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Türkische Sprache und Literatur
che haben die Türken jedoch dadurch abgeholfen, daß sie den ganzen arabischen undpersischen Sprachschatz sich angeeignet und mir ihrer Sprache so verschmolzen haben,daß man ohne Kenntniß des Arabischen und Persischen zu keiner gründlichen Kenntnißdes Türkischen gelangen kann. Durch Vermischung dreier so ganz verschiedener undsich ungleicher Sprachen wird aber auch die Erlernung des Türkischen sehr schwie-rig ; denn eigentlich tückische, arabische und persische Wörter und ganze Redensartenwechseln sowol in der Sprache des gemeinen Lebens als in Schriften ohne Unter-schied mit einander ab. Die Türken bedienen sich der arabischen Buchstaben miteinigen geringen Veränderungen, und schreiben auch, wie die Juden und Araber,von der Rechten zur Linken. Das Papier erhalten sie meistens aus Venedig, las-sen es aber vor dem Gebrauche stark glatten. Ihre Federn werden von einem sei-nen Rohre geschnitten, und ihreDinte gleicht unsererBuchdruckersarbe. Sie schrei-ben auf den Knieen, und höchstens dient ein Pappendeckel zur Unterlage. Die Vo-cal«, welche in kleinen geraden oder gekrümmten Strichen bestehen, und baldüber, bald unter die Consonanten gesetzt werden, sind, den Koran ausgenommen,selten beigeschrieben. Das Lesen wird überdies noch durch die vielen ungleichen Al-phabete und Charaktere, deren man sich im Schreiben bedient, ungemein erschwert;ein ganz andres Alphabet wird in der Kanzlei, ein andres in Briefen, ein andresin den Gerichten, ein andres in wissenschaftlichen Aufsätzen, ein andres in Rechnun-gen u. s. w. gebraucht. Wer das eine recht fertig.liest, kann darum noch nichtein Wort in dem andern lesen. Gleich dem Französischen in Europa ist das Tür-kische in einem großen Theile Asiens und auf der Nordküste Afrikas die allgemeinverständliche Sprache, obschon auf diesem weiten Umkreise verschiedene Dialektesind. — Erst nachdem die Türken mit dem mohammedanischen Religionsbucheine Schrift erhalten, und, zu Anfang des 14. Jahrh., unter einem ihrer Emim,Osman, in Kleinasien auf den Trümmern des griech. Kaiserreichs eine selbständigeMacht begründet hatten, singen sie allmälig an, das Bedürfniß wissenschaftlicherBildung zu fühlen. Schon Sultan Orkhan, Osman's Nachfolger, obgleich mitKrieg und Eroberungen beschäftigt, stiftete 1338 zu Vrussa in Natolicn eine wis-senschaftliche Lehranstalt (Mädräsa), welche durch die Gelehrsamkeit der dabei an-gestellten Lehrer so berühmt wurde, daß selbst Araber und Perser es nicht verschmäh-ten, Schüler der Osmanen zu werden. Ihre eignen Geschichtschreiber bemerken,daß die Monarchen dieses Hauses, bis aufAchmed I. (1603), obgleich sie ihreRegierungen nicht alle in gleichem Maße durch rühmliche Unternehmungen und Re-gententugenden verherrlichten, sich doch alle durch ihre Liebe zu den Wissenschaftenund durch die Aufmunterungen, die sie denselben zu Theil werden ließen, auszeich-neten. Das goldene Zeitalter der türkischen Literatur war (in der zweiten Hälftedes 15. Jahrh. n. Chr.) die Regierung Suleiman's, mit dcm Zunamen der Gesetz-geber, des Urenkels Mohammed's II, dessen Siege dem römischen Reiche ein Endemachten. — In den türkischen Schulen und Hähern Lehranstalten, die gemeiniglichmit Moscheen verbunden sind, und deren Zahlsich in Konstantinopel aufmehrc Hun-dert beläuft, wird hauptsächlich arabische Grammatik, Logik, Rhetorik, Dialektik, nachLehrbüchern gelehrt, die im Mittelalter von Arabern in ihrer Sprache abgefaßt wordensind. Überhaupt sind die Araber des von uns sogen. Mittelalters in Philosophie, Ma-thematik, Physik, Heilkunde, Gesetzwisscnschafc u. Theologie noch immer die Lehrer derTürken, über die sie sich nie zu erheben vermochten. Schriften über Astrologie, Traum-deuterei und alle Arten von Wahrsagungskünsten machen keinen unbeträchtlichenTheil der türkischen Literatur aus, und werden fortwährend studirt. Besondersbehauptet die Astrologie bei den Türken den Rang einer Wissenschaft und ist auchvon bedeutendem Einflüsse auf alle Staats - und Privatangelegenheiten. DerMunedschim Baschi (Ober- oder Hofastcolog) ist einer der wichtigsten Hofbeam-tcn, indem die Zeit der bedeutendsten Geschäfte von ihm bestimmt wird. Unter s.