Taufgesinnte, Mennoniten 75
oder die alten Friesen, wurden aber von ihren Gegnern auch Dompelers, d. h.Untertaucher, genannt, weil einige ihrer Gemeinden das dreimalige Untertauchendes ganzen Körpers bei der Taufe anwendeten, dagegen die übrigen Taufgesinntendas Besprengen des Kopfs für hinlänglich halten. Außer Friesland haben sie sich,wiewol nicht zahlreich, nach Lithauen und Danzig verbreitet, auch stimmen dieTaufgesinnten in Galizien (Reste der ehemaligen mährischen), welche wegen ihrerKleidcrtracht inKnöpfler (welche dieKleiderzuknöpfen) undHeftlcr (welchestatt derKnöpfe Heftel von Draht gebrauchen und Bärte tragen) getheilt sind und etwa 24Familien einfacher Landleute ausmachen, in der Beibehaltung der ältern Lehreund strengen Handhabung des Bannes bei merkwürdiger Sittenreinheit mit denUkewallisten überein. Zu der Partei der alten Flaminger, oder feinsten und nichtvereinigten Taufgesinnten, gehören noch die Danziger und die Schweizer. Jenebestehen aus einigen kleinen Gemeinden im danziger Gebiete, in Ostpreußen und inden Niederlanden, welche Letztere von danziger und preuß. Familien abstammen,und nennen sich auch Clarchen, 6larivi (die Feinen), wie man aus ihrer 1678 be-kanntgcmachten lat. Confession sieht. Die Schweizer sind Reste der Auswanderer,die während der im 16. und 17. Jahrh, anhaltend fortgesetzten Verfolgungen derTaufgesinnten in der Schweiz nach den Niederlanden kamen, und machen jetzt nur2 kleine Gemeinden aus. Diese verschiedenen, nicht vereinigten Zweige der sogen.Feinen oder alten Flaminger haben ein festes Beharren bei den alten Grundsätzenund Gewohnheiten der ganzen Sekte mit einander gemein. Sie verwerfen denAusdruck Person in der Dreieinigkeitslehre, erklären, nach Merino, die Unsünd-lichkeit der Menschennatur Christi daraus, daß er in dem Leibe Mariens ausNichts von Gott erschaffen, obwol von dem Blute der Mutter genährt wordensei, halten nur die Taufe ihrer Partei für gültig, und beobachten das Fußwaschenals eine von Christo gebotene Handlung nicht bloß gegen Reisende ihrer Partei,wie auch die vereinigten Feinen thaten, sondern selbst in gottesdienstlichen Ver-sammlungen. Den Eid, die Bekleidung obrigkeitlicher Ämter und jede nur durchGewalt mögliche Vertheidigung des Eigenthums, der Freiheit und des Lebenshalten sie, wie alle Taufgesinnte überhaupt, für unerlaubt, daher sich diese sonstohne Unterschied die waffenlosen Christen nannten; nurbeobachten die alten Fla-minger hierin und in der Kinderzucht eine größere Strenge als die übrigen Taus-gesinnten. Unsittlichkeit, Waffenträger,, Vcrhcirathung mit einer Person außerder Gemeinde, Luxus in Kleidung und Hausgeräthe bestrafen sie durch Excommu-nication ohne Kracku» -ulmomtiom's, und dehnen die Kraft des Bannes immernoch auf das häusliche Leben aus. Die Danziger schloffen sogar Die, die sich ab-malen ließen, zu Bestrafung der Eitelkeit aus. Überhaupt suchen sie dem Beispieleder Einfachheit, Reinheit und demokratischen Verfassung des ersten apostolischenKirchenthums, dessen Wiederherstellung ursprünglich allen Taufgesinnten Her-zenssache war, immer noch am genauesten nachzukommen, daher sie ihre Lehrerdurch die ganze Gemeinde wählen und keine Amtskleidung tragen lassen, unddie Gelehrsamkeit gering schätzen. In neuern Zeiten haben sie freilich von ihrerStrenge allmälig viel nachgelassen, und besonders die Wiedertause der Überläuferaufgegeben, dagegen Christen, welche bloß in ihrer Kindheit getauft wurden, nochbei allen Parteien der Taufgesinnten nur durch Wiedertaufe aufgenommen wer-den können. Die 1649 vereinigten Flaminger, Friesen und Deutschen, welcheanfangs auch zu den Feinen gehören wollten, neigten sich nach und nach zu denGelinden und Groben , zu denen sie jetzt ebensowie die durch Zusammentritt ein-zelner Gemeinden verbrüderten Friesen und Vaterländer — Waterländer, Fla-minger und Friesen, — Flaminger und Waterländer gerechnet werden. Dochverschwanden mit der Zeit auch diese verschiedenen Benennungen, da sie keine Ver-schiedenheit der Lehren und Grundsätze mehr bezeichneten, Desto wichtiger wuchs