Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
407
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Trützschler Tschaikm 407

Hern Graden derselben. Der Sanguiniker kann ebenso wenig lange widerstehen.Er wird leicht Phantast, verliebt, und dient den Andern zum Gespölte. DerPhlegmatiker kann mehr vertragen, er wird etwas munterer, fröhlich, vergißt aberdoch auch endlich seine Würde, gibt sich in der Trunkenheit zu sehr preis, und kommt,wie man sagt, aus dem Häuschen. Der Melancholiker widersteht am längsten.Er wird bloß etwas empfindsam, leichter gerührt, selten geht es bei ihm bis zu lau-ter Fröhlichkeit über. Er versteht noch am meisten die Kunst, sich zu beherrschenund zu rechter Zeit aufzuhören. H.

Trützschler (Friedrich Karl Adolf v.), Präsident des Geh. Rathes für dieFärstenthümcr Gotha und Altenburg» Kanzler *), Obersteuerdircctor und Slifts-propst zu Attenburg, ist zu Kulmitsch bei Weida im Voigtlande am 3. Juni 1751geb. Früh vaterlos, ward s. Bildung durch Privatunterricht so sorgfältig geleitet,daß er schon im 15.1. die Akademie Jena beziehen konnte, auf der er in einem Al-ter, wo Andre erst hinkommen, schon durch ruhmvoll vertheidigte DissertationenBeweise von juristischer Gelehrsamkeit gab. „ve juro oroäitori», inutstn re op-piFnoiata" (1769), und „ve chonatione inter vilUlu ot uxarem per tertiumt'seds, proiiibita" (1771). In dems. I. trat er in die Dienste des Herzogs Fried-rich III. v. Sachsen-Gotha, der ihn als Assessor bei der Landesregierung zu Alten-burg anstellte. Sein Leben gehörte von nun an, ohne wichtige äußere Veränderun-gen darzubieten, diesem Fürstcnhause und noch mehr dem gemeinen Besten desLandes, dem er alle s. Thätigkeit widmete. Das Vertrauen der 3 letzten Fürstendes sachscn gothaischcn Hauses, die Hrn. v. T. durch die vorbereitenden Rangstufen1786 zum Vicekanzellariat, 1794 zur Stelle eines wirkl. Kanzlers und Geh.-Ralhserhoben, endlich 1820 mit der höchsten Stelle des Landes, mit der Präsiden; imGeh.-Rathscollegium zu Gotha, auszeichneten, wurde von Allen, die mit dem Hrn.v. T. sowol im Geschäftslebcn als im geselligen in Beziehung kamen, lebhaft an-erkannt, und selten mag ein Staatsdicner sich so ungctheilter Huldigungen einesganzen Landes zu erfreuen gehabt haben, als der noch jugendlich thätige Greis am23. Oct. 1821, wo alle Stände der Fürstcnth. Gotha und Altenburg, welchem letz-tem er durch seinen Wohnort vorzugsweise, und seit dem Erbtheilungsvertrage von1826 ausschließend angehört, den Tag seiner Dicnstjubelfeier als ein Familienfestfeierten. Die Erinnerung an alles das Gute, was der in s. Berufe unermüdct thä-tige Mann dem Lande in ruhigen und in trüben Tagen geschafft hatte, gab jedemZeichen der ihm bewiesenen Verehrung den Ausdruck herzlicher Dankbarkeit. DerKönig v. Sachscn ertheilte ihm den Eivilverdienstorden, der Großhcrzog v. Weimarden Orden des weißen Falken. Vgl. die überhaupt sehr anziehende „Denkschriftder 50jähr. Dienstjubclfeier S. Exc. des Hrn. Friedrich Karl Adolf v. T." (205 S.,Alkenburg 1821). Trotz seiner durch Bcrufsgcschäste so sehr in Anspruch genom-menen Thätigkeit, blieb Hr. v. T. dennoch fortwährend der gelehrten Forschung s.Faches zugewandt. Mehre s. Schriften haben entscheidendes Ansehen gewonnen.Seine „Lehre von der Präclusion bei einem Concurse der Gläubiger" (Leipz. 1781)erhielt 1802 die 2. Aufl. Die „Anweisung zur vorsichtigen und förmlichen Abfas-sung rechtlicher Aufsätze, insonderheit über Handlungen der willkürlichen Gerichts-barkeit" (Leipz. 1783), erlebte 1817 die 5., und die „Anweisung zu Abfassung derBerichte über rechtliche Gegenstände" (Leipzig 1785) die 3. Auflage. 19.

Tschaiken (oder Sayken, ein türkisches Wort, das Schiff bedeutet) heißenin Ungarn eine Art kleiner Galeeren, die auf der Donau gebraucht werden, mit Se-gel und Ruder versehen sind und sich sehr geschwind und leicht, auch wider Stromund Wind, bewegen. Sie sind von verschiedener Größe, von 2 Kanonen und 10

*) Hr. v. Trützschler ist der 17. Kanzler des Fürstenth. Altenburg. S-dcs 1822 vcrst.großherz. weiinar. Grh.-N. I. F. Gr. v. Brust dem Jubelgreise überreichte biographisch?

„Menhurgs Kanzler" (Dresden 1821, 27 S-, 4,),