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11 (1830) T bis V
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455
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Überlieferung Übersetzungskunst 455

und Bercsina. Als Beispiele ungeheurer Brückenarbeiten verdienen die des Her-zogs von Parma bei Antwerpen (1584 und 1585) und Napoleons auf der Lobau-insel (1809) genannt zu werden. Durch List und Vorsicht bei diesen Unterneh-mungen zeichnete sich der Prinz Eugen v. Savoyen vorzüglich aus; sein Übergangüber den Po und die Etsch können noch jetzt als Muster gelten. 23.

Überlieferung, s. Tradition.

Übersetzungskunst. Eine vollkommen gute Übersetzung, d. i. die Über-tragung einer ausländischen Scbrift in eine andre Sprache, erfodeit 1) Überein-stimmung der Gedanken der Urschrift und der Übersetzung im Ganzen und Einzel-nen. Hierzu ist nöthig vollkommene Sprach- und Sachkenntnis Wörtliche Treuedarf die Deutlichkeit des Gedankens nicht aufheben. Der ihr entgegengesetzte Feh-ler ist das Paraphrasiren oder Mvdcrnisiren, durch welches der Gedanke faßlicher ge-macht wird. Aber die Übersetzung ist von der Erklärung zu unterscheiden. DerÜbersetzer muß sogar die Dunkelheit und Zweideutigkeit des Originals nachahmen;er darf den Schriftsteller nicht verbessern, noch überhaupt demselben Etwas gebenoder nehmen, es müßte denn z. B. eine Weglassung nur in der Sprache der Ur-schrift verständlich sein, welche in der Sprache der Übersetzung unverständlich wäre.2) Übereinstimmung des Charakters und Styls der Übersetzung mit der Urschrift;die Übersetzung soll nicht bloß ausdrückn, was die Urschrift sagt, sondern auch dieArt und Weise, wie sie dasselbe sagt. Der eigenthümliche Charakter und Styl desSchriftstellers muß also ebenfalls nachgebildet werden. Dies schränkt den Übersetzernatürlich ein. Hierzu gehört ein feiner Sinn für das Charakteristische eines Schrift-stellers, Fähigkeit, sich in fremde Eigenthümlichkeiten zu versetzen, und ein geübterGeschmack. Man kann die Aufgabe so stellen: Der Übersetzer soll sich so ausdrü-cken, wie der Schriftsteller, wenn er in des Übersetzers Sprache geschrieben hätte,sich ausgedrückt haben würde, wobei natürlich auch auf die jedesmalige Bildungs-stufe der Sprache, in welche übersetzt wird, Rücksicht zu nehmen ist. Die Treue derNachbildung in dieser Hinsicht ist daher ein Ideal und wird natürlich durch den ver-schiedenen Genius der Sprachen beschränkt. Den Charakter der fremden Sprachedarf der Übersetzer nur insoweit nachbilden, als dies dem Charakter der seimgen nichtwiderspricht. Ferner muß auch die Sprachform berücksichtigt, und daher Poesie inPoesie übertragen werden, wo möglich in demselben Metrum. Was Styl undDicti'on anlangt, so soll die Übersetzung die Leichtigkeit und Ungezwungenheit desOriginals haben, doch ohne ungebundener zu werden. Ost können nur durch ähn-liche Redensarten Sprüchworte übersetzt werden, und nicht selten ist Übersetzenschwieriger als selbst schreiben. Die schwere Aufgabe ist, Freiheit mit Treue zuverbinden. Die Übsrsetzungskunst mußte natürlich geübt und gebildet werden,sobald ein Volk die Bildung eines andern erbte. Die Geschichte der Wissenschaftennennt Manctho, einen ägyptischen Priester, als einen der frühesten Übersetzer; ersoll zur Zeit des Ptolemäus Philadclphus die Geschichte seines Landes in die griech.Sprache übersitzt haben. Die Griechen bemühten sich, die Schätze der morgcnländ.Völker sich zu eigen zu machen; daher denn Ptolemäus Philadelphus schon die 5Bücher Mosis übersetzen ließ, und Philo Byblius die Annalen des Sanchoniathonaus dem Phönizischen ins Griechische übertrug. Die Kritik brachte die Übersetzungs-kunst, wie jede andre, in Regeln. Schon Cicero, Plinius und Ouinctilian sprechenvon den Regeln guter Übersetzungen. D'Alembert, Batter x und Garse theilteneinige scharfsinnige Bemerkungen über diese Kunst mit. Unter den Deutschen ha-ben erst Voß, A. W. Schlegel und GrieS einer bessern Übersctzungsweisc Eingangverschafft. Das Bestreben, nebst dem Wortverstande auch das eigenthümliche Co-lorit eines Schriftstellers auszudrücken, ist durch den Reichthum und die Bildsam-keit der deutschen Sprache erleichtert worden. Keine der neuern Sprachen kommtden alten, der griechischen und römischen, im Charakter so nahe als die deutsche;