Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
446
Einzelbild herunterladen
 

446

Typhus

Urin, Ausdünstung, Stuhlgang und Auswurf sich einstellen, wobei der Krankesich oft schnell erleichtert fühlt; er erwacht, wie aus einem Traum, aus feinemunbewußten Zustande; die Augen bekommen Leben, und die Theilnahme an an-genehmen Gegenständen erwacht wieder. Verschiedene Beschwerden, Ohrensau-sen, eine krankhafte Reizbarkeit, Schwache des Kopfes, der Augen, Gefühl vonMattigkeit rc. verschwinden indeß nur nach und nach, die dürre und abgestorbeneOberhaut löst sich unter Kleienform los, die Ha rre fallen aus, und der Krankekehrt nun nicht nur zu seiner frühern Gesundheit zurück, sondern befindet sich oftsogar viel wohler als lange Zeit vor der Krankheit- Indessen verlaust der Typhusweder immer so glücklich noch so regelmäßig. Die herrschende epidemische oderindividuelle Constitution, einzelne Schädlichkeiten, freilich bisweilen auch ver-kehrte Heilmethoden, bringen darin große Verschiedenheiten hervor; ja man kannwol sagen, er, sowie jede andre Krankheit, verläuft bei jedem Individuum an-ders. Vorzüglich häufig beobachtet man in dem erstem Zeitraume, in dem ent-zündlichen Stadium, bisweilen wirkliche Entzündung, oder es entwickelt sich einschlagflußartiger Anfall, der sehr gefährlich ist; ferner wird nicht selten ein auf-fallendgastrischer, besonders gallichter Zustand beobachtet; der nervöse Charaktertritt zu frühzeitig ein, oder es verlängert sich der entzündliche bis zum 9., 11.Tage. Durch diese mannigfaltigen Verwickelungen, sowie durch manche andre Ur-sachen, werden dann auch die Entscheidungßtage, aber freilich immer zum Nach-theile, abgeändert, verhindert, verspätigt; und es bringen alle diese Abänderun-gen entweder den Tod, oder sie v-czögern die Krankheit, oder veranlassen auch end-lich mancherlei Nachkrankheiten, die nicht selten noch Den hinwegraffen, der denTyphus überstanden hat. Es ist daher der ansteckende Typhus immer als eine inmancher Hinsicht Gefahr bringende Krankheit anzusehen; die edelsten Gebilde,Herz und Hirn, werden ja von ihm ergriffen, und das Letztere besonders bedroht.In gelindem Fällen des Typhus kommt man vielleicht meistens mit den diätetischenMaßregeln und mit Entfernung alles Dessen, was irgend störend wirken könnte,allein aus. Ist aber einmal eine Störung eingetreten, eine Verwickelung derKrankheit entstanden, oder irgend ein besonderer, der entzündliche oder nervöse Zu-stand, gar zu überwiegend geworden; dann muß die Kunst mit ihrer ganzen Kraftauftreten, dann muß die ganze Kraft auch mit der feinsten und umsichtigsten Ge-wandtheit verbunden werden, wenn die Kranken zweckmäßig behandelt werdensollen. Niemand wird daher vernünftigerweise von irgend einem einzelnen Heil-mittel, oder von einer bestimmten Heilmethode, in dieser Krankheit Hülse erwar-ten können. Hier aber in das Einzelne über die Anwendung der Heilmittel einzu-gehen, scheint nicht zweckmäßig; wir wollen daher bloß von den Vorkehrungen gegendiese Krankheit noch Einiges erwähnen. Diese sind ihrem Zwecke gemäß zweierleiArt, entweder nämlich sollen sie den Typhus in seiner Entstehung überhaupt ver-hindern, oder nur einzelne Individuen schützen. Die Schutzweise der erstem Artist Sache des Staats und der medicinischcn Polizei, welche theils dahin zu arbeitenhaben, daß der Typhus gar nicht entstehe, oder, wenn er irgendwo entstanden ist,nicht weiter sich ausbreiten könne. Jenes wird nur dadurch erreicht, daß die Ur-sachen der Krankheit, die wir oben angegeben, vermieden werden; insbesonderemuß man dahin sehen, daß nicht zu viele Menschen in Spitälern, Gefängnissen,Schiffen :c. angehäuft leben, und daß besonders hier immer gehörig reine Luft sei.Ist die Krankheit einmal entstanden, so wird ihre Ausbreitung theils durch Son-derling der Kranken von-den Gesunden, theils durch Zerstörung des Ansteckungs-stoffes verhindert weiden können. Um aber die Kranken so wenig als möglich inBerührung mit Gesunden zu bringen, werden besondere Typhusspitäler oder we-nigstens Zimmer in den Spitälern für Typhuskranke allein einzurichten sein. Umden Anstcckungsstoff, der etwa in der Atmosphäre sich befindet, zu zerstören, sind