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Turenne
den Krieg, bis endlich T. durch die Einnahme Dünkirchens (Schlacht in den Dü-nen 1658) und des größten Theils von Flandern den Cardinal Mazarin in Standsetzte, den pyrenaischcn Frieden zu schließen. 1653 vermahlte sich T. mit dcrTochterdes Marschalls und Herzogs de la Force, einer Protestantin, blieb jedoch kinder-los. Bei Erneuerung des Kriegs mit Spanien (1667) wählte der hochmürhigeLudwig XIV. den Marschall T. zu seinem Lehrer in der Kriegskunst, gab ihm denTitel eines Generalmarschalls der franz. Armeen und machte ihn zu seinem Unter-feldherrn, um durch T.'s kriegerische Talente sich selbst Lorbern zu erwerben. Flan-dern und Franche-Comtö wurden erobert, und T.'irat zur kath. Kirche (1668) über.Die Katholiken stellen diese Religionsveranderung als das Ergebniß wirklicher Über-zeugung dar; die Protestanten hingegen schreiben sie ehrgeizigen Absichten zu. Vol-taire sagt: „Die Bekehrung Turenne's kann vielleicht aufrichtig gewesen sein. Dasmenschliche Herz vereinigt häufig Politik, Ehrgeiz und die Schwachheiten der Liebemit religiösen Gesinnungen". Als Ludwig XIV. 1672 die Eroberung Hollands be-schloß, ward T. wieder der Oberbefehl übertragen, und er nöthigte 1673 den Kur-fürsten Friedr. Wilh. v. Brandenburg, welcher den Holländern beistand, den Frie-den von Voffem zu unterzeichnen. T. bewies sich allenthalben sehr ehrliebend unduneigennützig. Als ein General ihm einen Vorschlag machte, durch dessen An-nahme und Ausführung er 400,000 Livres hatte gewinnen können, erwiderte T.:er habe oft Anerbietungen dieser Art ausgeschlagen und werde nie sein Betragen an-dern. Eine Stadt bot ihm ein Geschenk von 100,000 Speciesthalern an, umihn zu bewegen, nicht durch ihr Gebiet zu marschiren. „Da Ihre Stadt", erwiderteT., „nicht auf meiner Marschroute liegt, so kann ich auch Ihr Anerbieten nichtannehmen". Nach der Einnahme von Franche - Comtv vertheidigte T. die Gren-zen dieses Landes, ging 1674 bei Philippsburg über den Rhein, eroberte Sinz-heim und schlug das kaiserl. Heer unter Caprara und dem Herzoge v. Lothringenbis an den Main zurück. Darauf wandte er sich gegen den Prinzen v. Bournonville,der mit frischen Truppen angelangt war, besiegte ihn gleichfalls, und verhindertes. Vereinigung mit dem kaiserl. Hauptheere. Die Kaiserlichen fielen mit 70,000M. in das Elsaß ein und belagerten Breisach und Philippsburg. L. hatte nur20,000 M., ward aber von Condv verstärkt. So zog er über schneebedeckte Gebirgeund war mitten unter den feindlichen Heeren im Oberelsaß, als diese ihn noch inLothringen wähnten. Er zerstreute die große Heeresmacht, welche ihm gegenüber-stand, ohne eine bedeutende Schlacht, beschützte das Elsaß und zwang die Deut-schen, über den Rhein zurückzugehen. Das Vertrauen seiner Soldaten zu ihm warfast grenzenlos, und gerade dies machte es ihm möglich, so große Dinge auszufüh-ren. Der Ruhm, welchen T. sich in diesem Feldzuge erwarb, war um so glänzen-der, da er ganz seinen eignen Ansichten und nicht den wiederholten Befehlen desKönigs folgte. Allein durch die grausame Verwüstung der Pfalz befleckte er jenenRuhm, und man muß vermuthen, daß er, in Hinsicht dieser Maßregel, wider s.Willen den Vorschriften des Ministeriums folgte. „Nach der Schlacht von Sinz-heim", erzählt Voltaire, „verheerte Turenne die Pfalz, ein ebenes und fruchtbaresLand, mit Feuer und Schwert. DerKurfürst von derPfalz sah von seinem Schlossezu Manheim 2 Städte und 25 Dörfer in Feuer. In Verzweiflung darüber foderterrT. in einem Briefe voll Vorwürfe zum Zweikampfe heraus. DerMarschall sandtedas Schreiben dem Könige zu, der die Annahme der Herausfoderung verbot, undT. antwortete darauf durch ein unbestimmtes Cvmpliment, welches Nichts bedeu-tete. Er pflegte sich gewöhnlich mit Mäßigung und Zweideutigkeit auszudrücken.Ebenso kaltblütig ließ er einen Theil der Kornfelder des Elsasses verheeren, um demFeinde die Mittel zur Subsistenz abzuschneiden, und erlaubte seiner Reiterei, auchLothringen zu verwüsten. Er wollte lieber der Vater der ihm anvertrauten Solda-ten als des Volks sein, welches nach den Gesetzen des Krieges immer das Opfer ist".