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11 (1830) T bis V
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Tychsen

Tychsen (Olaus Gerhard), einer der berühmtesten Orientalisten, war am14. Dec. 1734 zu Tendern in Schleswig geb, wo sein Vater, ein Schneider, insehr bedrängten Umstanden lebte. Bis zum 17. Jahre erhielt T. Unterricht aufder lat. Schule seiner Vaterstadt; dann verschaffte man ihm ein Stipendium aufdem altonaer Gymnasium, wo der berühmte Maternus de Cila 4 Jahre hindurchauf den Gang seiner orientalischen Studien den entschiedensten Einfluß übte. DemPros. Sticht verdankte er gründliche Kenntniß des Nabbinischcn und die Anfangö-gründc des aramäischen Dialekts. Auch hörte er des gelehrten Oberrabbiners Jo- ^

nathan Eybeschütz Vorlesungen über den Talmud und nahm Theil an dessen Strei- >

tigkciten mit den emdner Rabbinern. Häufige Unterredungen mit gelehrten Ju-den hatten eine seltene Fertigkeit im Jüdischdeutschen zur Folge. Der Aufenthaltin Halle (von 1756 59) verschaffte seiner orientalischen Bildung keine bedeu-tende Erweiterung, doch verdankte er seiner ungewöhnlichen Kenntniß des Hebräi-schen ein Lehramt am Waiscnhause, und 0. Callenbcrg glaubte in ihm einen taug-lichen Mitarbeiter an seiner Missionsanstalt zur Bekehrung der Juden und Mo-hammedaner zu finden. So sehen wir T. 1759 und 1760 auf mühseligen Wan-derungen durch Deutschland und Dänemark, ohne daß es ihm gelingt, nur eineneinzigen Juden zu bekehren. Indeß war er doch bei dieser Gelegenheit dem HerzogeFriedrich von Mecklenburg-Schwerin bekannt geworden und erhielt 1760 den Rufals Uagistor I 0 AVN 8 an die neuerrichtete Universität Bützew. Nach 3 Jahrenzum ordentl. Pros. der orientalischen Sprachen befördert, verbreitete er durch litera- ,rische Thätigkeit, die sich ebenso mannigfach als seltsam äußerte, s. Ruhm durchganz Europa. Als 1789 die Universität Bützow wieder aufgelöst ward, kam T.als Professor, Obcrbibliothekar und Vorsteher des Museums nach Rostock. AlsSchriftsteller trat er zuerst auf mit einem Dialog in engl. Sprache, zwischen einemgelehrten Juden und einem christlichen Bekehrcr. Seine wichtigste Schrift ist:,.Bützowische Ncbenstundcn" (1766 69, 6 Bde.): ein reichhaltiges Magazin fürGeschichte und Wissenschaft des Judenthums. Sehr interessant sind die beiden,aus umfassender Belcsenheit in gedruckten Werken und handschriftlichen Urkundenhervorgcgangcncn, jetzt höchst selten gewordenen Abhandl. :^bbreviatur-rrun» tte-draicarum »upplementum primunr vt «eermckuin" (1768 69). Für die bibli-sche Literatur war er wirksam durch mühsames Sammeln von Varianten aus Ra- Ischi, Vcrgleichung der alten Übersetzungen mit dem hcbr. Grundtcxte, genaue Be- >Schreibungen der merkwürdigsten Bibelausgaben u. s. w. Seine Streitschriftengegen Kennicott haben zu haltbaren Grundsätzen in der biblischen Kritik geführt.

Um sich den Fortschritt im Gebiete der asiatischen Paläographie zu erleichtern, nahmer bei einem geschickten jüdischen Petschierstccher und einem Hofmaler in SchwerinUnterricht im Radircn, und gab schon 1767 2 gelungene Blätter mit jüdischenGcabschriften. Einen Hauptvortheil gewährte auch T. seine vertraute Bekannt-schaft mit den kusischen oder altarabischen Schristzügcn; ihm gebührt der Ruhm,die arabische Paläographie zuerst fest begründet zu haben. So gab er z. B. dieErklärung der kufischen Schrift auf dem Krönungsmantel der deutschen Kaiser, undErläuterungen über kusisch-sicilische Denkmäler. Aus den entferntesten Län-dern Europas erhielt er fortwährend Zusendungen arabischer Inschriften und mo-hammedanischer Münzen. In der richtigen Bezeichnung des Charakters der phö-nizischen Sprache hat er alle s. Vorgänger übertreffen. Auch die persepolitanischenInschriften waren viele Jahre hindurch Gegenstand seiner Forschung. Unter al-len deutschen Universitätslehrern war T. der erste, welcher über orientalische Paläo-graphie Vorlesungen hielt. Auch stellte er über verschiedene religiöse Sekten Asiens ^Untersuchungen an und machte auf den Katechismus der Drusen aufmerksam. Al- iles dies vereinigte sich, um s. Namen weit über Deutschlands Grenzen zu tragen,Aorsteher wichtiger Sammlungen, deren Kleinods sie anzustaunen ^ aber nichts