Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
439
Einzelbild herunterladen
 

439

Tychc Tycho Brahe

d. h. sowie das Garn von der Spule kommt. Der Unterschied der Benennung vonRecled West und Kop West bezieht sich auf das oben Gemeldete, und zeigt alsokeine verschiedene Güte an. Ein Päckchen West hält 12 Pfund.

Tyche, s. Fortuna.

Tycho (Tyge) Brahe, ein berühmter Astronom, aus einer altadeligen,aus Schweden abstammenden Familie, ward auf dem Landgute seines Vaters,Knud-Strup in Schonen, 1546 geb. Von früher Jugend an zeigte er Neigung fürdie mathemat. Wissenschaften. Als er 14 I. alt war, machte eine zu dem von denAstronomen angekündigten Zeitpunkte genau eintreffende Sonnensinsterniß einensolchen Eindruck aus ihn, daß er seitdem sich mit Eifer der Astronomie widmete.Er ward auf die Universität Leipzig geschickt, um die Rechte zu studircn, beschäf-tigte sich hier aber fast ausschließend mit astronom. Beobachtungen. Nach Däne-mark zurückgekehrt, hcirathete er ein Landmädchcn von dem Gute seines Vaters,und unternahm dann verschiedene Reisen nach Italien und Deutschland, lehnte aberdie Anträge einiger Fürsten, die ihn unter vortheilhaften Bedingungen in ihreDienste ziehen wollten, ab. Friedrich 1l-, König von Dänemark, gab ihm einenansehnlichen Jahrgehalt und räumte ihm die kleine (seit 1658 Schweden gehörige)Insel Hween (Uven) im Sunde auf Lebenszeit ein. Hier erbaute T. auf königl.Kosten das Schloß Uranienborg und eine unterirdische Sternwarte (Stjerneborg).In dieser Einsamkeit, wo er von verschiedenen Fürsten besucht wurde, arbeitete erdas Weltsystem, aus das noch unter seinem Namen bekannt ist. Er nahm an,daß die Erde im Mittelpunkte des Weltsystems unbeweglich fest stehe, die Sonneaber und alle übrige Weltkörper sich um dieselbe herumbewcgtcn. Er wollte sodas alte Ptolemäische System verbessern; aber die nachfolgenden Astronomen ha-ben Brahe's System mit Recht verworfen und das System des Kop ernicus(s. d.) vorgezogen. Man verdankt seinen Beobachtungen ein richtigeres Verzeich-nis der Fixsterne, mehre wichtige Entdeckungen über die Bewegungen des Mondesund der Kometen, über die Strahlenbrechung (s. d.), und bedeutende Ver-besserungen der astronom. Instrumente, wie sie denn auch die Grundlage des vonKepler gegründeten astronom. Gebäudes wurden. T. war dabei ein geschickter Che-miker und fand in der Dichtkunst seine Erholung von ernstem Studien. Von derVorliebe seines Zeitalters zur Astrologie und dem Hange zum Aberglauben war erkeineswegs frei. Sein heftiger Charakter und seine Neigung zu Spöttereien zo-gen ihm Feinde zu, die es bei dem Nachfolger Friedrichs H., König Christian IV.,so weit brachten, daß dieser ihm den Jahrgehalt entzog. T. nahm daher 1597einen Ruf des Kaisers Rudolf H. an, der ein großer Freund der Astronomieund Astrologie war. An Rudolfs Hose zu Prag erhielt T., außer einem gutenGehalte, vielfache Unterstübungen, um seine Studien fortsetzen zu können. Erstarb aber schon 1601. T. Brahe war bei allen Schwachheiten und Fehlernein ausgezeichneter Mann seines Zeitalters. Seine Werke sind in lateinischerSprache geschrieben; die von ihm noch vorhandenen lat. Gedichte sind ohnegroßen poetischen Werth. Seine kostbaren astronom. und andern Instrumentekaufte der Kaiser Rudolf II., aber sie wurden nach der Schlacht auf dem weißenBerge bei Prag (1620) größtcntheils vernichtet; nur ein großer Sextant soll davonnoch in Prag befindlich sein. Die berühmte messingene Himmelskugel, die 6 Fußim Durchmesser hatte, und deren Verfertigung 5000 Thlr. gekostet haben soll, kamnach mancherlei Schicksalen wieder nach Kopenhagen, wo sie aber bei dem großenBrande 1728 mit verloren ging. Von dem Schloss: Uranienborg auf der InselHween sind jetzt nur noch einige Trümmer vorhanden, in welchen der GeistlicheEckdal durch Nachgrabungen 1823 fg. T.'s Werkstätte entdeckte. Das Verzeich-nis seiner Schriften und sein Leben enthält die Schrift:Tycho Brahc rc., ein Ver-such von Helftecht ^ (Hof 1798).