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11 (1830) T bis V
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413
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Tugend Tugendbund 413

Tugend ist die Art, wie das Gute sich durch den menschlichen Willen ver-wirklicht; oder die Stärke des Willens im Guten. Die Pythagoräcr, gewohnt,AlleS auf Zahlenverhältniffe zurückzuführen, faßten in derselben den Charakter derEinheit auf und bestimmten sie als Harmonie der Seele. Sokrates bestimmte sienäher und setzte sie darein, daß man das Gute, was man thun soll, erkenne, und dasErkannte im Handeln bewirke. Von der Erkenntniß oder der Weisheit (owP/«)hing ihm also die Tugend ab, und daher nannte er auch die Tugend Wissenschaft.Sie selbst aber betrachtete er als unzertrennlich von der Glückseligkeit und als desMenschen höchstes Gut. Plato bestimmte ihre Beziehung auf das Höhere undsetzte sie in die Nachahmung Gottes, indem durch Einheit und Übereinstimmungdes Innern der Mensch Gott ähnlich werde. Als ihre Beziehungen setzte er die 4nachher sogen. Cardinaltugenden: Weisheit und Besonnenheit (crogcu«), Tapfer-keit oder Männlichkeit (cr^ec«), Mäßigkeit und Selbstbeherrschung (crwP(>o< 7 ui^)und Gerechtigkeit oder Rcchtschaffenheit (lHouoau^), die er auch auf den Staatüberträgt. Aristoteles, welcher die Tugend subjektiv in die vollkommene Thätig-keit der Vernunft setzt, unterscheidet die intellectuelle'und die ethische Tugend; letz-tere ist ihm die im Leben erworbene Vollkommenheit oder Fertigkeit des vernünfti-gen Begehrens, welche freien Ursprungs ist, und sich als das Mittlere unter ent-gegengesetzten Neigungen (Extremen) in der Erscheinung darstellt. Unter denethischen Tugenden aber hebt er ferner die Tapferkeit, Mäßigkeit, Freigebigkeit, ge-schmackvolle Prachtliebe, Großsinnigkeit, Sanftmulh, Wahrhaftigkeit, Artigkeit,Freundschafllichkeit, Sittsamkeit, Gerechtigkeit, welche man oft die 11 Cardinaltu-gcnden des Aristoteles genannt hat. Die Stoiker und Epikuräer waren einander inHinsicht der Bestimmung der Tugend entgegengesetzt; die Letztem, den Cyrenaikernfolgend, setzten dieselbe vorherrschend in den Genuß, die Erstem in Entbehrung,in welcher sie ein naturgemäßes Leben fanden. Der Neuplatonlker Platin unter-schied die niedere oder politische Tugend, und die höhere, der sich reinigenden, mitGott sich vereinigenden Seelen. Die Scholastiker hielten in wissenschaftlicherHinsicht an den Platonischen und Aristotelischen Bestimmungen; die christlichenTugenden nannte man aber: Glaube, Liebe, Hoffnung. Um auch einigeHauptbestimmungen der neuem Philosophie anzuführen, so setzte Wolf die Tu-gend in die Fertigkeit, seinen Zustand immer vollkommener zu machen. Kant be-stimmte die Tugend als moralische Stärke des Willens eines Menschen in Befol-gung seiner Pflicht oder in der Unterordnung der Neigungen und Begierden unterdie Vernunft. In demselben Sinne bestimmte Fichte die Tugend als Übereinstim-mung mit sich selbst. Schleiermacher in seiner Abhandlung über die wissenschaft-liche Behandlung des Tugendbegriffs unterscheidet 1) belebende und bekämpfendeTugend, 2) vorstellende und erkennende von darstellender und wirksamer. Diebelebende erkennende ist ihm Weisheit, die kämpfende Besonnenheit und Beharr-lichkeit ; die belebend wirksame die Liebe. Die Lehre von der Tugend (Tugend-lchre) ist ein Hauptabschnitt der Sittenlchre oder praktischen Philosophie. Einigeaber nennen so die Moral zum Unterschiede von der philosophischen Rechtslchre.

Tugendbund, ein patriotischer Verein, welcher im Königreiche Preu-ßen bald nach dem tilsiter Frieden entstand und zum Zweck hatte, theils das un-sägliche Elend, welches der Krieg hinterlassen, zu mildem, theils die geistige undmoralische Kraft des Volks zu beleben, und dadurch den Verlust zu ersetzen, wel-chen der preußische Staat In physischer und politischer Hinsicht erlitten. Deßwe-gen hieß auch dieser Verein in dem Grundgesetze, welches dessen Zweck und innereEinrichtung aussprach, der sittlich-wissenschaftliche, und unter diesem Namenward er von der preußischen Regierung nicht bloß geduldet, sondern auch förmlichanerkannt, und durch eine vom Könige selbst unterschriebene Cabinetsordre bestä-tigt. Auch ließ sich die Regierung von Zeit zu Zeit Bericht von der Thätigkeit des