456 Ubiquität Ugarte y Larrizabal
keine ist wie sie im Stande, die Sylbenmaße der Alten sich anzueignen: daher auch 'keine bessere Übersetzungen der alten Dichter ausweisen kann. Homer und Virgilvon Voß, Tasso und Ariosto von Grics und Streckfuß, des Letztem Dante, Cal-deron von Schlegel und Erics, Shakspcare von Schlegel, sind herrliche Copien fürDen, dem der Genuß der Originalwerke versagt ist.
Ubiquität — ein nach Art des Lateins der scholastischen Philosophie ge-bildeter Ausdruck zur Bezeichnung der Allgegenwart — wurde von Luther die-jenige Eigenschaft des Leibes Christi genannt, vermöge deren er unter dem Broteim Abendmahl allenthalben gegenwärtig ist. Die Hitze des ersten Acts der Sacra- smentSstrcitigkeiten hatte diesen unbequemen Ausdruck schon verhaßt gemacht, alsihn die steisiutherischen Prediger in Bremen seit 1556 aufs Neue in einem nochhärten», der gesunden Vernunft widersprechenden Sinne gegen die Calvinisten an-wendeten, und die würtcmb. Theologen, in dem 1559 von Joh. Brenz aufgesetztenGlaubensbekenntnisse, zu einem Hauptpunkte der lutherischen Rechtgläubigkeit inihrer Landeskirche erhoben. Da indessen auch die Calvinisten eine wahre, obwolnur dem Glauben erkennbare Gegenwart des Leibes Christi im Abendmahle zuge-standen, brachten die luth. Eiferer, um sich ja recht scharf von diesen verhaßtenGegnern zu unterscheiden, den Satz von der wirklichen gegenseitigen Mittheilungder Eigenschaften beider Naturen in Christo (communioatio iiUonrntum) in ihrenLehrbegriff, und suchten dadurch zu beweisen, daß der Leib Christi in, mit und unterdem Brote im Abendmahl allenthalben, ohne Rücksicht auf den Glauben der Com- ^municantcn, gegenwärtig sein müsse. Damit jedoch dieser, vielen Mißverständ-nissen ausgesetzten Vorstellung, die ihren Vertheidigern den Namen Ubiquisten oderUbi'quitisten zuzog, die scheinbare Ähnlichkeit mit der kath. Transsubstantiations-lehre nicht mehr vorzuwerfen sei, erklärten die Verfasser der belgischen Concor-dienformel (s. d.) ausdrücklich, die Ubiquität des Leibes Christi finde nicht aufeine räumliche und irdische Weise statt. Das Interesse für die ohnehin aus derh. Schrift keineswegs beweisbare Ubiquitätslehre, über die sich noch 1610 einneuer Streit zwischen den ihr eifrig ergebenen tübingischen Theologen und den ge-mäßigtem gicßcnschen erhob, haben die folg. Jahrhunderte auch unter den lutheri-schen geschwächt, und die unbefangenem cvangel. Theologen beider Kirchen wurdenim 18. Jahrh, darüber einverstanden, daß Christus im h. Abendmahle Denen, diees würdig genießen, allerdings gegenwärtig, die Bestimmung der Art und Weisedieser Gegenwart und der Vereinigung seines Leibes mit dem Abendmahlsbrote ,(u„io saorirmvntirlw) aber kein Gegenstand menschlicher Lehrvorschriften, und da- !her dem Glauben der Einzelnen zu überlassen sei. L. ;
Ugarte y Larrizabal (Don Antonio), aus einem alten Geschlecht in !
Navarra, Grand von Spanien und Staatsrath, von 1825 — 27 kön. span. !
außerord. Gesandter und bevollmächt. Minister am Hose zu Turin, vorher einesder einflußreichsten Mitglieder der Camarilla, besaß mehre Jahre hindurch dasVer-trauen und die Gunst des Königs, daher er, anfangs, noch ehe er ein össentlichesStaatsamt bekleidete, als bloßer Hofmann durch s. Verbindung mit dem russischenMinister, spater aber durch die Häupter der Absolutistenpartei unterstützt, einewichtige Stellung in den Umgebungen des Königs Ferdinand behauptete. Derrussische Gesandte zu Madrid, Herr v. Tatitscheff, hatte ihn 1817 dem Könige em-pfohlen. Seitdem stieg Herr v. U. in der Gunst seines Monarchen immer höher. ^Er selbst aber ließ sich, vor der Revolution von 1820, in seinen politischen Ansich-ten ganz von dem Herrn v. Tatitscheff leiten. Dies war z. B. der Fall bei der Un-terhandlung wegen des Ankaufs von Schiffen, die Rußland damals an Spanienverkaufte. Auch hatte Hr. v. U. einige besondere Angelegenheiten zu besorgen, dieder König seinen Ministem nicht anvertrauen wollte. Dieses Vertrauens ungeach-tet wurde er, kurz vor dem Ausbruche der Revolution von 1820, unter dem Mi-