Tübinger Vertrag 411
kurze Stcuerbciträge sich biulich zu vergleichen; aber gerade eine solche Versamm-lung scheuten die Alles über den Herzog vermögenden Rathe, auf welchen dieUnzufriedenheit des ganzen Landes lastete. Von ihnen bewogen, ritt er lieberselbst in einzelnen Städten umher und suchte die Einwohner und Ortsvorsteherdurch gute Worte und Versprechungen zur Übernahme seiner Schulden zu bewe-gen. Sie hatten sich schon zu einer starken Abgabe auf 12 Jahre anheischig ge-macht, nur bedungen sie, daß aus ihrer Mitte Steuereinnehmer, sie zu erheben,aufgestellt werden müßten, damit ihr Opfer für seinen Zweck nicht verloren wäre:ein Beispiel, warum nachher auch die Landschaft und deren Ausschuß eigneSteuereinnehmer und eine eigne Landcscasse für die vom Lande nur als Ergän-zungsmittel der Regierungscasse frei bewilligten Steuern, der Natur der Sachegemäß, sich ausbedungen. — Aber sei es, daß es dem Herzog, der schnell seineKammereinkünfte wieder frei und nach seinem Willen anwendbar zu sehenwünschte, mit dieser Steuer überhaupt zu langsam ging, oder daß er zu eignerVerwendung einen Theil derselben haben wollte: er ließ die bewilligte Abgabe fah-ren und gab dem ihm gefällig dargestellten Plane Gehör, auf Fleisch, Wein,Mühlen u. s. f. eine Abgabe zu legen, welche gleichsam ohne Geld, nur durchVerminderung des Genusses, also durch Verkleinerung an Gewicht und Maß beifortdauernd altem Kaufpreis bezahlt werden sollte. Ohne Rücksprache mit derLandschaft war auch nicht einmal ein Versuch dieser Act zu wagen; die ganze Land-schaft aber mochte man sich nicht durch eine allgemeine Versammlung auf denHals laden. Nach der Art, wie man die sogenannten Staatsdiencr eher zu ge-winnen pflegt, wurden also von einzelnen Städten nur die Beamten einberufen, umdurch sie die Sache, wie im Namen des ganze» Landes, gutheißen zu lassen. —Wenn ein Regent solche Steuern auf solche Art einem Volke aufdringt, welchesan edlere Behandlung gewöhnt und auf diese eifersüchtig ist, so beleidigt er es anseiner empfindlichsten Seite und steigert die Unzufriedenheit über die Regierungbis zur Abneigung und zum Hasse gegen seine eigne Person. So geschah es jetzt inWürtemberg. Das ganze Land ward über die neue unerhörte Last schwierig; un-ter Bauern und Weingärlnern brach eigentlicher Aufstand aus. Die erste Bewe-gung geschah im Rcmsthale, im schorndorfer Oberamt. Abgaben an den Fürstenund starke Bezahlungen an seine Beamten hinderten sie in ihrem guten Fortkom-men um so mehr, da eine Reihe von Mißjahren auf einander gefolgt war, dasWild ihre Felder verwüstete, häufige Jagden und andre Frohndienste Fleiß undBetriebsamkeit der sogen, „armen Leute" lähmtcn. Die Flamme schien das ganzeLand, ja ganz Schwaben ergreifen zu wollen. Dies geschah am Ende Aprils undim Mai 1514. Der Herzog befand sich gerade in Hessen, und eilte schnell hcr->bei. Es mißlang ein Versuch, welchen er in Person zur Beruhigung des Volksmachte, und bald blieb nichts übrig als die Stände zu versammeln. Namentlichbestanden einige Städte darauf, und er gab um so williger nach, weil er nur vonihnen Bezahlung seiner Schulden zu erwarten hatte, sie die nächste Hülfe zu Däm-pfung des Aufstandes waren, auch weil sich hoffen ließ, die Mißvergnügten möch-ten sich von selbst beruhigen, wenn sie einen Landtag zu Abstellung ihrer Beschwer-den veranstaltet sahen. Er ward auf d. 25. Juni nach Stuttgart ausgeschrieben.Allein die Bauern und Weingärtncr hatten zu den Landtagen, worauf bisher nurStädteabgcordnete und Beamte erschienen waren, kein Zutrauen mehr. Sie selbstmüßten dabei sein, wenn geholfen werden sollte. Ihr Begehren ward abgeschla-gen ; aber nur wenige Ämter ließen sich bewegen, den Abgeordneten der Städte ihreKlagen und Beschwerden schriftlich mitzugeben. Diese versammelten sich jetzt zuStuttgart, aber auch voll Mißtrauen gegen den Herzog. Er stand allgemein indem Verdachte, daß er durch fremde Völker zwingen wolle. Vom Kaiser und an-dern benachbarten Fürsten waren indeß vornehme Räthe zu Stiftung ekneß Per»