Die-tcrich's „Beschreib, des Münsters in Ulm" (Ulm 1825, m. Kpf.).
Ulrich, Herzog von Würtemberg, geb. 1487, ein Sohn des wahnsinniggewordenen Grafen Heinrich, kam zur Regierung, weil von Eberhard imBart (s. d.), dem ersten Herzog, und dessen Nachfolger, Eberhard 11., keinemännliche Nachfolger vorhanden waren. Die abscheuliche Vertreibung des Letz-tem durch seine Räthe, Diener und Amtleute 1498, setzte U. schon als 11jährigenKnaben in den Besitz des Hcrzogthums ; aber diese Räthe regierten in seinem Na-me», und besorgten höchst nachlässig und zweckwidrig seine weitere Erziehung. Umder kaiserl. Hülfe gegen den vertriebenen Eberhard desto gewisser zu fein, verlobtensie U. sogleich mit der Prinzessin Sabine von Baiern, einer Schwestcrtochter desKaisers, veranlaßten aber dadurch, daß der Kaiser, welcher ein Regiment von 13Personen weder für das Land noch den jungen Herzog vorthcilhast finden mochte,ihn schon in seinem 14. I. für volljährig erklärte. U. war kraftvoll, feurig, mu-lhig, ein Jüngling von Kopf und Herz; aber so viel er lateinisch gelernt hatte, wardennoch weder das Eine noch das Andre gebildet worden, und er eben durch dieseRohheit und sein ungestümes Feuer ungeheurer Handlungen fähig. Späterhinmachten ihn seine widrigen Schicksale hart, was er ursprünglich nicht war, undversauerten seinen Charakter durch Argwohn und Mißtrauen gegen alle Welt. Dieersten Jahre seiner Selbstregierung zeichnen sich aus durch seine Theilnahme ambairisch-landshulischen Erbsolgekriege, welcher Würtemberg bedeutend vergrößerte;durch den glänzendsten Hof in Deutschland, welcher der Sammelplatz alles süd-deutschen Adels war; durch seine prachtvolle Vermählung mit Sabine v. Baiern,vbschon er sie gegen seine Neigung geheirathet zu haben scheint; durch die GnadeKaiser Mariniilians I., der den Tochtermann seiner Schwester begünstigte. AberConv.--Lex. Siebente Anst. Bd. XI. f- Z0