76 Taufgesinnte, Mennoniten
die in der großen Gemeinde der vereinigten Waterländer, Flaminger, Friesen undDeutschen 1664 durch die Neigung eines Theiles derselben zu den Grundsätzender Remonstranten entstandene Trennung. Galenus Abrahamssohn von Haen,ein gelehrterArzt und Lehrer der Taufgestnnten, von sanftem Charakter und aus-gezeichneten Gaben, wurde der Anführer dieser neuen Partei, die man nach ihmGalenisten nannte. Er behauptete, daß weniger die Lehre als ein frommes Le-ben über den Werth des Christen entscheide, auch daher keinem Redlichen undSchriftgläubigen die Kirchengemeinschaft zu verweigern sei, und verrieth dabeisocinianischeAnslchten vonChristo und dem heil. Geiste. SamuelApostool, eben- 'falls Arzt und Lehrer der Gemeinde, erklärte sich mit dem altgläubigen Theile der-selben gegen solche Neuerungen und für das Festhalten der alten Bekenntnisse undGewohnheiten. Die Frage, welcher von beiden Parteien das bisher gemein-schaftlich besessene Kirchcngut bei der Trennung verbleiben solle, ward durch dieholländische Regierung zum Bortheile der Galenisten entschieden, weil diese sichfür, die Apostoolen aber gegen die fernere Kirchengemeinschaft der verschiedenGesinnten erklärten. Daher blieben die Galenisten im Besitze der Kirche, welcheim Giebel das Zeichen des Lammes hatte und Gelegenheit gab, sie die Gemeindevom Lamme zu nennen. Die Apostoolen, gegen 700 Köpfe'stark, hielten nun ih-ren Gottesdienst in der Sonne, einem Hause zu Amsterdam, nach dem sie Ge-meinde von der Sonne genannt wurden. Da diese Namen jedoch nur die Ge-meinden zu Amsterdam angehen, so bezeichnete man die beiden Hauptparteien der ,Gelinden oder Groben, denen sich in der Folge alle übrigen Taufgesinnten dieserGattung, namentlich die vereinigten Flaminger und Waterländer den Apostoolen,die Waterländer bei den Thoren den Galenisten, anschlössen, richtiger nach derVerschiedenheit ihrer Grundsätze. Es gibt daher jetzt, außer den oben beschriebe-nen, nicht vereinigten Zweigen der alten Flaminger oder eigentlichen Feinen, 2Hauptparteien der Taufgesinnten, die Apostoolen, welche sich, wegen ihrerAnhänglichkeit an die nach Mcnno's Lehre aufgesetzten ältern Confcssionen, Men-noniten im engern Sinne nennen, und die Galenisten, die man Nemonstcan-tisch-Gesi'nnte, auch Arminian-Baptistcn, nach Arminius, dem Stifter der Ne-monstranten, nennt. Die Mennoniten behaupten, weil sie auch zu den Gelindengehören, zwar nicht mehr Menno's Lehre von der Schöpfung Christi in dem LeibeMariens, taufen auch keinen Überläufer wieder, belegen bloß grobe Vergebungenmit dem Banne und lassen ihm Warnungen vorangehen, verlangen auch keinegänzliche Meldung der Gemeinschaft mit den Excommunicirten, halten aber nochsorgfältig auf das Verbot des Eides, der Kriegsdienste und der Theilnahme anobrigkeitlichen Ämtern. Das von einem ihrer Lehrer, Cornelius Riß, abgefaßteund 1776 zu Hamburg deutsch erschienene Glaubensbekenntniß der wahren Men-noniten stimmt fast ganz mit dem reformirtcn Lehrbegriffe übcrein. Jetzt sind siebei der Erschlaffung der Kirchenzucht unter den Feinen in Holland und Deutsch-land von diesen wenig verschieden. Am weitesten vom Glauben und von der Kir-chenzucht der alten Taufgesinnten sind die Remonstrantischcn abgewichen. Sieverwerfen alle symbolische Bücher, gestatten die größte Lesefrcihcit, daher es un-ter ihnen viele Socinianer gibt, dulden Andersgesinnte und nehmen Christen vonallen Confessionen auf, jedoch nur in wenigen Gemeinden ohne Wiedertaufe, dieFeinen und Mennoniten betrachten sie alö Brüder. Den Bann üben sie fast nurdurch Ausschließung vom Abendmahle, und noch seltener aus als Letztere, gestat-ten Kriegsdienste und Verwaltung obrigkeitlicher Ämter, selbst den Aussageeid,und verbieten nur den Vcrsprechungseid. Sie achten die Gelehrsamkeit hoch undhaben zu Amsterdam ein Scminarium zur Bildung ihrer Prediger errichtet, andem auch Jünglinge von der mennonitischen Partei Theil nehmen. In Hollanderlangten die Taufgesinnten schon unter Wilhelm l, Duldung und 1626 voll-