Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
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Bekehrung der Heiden und in der Bedienung der Christen, die keine Gemeindenbilden, durch reisende Prediger, verschafft ihnen immer großem Anhang. DieBaptisten in England stifteten 1792 eine Missionsgesellschast, welche jetzt 21Missionsplätze in Ostindien und auf den Inseln mit 42Missionnairen unterhält.Die gelehrten Sprachforscher v. Carey und 1). Marshman, welche mit Unter-stützung der großbritannischen Bibelgesellschaft die Übersetzung der Bibel in 7 le-bende orientalische Sprachen besorgen und in ihrer Druckerei zu Serampore ge-genwärtig ans Licht stellen, sind baptistische Missionsprediger. — Unter die Ab-kömmlinge der alten Wiedertäufer rechnet man endlich noch die D unkers, wel-che in den nordamerik. Freistaaten Pennsylvanien und Marpland einige Brüder-schaften haben. Sie stammen von deutschen Flüchtlingen ab, welche im 17. Jahrh,nach Nordamerika kamen. In Rücksicht der Taufe der Erwachsenen sind sie D o m-pelers (s. Dumpler) und stimmen mit den Baptisten überein, weichen aberdarin von ihnen ab, daß sie, wie die alten Wiedertäufer, es für unerlaubt halten,Processe zu führen, Waffen zutragen, zu fechten, zu schwören und Zinsen zu neh-men. Ihre Lehrsätze scheinen nicht bestimmt zu sein. Der Hauptpunkt ihresGlaubens ist die Meinung, daß die künftige Seligkeit nur durch Büßungen, Ent-sagungen und Selbstpeinigungcn erworben werden könne. In ihren Versamm-lungen, welche die Geschlechter täglich abgesondert und nur ein Mal wöchentlich amSabbath zusammen halten, darfJeder laut beten und sprechen. Die besten Spre-cher halten Vorträgt. Ihr Gesang ist nach dem Zeugnisse des Reisenden Lian- ,court harmonisch und wohllautend, ihre Liturgie höchst einfach, ihr Wandel rein,ihr Eewerbfleiß bewundernswerth. Das Abendmahl halten sie des Nachts undverbinden damit ein Liebesmahl, wobei sie einander die Füße waschen, den Vru-derkuß und Handschlag geben. Wer sich verheirathet, gehört nicht mehr zu d»nvollkommenen Brüdcrn und Schwestern, die gar keinen Umgang mit einanderhaben, sondern zu den Verwandten der Gemeinde, welche in benachbarten Ortenwohnen und ihre Kinder den Vollkommenen zur Erziehung überlassen, aber fort-fahren, an den wöchentlichen Versammlungen der Gemeinde Theil zu nehmen.Aus dem ansehnlichen Vermögen der Gemeinde, das durch den Ertrag ihrer Ar-beiten wächst, erhalten die Verwandten wie die Vollkommenen ihren Unterhalt.So sind denn aus den Nachkommen der alten Wiedertäufer, die durch ihre Empö-rung gegen jede gesetzliche Ordnung, durch vorgebliche Offenbarungen und chiliasti-sche Schwärmereien die Welt umstürzen wollten, friedliche Christen geworden, diewegen ihrer bürgerlichen Tugenden von jeder weisen Regierung gern geduldet wer-den, und statt des prophetischen Dünkels ihrer Vorfahren nur durch Sittenrein-heit streben, eine Gemeinde Gottes zu sein. — S.die „Geschichte der Wiedertäu-fer in Münster", von dem köm'gl. Regier.-Sccr. Jochmus (Münster 1825). L.

Tauler (Johann), ein berühmter Mystiker des 14. Jahrh. Er war geb.1294 oder später zu Strasburg oder Köln, und trat sehr jung in den Dominica-ncrorden. Hier riß er späterhin alle seine Zuhörer durch seine Predigten hin, diegrößtcntheils nicht bloß der Ausdruck eines frommen Herzens sind, und deren Wir-kung durch seinen musterhaften Lebenswandel bei feinen Zuhörern noch erhöhtwurde, sondern die zugleich sein Verdienst um die Lchrsprache der Deutschen be-währen. Erschrick seine Predigten ursprünglich lateinisch nieder, und hielt siedeutsch; dies geht auch aus dem Titel der ältesten Ausg. derselben hervor (1498und 1580). Früher hatte er in seinen Predigten mehr metaphysische Betrachtun-gen vorgetragen ; späterhin entsagte er auf Veranlassung eines frommen Schülersder Wcltwcisheit und redete ganz in der populaicen Sprache eines frommen Her-zens. Seine Predigten sind oft in die neuere deutsche Sprache übergetragen wor-den. Auch hat T. Abhandlungen geschrieben, welche gleichfalls selten sind. Erstarb zu Strasburg 1361. Joh.Arndt hat sein Leben beschrieben 1689.