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Taufgesinnte, in Münster
Schweiz und den Niederlanden seit 1524 merkbaren Vermehrung ihres Anhangssetzten die Obrigkeiten bald scharfe Maßregeln entgegen. In Deutschland ergingenseit 1525 kaiserl. und Neichstagsverordnungcn gegen die Wiedertäufer, an Vielenwurde die angedrohte Todesstrafe vollzogen, was auch in der Schweiz und denNiederlanden geschah; nur der Landgraf v. Hessen begnügte sich, sie einsperrenund unterrichten zu lassen. Dennoch sammelten sich immer neue, durch die Rei-sen ihrer Propheten und Lehrer zusammenhangende Haufen dieser Leute, derenLehre aus folgenden Sätzen bestand: Die Gottlosigkeit herrsche überall, einneues Geschlecht heiliger Menschen müsse gegründet werden; ihnen ohne Un-terschied des Geschlechts sei die Gabe der Weissagung und Auslegung göttlicherOffenbarungen verliehen, daher bedürfe es für sie keiner Gelehrsamkeit, denndas innere Wort gelte mehr als das äußere; kein Christ solle Processe führen,obrigkeitliche Ämter verwalten , schwören, und etwas Eignes haben, sondernAllen Alles gemein sein. Mit solchen Meinungen kamen Joh. Bockhold oderBockclson, ein Schneider aus Leyden, und Joh. Matthias oder Matthiescn, einBäcker aus Hartem, 1533 nach der eben für die Reformation gewonnenen StadtMünster in Westfalen, wo sich bald ein Theil des aufgeregten Volkes, u. A. auchder evang. Prediger Nothmann und Rathsherr Knipperdolling, zu ihnen schlu-gen. Vergebens ließ der Magistrat ihnen die Kirchen verschließen; sie erstürm-ten mit ihrem täglich wachsenden Anhange das Rathhaus und erzwängen gegenEnde d. I. einen Vergleich, der die Freiheit der Religionsübung beider Parteiensichern konnte. Doch verstärkt durch unruhiges Gesindel aus den benachbartenStädten, machten sie sich gewaltsam zu Herren der Stadt und jagten die Ge-genpartei hinaus. Matthiesen trat als Prophet auf und überredete das Volk,sein Gold, Silber und a. bewegliches Gut zum gemeinen Gebrauche auszulie-fern, und alle Bücher außer der Bibel zu verbrennen, verlor aber bei einemAusfalle gegen den Bischof von Münster, der die Stadt belagerte, das Leben.Nun warfen sich Bockhold und Knipperdolling zu Propheten auf. Die Kirchenwurden zerstört, 12 Richter, wie in Israel, über die Stämme bestellt, undauch diese Regierungsform bald wieder umgeworfen, indem Bockhold sich u. d.N. Johannvon Leyden zum Könige des neuen Zions (so nannten diemün-sterschen Wiedertäufer ihr neues Reich) erheben und förmlich krönen ließ. Seitdiesem Zeitpunkte (1534) wurde Münster ein Schauplatz aller Ausschweifun-gen wilder Schwärmerei, viehischer Wollust und unmenschlicher Grausamkeit.Die Einführung der Vielweiberei, das Loslassen aller Zügel gesetzlicher Ord-nung mußte dem bcthörten Volke die Rohheit, Habsucht und Raserei seines jun-gen Tyrannen und s. täglich wachsende Gefahr von Außen verbergen. Bock-hold lebte in fürstl. Pracht und Schwelgerei, ließ Manifeste zur Empörung ge-gen auswärtige Regenten, gegen den Papst und Luther ausgehen, drohte mit sei-ner Rotte alle Andersdenkende zu vernichten, machte sich den Seinen durch häu-fige Hinrichtungen furchtbar und wußte, während Hunger und Seuchen in derStadt wütheten, den Taumel der unglücklichen Bewohner zu einem hartnäckigenWiderstände gegen die Belagerer zu benutzen. Von diesen wurde Münster end-lich d. 24. Juni 1535 durch Verrätherci, jedoch nicht ohne tapfere Gegenwehr,wobei u.A. auch Rothmann das Leben verlor, eingenommen, und dem Reicheder Wiedertäufer ein Ende gemacht. Bockhold, Knipperdolling und Krcch-ting wurden mit glühenden Zangen zu Tode gemartert und dann in eisernen Kä-fichen am Lambertusthurm zu Münster zum Schrecken aller Rebellen aufgehenkt.Indessen hatten einige von den 26 Aposteln, welche auf Bockhold's Befehlausgegangen waren, sein Reich zu verbreiten, hier und da Eingang gefunden;auch fuhren mehre von der münsterschcn Rotte unabhängige Lehrer der Wic-dertavse und des schwärmerischen Glaubens an die Stiftung eines neuen Reichs