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11 (1830) T bis V
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Typhon (Sturmwind)

fürchterlichen Kreisen, welche über sein Haupt emporragten und ein schrecklichesGezisch machten. Sein Körper war befiedert, den Kopf bedeckte borstiges Haar,das Kinn ein fürchterlicher Bart. Seine Augen blitzten Feuer. Hesiodus sagt:seine Hände und Füße sind in steter Bewegung. Feurige Augen blitzen aus 100Schlangenköpfcn, welche schwarze Zungen hervorschießen. Seine Stimme ist bis-weilen den Göttern verständlich, bisweilen brüllt er wie ein Löwe, heult wie einHund und zischt so fürchterlich, daß die Berge erbeben. Die Beschreibung paßtauf einen Sturmwind, wofür Hesiodus den Typhon selbst erklärt. Einige Dich-ter lassen die 100 Drachen gleich aus seinen Schultern wachsen und Feuer aus-speien. Auf dem Rücken gibt man ihm auch Flügel. Er stürmte den Olymp mitglühenden Fclsstücken und Feuerflammen, und bahnte sich unter fürchterlichem Zi-schen der Schlangen den Eingang in denselben. Die Götter flohen nach Ägypten,wo sie, als Typhon sie verfolgte, sich in Thiere verwandelten. Jupiter ward einWidder, Apollo ein Rabe, Bacchus ein Ziegenbock, Diana eine Katze rc. NachApollodor schleuderte Jupiter auf den verfolgenden Typhon seine Blitze und dro-hete ihm, als er ihm nahe kam, mit seiner diamantenen Sichel, sodaß das Unge-heuer nach dem Gebirge Kasius oder Kaukasus entfloh. Hier wagte Jupiter einenZweikampf mit ihm, weil Typhon verwundet war, allein dieser umstrickte ihn mitseinen Schlangen und warf ihn zu Boden. Darauf entriß er dem Gott die Sichel,durchschnitt ihm die Sehnen an Händen und Füßen und trug ihn nach Cilicien, woer ihn in die korycische Höhle verschloß. Die abgeschnittenen, in eine Bärenhaut ge-wickelten Sehnen ließ er vom Drachen Delphine bewachen; Mcrcur aber und Ägi-pan stahlen die Sehnen und heilten den Jupiter. Dieser verfolgte jetzt auf seinemmit geflügelten Rossen bespannten Wagen den Typhon bis an den Berg Nysa beiPelusium am See SerboniS. Hier hielten die Parzen den Fliehenden durch eineList auf, und beredeten ihn, zu seiner Erfrischung einige Früchte zu essen. Jupitererreichte ihn zwar, allein Typhon floh aufs Neue nach Thrazien, und am BergeHämus kam es zu einem entsetzlichen Gefechte. Typhon schleuderte ganze Berge,aber auch sein Blut floß. Endlich floh er durchs Meer nach Sicilien, Jupiterschleuderte den Ätna auf ihn und besiegte ihn so völlig. Hesiodus läßt ihn zer-schmettert in den Tartarus stürzen; nach Homer aber lag er unter den mimischenBergen begraben, wo der zürnende Gott noch immer seine Blitze um sein Grabmalschleudert. Pindar erzählt: das besiegte Ungeheuer lag im Tartarus, und die phlc-gräische Gegend bei Cumä in Italien auf ihm, sodaß die haarige Brust unter demMeere hin bis nach Sicilien zum Ätna reichte. Bei Tage spie das UngeheuerDampfsäulen, bei Nacht Flammen und Steine mit fürchterlichem Getöse insMeer; denn angcfesselt lag er zwischen dem Gipfel und der Wurzel des Ätna mitzerfleischtem Rücken. Ovid laßt ganz Sicilien auf ihm liegen, den Ätna auf demKopse, das pclorische Vorgebirge auf dem rechten, das pachynische auf dem linkenArme, und das lilybäische auf den Beinen. Nach Einigen erschoß ihn Apollo. Ausseinem vergossenen Blute entstand der Drache, welcher das goldene Vließ bewachte,und alle Schlangen. Mit der Echidna zeugte Typhon den OrthmS, Cerberus,die lcrnäische Schlange und die Chimäre. Auch der ncmäische Löwe, der hcsperischeDrache, der kaukasische Geier und die Sphinxe waren (und nach Hesiodus auch,mit Ausschluß des NotuS, Boreas und Zcphyrus, alle verderblichen Winde) seineKinder. Die ganze Fabel vom Typhon ist nichts Ändrcs als Verbildlichung unter-irdischer Winde, Erdbeben, Vulkane und der schädlichen Wirkungen derselben. Geographisch bezeichnet Typhon oft wüste Landstriche.

Typhon oder Typho (vonsplriu« vibrang, vortex) wird vom Pliniusjener heftige Sturm oder Wirbelwind genannt, der noch jetzt, vorzüglich im gro-ßen indischen Weltmeere, bei China, Japan und auf der Halbinsel jenseits desGanges während der wärmern Jahreszeit erscheint. Gewöhnlich bricht er mit Hef-