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Tauenzien von Wi'ttenbcrg
sich eins der größten und schönsten Wohnhäuser in Leipzig. 1806 erschien s. ersteSchriftprobe, die sich zwar nicht durch Reichhaltigkeit, wohl aber durch geschmack-volle Auswahl bemerklich machte. 1808 ließ er die ersten Bde. s. Sammlung derclassischen Autoren hervortreten: eine Unternehmung, die, ebenso neu in ihrerArt als überraschend in ihrem Erfolge, einen merklichen Einfluß auf Richtungund Belebung der classischen Studien geäußert hat. 1816 erschien seine zweiteSchriftprobe, mit griech., russ, hebr, syrischen u. arabischen Schriften bereichert.In demselben I. errichtete er seine Stcreotypcngießerei nach Stanhope's Metho-de, welches Geschäft in Deutschland bisher nur dem Namen nach bekannt war.Trotz der zahlreichen, zum Theil aus dem Mangel einheimischer Vorbilder hervor-gehenden Hindernisse, wendete er bald mit Erfolg die Stereotypie auf seine Classi-ker, sowie auf mehre Bibelausgaben für eignen Verlag und auswärtige Bibel-gesellschaften an. Seine classischen Autoren, die sich sowol durch correcten und ge-schmackvollen Druck, als auch durch einen außerordentlich wohlfeilen Preis aus-zeichnen, sind in der ganzen gelehrten Weitverbreitet und werden in den Schulengebraucht. Nach mehren Jahren gelangte er dahin, auch Musikwerke zustereoly-piren, was vorher noch nirgends versucht worden war. Eine Probe dieses neuenVerfahrens ist u. a. der von Fr. Schneider ausgearbeitete Clavierauszug von Mo-zarts „Don Juan". — Frühzeitig vertraut mit den Meisterwerken der ausländ.Typographie, besonders denen von Bodoni und Didot, richtete er fortwährend seinBestreben auf Veredlung des Geschmacks bei typographischen Arbeiten, wovon dieBeweise in mehren Prachtausgaben und ausgezeichnet schön gedruckten Werkenvorliegen. Einzig ist s. stereotypirte Preisausgabe des Homer (1828), welche durchseineAuffoderung, jeden Druckfehler mit einem Dukaten zu bezahlen, vollkommencorrect geworden ist. Als Grundlage der Typographie war die Stempelschneide-kunst der Gegenstand seiner besondern Aufmerksamkeit, und immer war er thätigfür Bildung geschickterStcmpelschneider, deren man in Deutschland nur wenigezählt. Dieses Wirken beurkundet seine neue Schriftprobe von 1825; eine vervoll-kommnete» u. vermehrte wird in Kurzem erscheinen. Überhaupt bereitet diesersiebzigjährige Mann, der sich ohne äußere Mittel in einer ungünstigen Zeit zu ei-ner ehrenvollen Selbständigkeit emporgearbeitet hat, mit jugendlicher Thätigkeitnoch mehre typographische Unternehmungen vor, die seines Namens würdig sind.
Tauenzien vonWittenberg (Friedrich Bogislav Emanuel, Grafv,), k. preuß. Gen. der Infanterie, Großkreu; vom Orden des eisernen Kreuzes,der andern hohen preuß., östreich., schweb, u. russ. Orden Ritter, Gouverneur vonBerlin rc.,ein Sohn des berühmten Vertheidigers von Breslau, ward. 15. Sept.1760 in Potsdam geb. Er stand seit 1775 in preuß. Kriegsdiensten, zuerst imReg. des Prinzen Heinrich, dessen Adjut. er eine Zeit lang war; auch ward er zudiplomatischen Sendungen gebraucht. 1806 befehligte er als Generalmajor dasin Baireuth aufgestellte, durch einige sächs. Truppen verstärkteBeobachtungscorps,mit welchem er am 9. Oct. bei Schlei; das erste Gefecht jenes Feldzuges lieferte,und dessen bei der Überlegenheit des Feindes sehr schwierigen Rückzug er umsichtigleitete. In der Schlacht von Jena befehligteerdieVordertruppenderHohenlohe'-schen Armee, die, am frühen Morgen beiLützerode rc. das Gefecht eröffnend, nachhartnäckigem Widerstände zurückgeworfen wurden. Als die Trümmer des preuß.Heeres unter dem Fürsten v.Hohenlohe nach derOder zurückgingen, halte er dabeiein Eommandound theiltedas Schicksal des Heeres bei Prenzlow. Nach dcmtil-siter Frieden als Ehefdcr brandenburg. Brigade angestellt, ward er, als sich Preu-ßen 1813 gegen Frankreich erklärte, zum Militairgouverneur von Pommern er-nannt und mit der obern Leitung der Belagerung von Stettin beauftragt. Nachdem Waffenstillstände erhielter das — meist aus Landwehr bestehende — vierteArmeecorps, welches der Nordarmee unter des Kronprinzen v. Schweden Oberbe-