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Türkische Sprache und Literatur
Aufsicht werden auch die Calcnder gefertigt. Allein die Werkzeuge, ohne welchedie Untersuchungen des scharfsinnigsten Physikers unvollkommen bleiben würden,sind in der Türkei entweder ganz unbekannt, oder man kennt sie bloß als kindischesSpielzeug, das Anstaunen der Unwissenheit zu erregen. Das Teleskop, das Ver-größerungsglas, die Elektrisirmaschine und a. dergl. Hülfsmittel der Naturwissen-schaften wissen die Türken nicht zweckmäßig zu gebrauchen. Selbst des Compas-ses bedienen sie sich bei ihrer Tchifffahrt nicht allgemein. Es ist daher natürlich,daß Nautik, Astronomie, Geographie, Ackerbau, Chemie und alle die Wissen-schaften , die nach den großen Entdeckungen der Neuern fast ganz umgeschaffenworden sind, bei den Türken in einem höchst unvollkommenen Zustande sein müs-sen. Der erste und einzige türk. Seeatlas ist der vom türk. Schiffscapitain Piri- Reisauf Befehl des Sultans Soliman um 1520 (Hegira927) entworfene Lbarjö oderBeschreib, des (mittelländischen) Meeres. Ihr geograph. Werk ist die Dschihan-numa (Gemälde der Welt) vonKatib Tschelebi. Geschichte lieben sie; aber ihreGe-schichtswerke sind größtentheils entweder in einem trockenen Chronikenstyl oder ineiner schwülstigen, mit Bildern überladenen poetisch - prosaischen Schreibart abgefaßt.Einer ihrer ältesten und geschätztesten Annalisten ist Saab - ed - bin, der, nachdem erLehrer und Erzieher zweier Sultane gewesen war, a ls Mufti zu Konstantinopel 1599starb. Seine Chronik: „Tadsch - et - tawarich", d. i. die Krone der Annalen, geht vomUrsprünge der Osmanen bis auf Selims 1. Tod (1520) und wird von den Tücken alsein classisches Werk betrachtet. Es ist von Launclavius in die lateinische, von Bra-tutti in die italienische, und von Podesta in die deutsche und latein. Sprache über-setzt worden. In den Werken Naima's, Raschid's und Tschclebisadc's sind dieJahrbücher des türkischen Reichs von 1592—1727 ununterbrochen fortgeführt.Ausgezeichnet durch seine unter türkischen Gelehrten ungewöhnlichen historischenund literarischen Kenntnisse war Hadschi Chalsa, mit dem Zunamen Tschelebi-sade, der als Beisitzer der Hauptrechnungskammer (Basch Muhasseba) 1657zu Kvnstantinopel starb. Unter dem Titel: „Aufgedeckte Bücher - und Wissen-schaftskunde", verfaßte er ein encyklopädisches und bibliographisches Werk, worindie Namen aller von den Arabern, Persern und Türken gepflegten Wissenschaften,und die Titel aller in den Sprachen dieser 3 Völker geschriebenen Werke vom1. bis zum I. 1050 der Hegira (1640 n. Chr.) aufgeführt sind. Dieses Werkdiente zur Grundlage der „Encyklopädischen Übersicht der Wissenschaften desOrients" (vonJos. v. Hammer, Leipzig 1804), welcher Hadschi Chalfa's Le-bensbeschreibung, von ihm selbst verfaßt, vorgesetzt ist. Außer jenem biographi-schen Werke u. a. Schriften des Hadschi Chalfa verdienen besonders s. Chronologi-schen Tafeln bemerkt zu werden, die von Adam beginnen, und auch bis 1640gehen. Die von RciSke verfertigte lat. Übersetzung derselben befindet sich noch un-gedruckt auf der königl. Bibliothek zu Kopenhagen. Auch in der Dichtkunst sindAraber und Perser die Muster, die sie nachahmen. Der Inhalt ihrer Gedichteist größtentheils auf Mystik, Moral und Liebe beschränkt. Wir erinnern an desTürken Molla Khosrew romant. Gedicht „Khosru und Schirm". Türkische Eklo-gen enthält von Hammer's „Morgenländisches Kleeblatt" (Wien 1819). AuchRäthsel, Logogryphen, Chronogramme und andre dergl. poetische Künsteleien sindbei ihnen sehr beliebt. Alle ihre dichterischen Erzeugnisse sind gereimt. Die Pro-sodie und die poetische Technik ist ganz dieselbe wie die der Araber und Perser. Mos-nevi ist ein langes Gedicht, worin jedes Distichon s. besondern Reim hat; Gaselund Kasside sind Oden oder Lieder mit einem Reim; das Rubaji (Tetrasiichon)ist meistens epigrammatisch; das Kitaa hat 4 — 8 Strophen mit verschiedenenReimen und ist auf alle Gegenstände anwendbar. Nachrichten von türk. Dichternund Proben aus ihren Dichtungen enthält: „Latisi, oder biographische Nachrichtenvon vorzüglichen türkischen Dichtern, nebst einer Blumenlese aus ihren Werken;