Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
457
Einzelbild herunterladen
 

457

Ugarte y Larrizabal

nisterium des Herzogs von San-Fernando, nach Segovia verwiesen. Sobald derKönig die Constitution von Cadiz angenommen hatte, kehrte Hr. v.U. mit andernVerwiesenen nach Madrid zurück, blieb aber im Hintergründe. Er unterhielt jedochmit dem Könige sehr thätige geheime Verbindungen. Durch s. Vermittelung Über-mächte der Monarch eigenhändig von ihm geschriebene Briefe an den Kaiser ».Ruß-land und an andre Fürsten. So arbeitete auch Hr. v. U. im Interesse seines Herrnsehr thätig, um 1822 die ersten rcyalistischen Jnsurrectionen zu organisircn. Wäh-rend der Regentschaft vom 1.1823 sprach man wenig von ihm; allein kaum warderKönig nach Madrid zurückgekommen, so wurde die Gunst, in der Hr. v.U. stand,sehr sichtbar. Der russische Botschafter in Paris, Graf Pozzo di Borgo, fand an ihmeinen Mann, der wegen seiner Verhältnisse mit Hrn.v. Tatitscheff, die niemals un-terbrochen worden waren, für Rußland große Ergebenheit bezeigte, und sehr bereitwar, das Ministerium des D. Victor Sacz zu stürzen, welches in Hinsicht auf ihneine beleidigende Unabhängigkeit zeigen wollte. Seil dieser Zeit nahm Hrn. v. U.'sEinfluß stets zu. Er wurde 1824 zum Secretaic des Minister - und desStaaks-raths ernannt, was in Spanien ein sehr wichtiges Amt ist, das man für ihn wiederschuf, und das ihm den Rang eines Ministers ertheilte. Er ward jetzt durch s. Ein-fluß der geheime Ehcf des Ministeriums und bildete darin gewissermaßen die russi-sche Partei. So gelang eS dem Grafen Pozzo di Borgo, durch Hrn. v. U. das Mi-nisterium von Victor Sacz zu stürzen. Der neue Chef des Ministeriums, Marquisvon Casa-Jrujo, schien in Verbindung mit Hrn. v. Hercdia (nachher zum Grafenv. Ofalia erhoben) der Regierung einen gemäßigten Gang zu geben. Indeß han-delte Hr. v. Casa-Jrujo mit Hrn. v.U. in völliger Übereinstimmung; als aber nachCasa-Jrujo's Tode der Graf v. Ofalia Präsident des Raths und Minister der aus-wärtigen Angelcg. wurde, so erhob sich gegen das neue, wie man in Madrid mit Un-recht glaubte, durch Frankreichs Einfluß gebildete, Ministerium der Haß derAbsolu-tisten und des Klerus. Graf Ofalia handelte jedoch so wenig nach den Hoffnungender constitutionnellen Partei, daß er vielmehr das strenge System des vorigen Mi-nisteriums noch verstärkte. Daher ward die Zusammensetzung des neuen Ministe-riums von dem gesummten diplomatischen Corps, den wirklichen russischen Gesand-ten, Herrn v. Oubril, miteingeschlossen, nicht gebilligt, und der sranz. Gesandte,Graf v. Talaru, arbeitete in Verbindung mit dem sranz. Oberbefehlshaber, GeneralBourmont, an einem Ministerwechsel, dem selbst Hr. v. U., um seinen Einfluß nichtaufs Spiel zu sehen, keineswegs entgegen war. Allein das sranz. Cabinet ging aufTalaru's Plan nicht ein, sondern bestand auf die Anerkennung der Summe von34Mill. Fr., die Spanien an Frankreich schuldig sein sollte. Hr.v. Ofalia bewirktediese Anerkennung, und versprach sogar dem sranz. Cabinet, eineAmnestie zu erlas-sen. Er ward nunmehr von dem sranz. Cabinet auf seinem Posten gehalten, abernur eine Zeit lang, denn er hatte bei keiner Partei Freunde. Vielmehr sank Ofa-lia's Credit, seitdem er sich mit dem sranz. Cabinet in Verbindung gesetzt hatte, täg-lich bei Hofe, und folglich auch bei Hrn. v. U. Ofalia konnte lange Zeit das Amne-stiedecret nicht auswirken; der Rath von Castilien und einer seiner Collegen, den erernaunt hatte, Hr.v. Calomacde (noch gegenwärtig Minister der Gnaden-undJuflizsachen) arbeiteten demselben beim König entgegen. Endlich erschien die Am-iiestieerklaruug am I.Mai 1824; allein sie hatte so viele Ausnahmen zur Grund-lage, daß sie nur neue Verfolgungen veranlaßte. Darüber entstand eine Trennungim Ministerium selbst. Ofalia hatte den einzigen Kriegsminister, General Cruz,für sich; Calomarde stand an der Spitze der Gegenpartei, zu welcher die einfluß-reichsten Mitglieder des Raths von Castilien, der General Aymerich, Oberinspektorder royalistischen Freiwilligen und mehre royalistische Guerillachefs gehörten. Hr.v. U. sprach sich nicht aus, neigte sich aber auf die Seite des Hrn. v. Calomarde hin:denn von dem Augenblicke an, wo Graf d'Ofalia eine andre Unterstützung als die