Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
423
Einzelbild herunterladen
 

423

Turgot

T.'s außerordentliches Glück veranlaßte den kaiserl. Hof, s. besten General ihm ent-gegenzustellen , und Montecuculi wurde (1673) an den Rhein gesandt. Nach ei-ner Menge der kunstreichsten Bewegungen sollte es zu einem Treffen bei Saßbach(Dorf zwischen Bade» und Offenbnrg) im Badischen kommen, als T. beim Re-cognosciren, indem er einen Platz zur Anlegung einer Batterie suchte (27. Juli1675), durch eine Kanonenkugel, die einen Baumast auf ihn niederschlug, gelob-tet ward. Dieselbe Kugel riß auch dem General von St.-Hilaire den Arm weg,der seinem Sohne, welcher darüber in Thränen ausbrach, zurief:Nicht mich, son-dern diesen großen Mann mußt Du beweinen!" T.'s Überreste wurden, gleich derLeiche des Eonnctable du Guesclin, zu St. - Denis beigesetzt. Moreau ließ ihm beiSasbach ein Denkmal errichten, und als der Marmor verwitterte, ward ihm vonder stanz. Regierung (27. Juli 1829) ein 18 F. hoher Obelisk von Granit gesetzt.L. besaß bei einem rohen und gemeinen Äußern eine große Seele. Seine Gemüths-stimmung war kalt; s. Sitten waren anständig und einfach. Er war nicht immerglücklich im Kriege und beging Fehler;aber", sagt Voltaire,er machte sie im-mer wieder gut und bewirkte mit geringen Hülfsmitteln viel". Er galt für den ge-schicktesten Feldherrn in Europa, gerade zu einer Zeit, wo die Kriegskunst mehr alsje vorher studirt ward. Obgleich er wegen s. Abfalls im Fcondekriege getadelt wurde;obgleich er in einem Alter von beinahe 60 I. sich durch die Liebe verleiten ließ, einStaatsgeheimniß zu entdecken; obgleich er in der Pfalz Grausamkeiten verübte: sobehalt er doch den Ruf eines Mannes von Wort, eines weisen und gemäßigtenMannes. (Vgl. Eonde,Fronde, Montecuculi und Ludwig XIV.) X. ?.

Turgot (Anne Robert Jacques), Baron von Aulne, ein patriotischerund aufgeklärter stanz. Staatsminister, Sahn des Präsidenten M. E. Turgot,1727 zu Paris geb., studirte in der Sorbonne Theologie. Im 24. I. übersetzteer Virgil's Gedickt vom Landbau, und dies veranlaßte ihn wahrscheinlich, sich denStaatswissenschaften zu widmen und sich besonders der ökonomistischen Schule an-zuschließen. Er verließ also die Sorbonne, begleitete den Handelsintendanten deGournay auf s. Reisen und ward 1761 zum Intendanten von Limoges ernannt,welches Amt er 12 I. lang zur größten Zufriedenheit der Einwohner jener Provinzverwaltete. Er lebte überaus sparsam, war sehr wohlthätig und sorgte eifrigst fürBeschäftigung und Nahrung seiner Untergebenen. Alte, durch Mißbrauch ent-standene Auflagen schaffte er ab, und ihm verdankte man die erst« Idee und die ersteErrichtung wohlthätiger Arbeitsanstalten. 1774 ernannte ihn Ludwig XVI. zumSeeminister, bald darauf aber zum Generalcontroleur der Finanzen, und hier be-wies er in einem weitem Kreise s. edle, auf wirkliche Verbesserungen in der Ver-waltung gerichtete Denkart. Er verringerte die Zölle auf Einfuhrartikel, welchezu den Nothwendigkeiten des Lebens gehörten; er befreite den Handel von s. Fesseln;er erweiterte die Rechte der Gewerbetreibenden, hob die ausschließlichen Vorrechtevon Gesellschaften und Zünften auf, beförderte den Ackerbau durch Verringerungder Auflagen und machte einen Entwurf zur Veränderung der Lehnrechte, welcherden Herren und Vasallen gleich heilsam gewesen wäre; er wünschte auch das Salzin Frankreich zum freien Handelsartikel zu machen und die Kosten der Hofhaltungzu beschränken, erfuhr aber von Seiten der jungen und lebhaften Königin, der ver-schwenderischen Prinzen und des großen Haufens der Höflinge, die dabei ihre Rech-nung nicht fanden, einen unbesiegbaren Widerstand. Indessen brachte er dochmehre seiner wohlthätigen Plane zur Ausführung. Die Garonne und der Hafenvon Marseille wurden für die Ausfuhr der inländischen Weine geöffnet; er stelltedie Freiheit des Getreidehandels wieder her, welche der Abbe Terray 1772 zerstörthatte; er befreite das Ländchen Gex von allen unmittelbaren Steuern u. s. w. Nie-mand übertraf ihn an Thätigkeit. Allein er harte die Finanzverwaltung kaum 20Monate geführt, so mußte er sie niederlegen. Er wandte jetzt s. Zeit ganz auf litt-