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Tugendbund
der Verein seiner Form nach aufgelöst; nie werden wir uns mehr versammeln;unsere gemeinsame Thätigkeit hat aufgehört. Ich hoffe, in unsern Herzen dauertunser Bund fort, und das nicht gegen den Willen unsers Monarchen. Arbeite Je-der für sich zum großen Zweck; wir werden einst bessere Zeiten sehen". — Nur indem hier ausgesprochenen Sinne dauerte der Verein noch fort. Es wurden keineZusammenkünfte mehr gehalten, keine gemeinschaftlichen Arbeiten mehr unter-nommen ; aber das Alles war auch jetzt nicht mehr nöthig. Der wahre Bürger-sinn, der Sinn für das Gute, die Empfänglichkeit für das Große und Edle warjm Lande verbreitet, wurde von jedem einzelnen Mitgliede durch Wort und Thatunterhalten, und das heilige Feuer genährt, daS bald die Herzen mildem Mutheder Wiedererlangung der Freiheit entflammen sollte. Eine Mitursache der Aushe-bung des Vereins war wol der Umstand, daß derselbe seinen Protektor im Mini-sterium, den Frech. v. Stein, verloren hatte. Dieser halte zwar keineswegs denVerein gestiftet, welches bloß durch freiwillige Vereinigung einiger Privatpersonengeschehen war, auch hat er nie als Mitglied daran Theil genommen, wcil i r dieSals damaliges Mitglied der Regierung nicht konnte; aber der kraftvolle und groß-herzige Mann begriff augenblicklich, als ihm die Idee dazu mitgetheilt wurde, dieGröße und Wichtigkeit derselben, und unterstützte daher auch den Verein mit demganzen Gewichte seines Ansehens, so lange er im preuß. Ministerium war. Nach-dem aber Napoleon ihn daraus entfernt hatte, fanden die Gegner des VereinsMittel und Wege, Letztem bei der Regierung verdächtig zu machen, als wenn erihrem Ansehen gefährlich werden, Maßregeln wider ihren Willen durchsetzen, siebei der franz. Regierung bloßstcllen könnte. Diese Einflüsterungen fanden um somehr Eingang, da der Major von Schilt, der ein Mitglied des Vereins war, ob-wol ohne Anlaß desselben, 1809 seinen abenteuerlichen Zug von Berlin aus gegendie Franzosen unternahm, und Napoleon, der dadurch (sowie durch den ähnlichen,obwol gelungcnern, Kreuzzug des Herzogs v. Braunschweig) nicht wenig erschrecktworden war, die Aufhebung des Vereins nun um so dringender federte. DieseFederung unterstützten dann jene Gegner, zu welchen nicht bloß die Wenigen ge-hörten, die mit den Franzosen befreundet waren, sondern auch die Vielen, die sichvor der franz. Allmacht fürchteten, und denen Unterwerfung klüger und bequemerschien als Krastanstrengung zur Rettung, und so mußte der König endlich nachge-ben und den Verein aufheben. — In sich selbst hatte der Verein, so lange er be-stand, folgende Einrichtung: Ein oberster oder hoher Rath, der seinen Sitz zuKönigsberg hatte, leitete das Ganze. Er bestand aus 6 erwählten Mitgliedern, dieim Vorsitze wechselten, und einem sogen. Obcrcensor, der Sitz und Stimme in je-nem Rathe, aber nie den Vorsitz hatte, weil er bei dem ihm anvertrauten wichti-gen Wirkungskreise immer dem obersten Rathe in dessen Gesammtheit verantwort-lich bleiben sollte, damit er von seiner Gewalt keinen Mißbrauch mache, er selbstaber auch wieder den obersten Rath gleichsam bewachen sollte, damit auch diesernicht seine Gewalt über die Gebühr und zum Nachtheile der Regierung ausdehne.Diese Glieder des obersten Ra'hs wurden auf ein HalbesJahr gewählt, konntenaber wiedergewählt werden, wenn man mit ihnen zufrieden war, und sie selbst dieWahl annahmen. Dem obersten Rathe war ein Sccrctair zugegeben, welcher inden Sitzungen das Protokoll führte, und die gefaßten Beschlüsse ausfertigte, ab,rselbst keine Stimme dabei hatte. Ein Schatzmeister oder Cassirer erhob die frei-willigen Geldbeiträge der Mitglieder zur Bestreitung der Ausgaben, und legte Rech-nung darüber ab. Niemand empfing irgend ein Honorar für seine Bemühung.Unter dem obersten Rathe standen die Provinzialrathe, die ebenso eingerichtet wa-ren und die unmittelbare Aufsicht und Leitung der einzelnen Vereine oder sogen.Kammern in den Provinzen hatten. Die Censoren überhaupt wachten über dieBeobachtung des Grundgesetzes, leiteten nach demselben die Wahlen der Vorsteher,