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zu ordnen. Schon im 16. Jahrh, bediente man sich dazuder sogen. Stabmethode;der Taube mußte das eine Ende eines hölzernen oder eisernen Stabes, ohne es mitden Lippen zu berühren, mit den Vordcrzahnen festhalten, das entgegengesetzteEnde des Stabes aber hielt Der, der mit ihm sprechen wollte, auf eben diese Artmit den Vordcrzähnen fest, und redete nun gegen den Taubstummen. Hierdurchhoffte man, dem Taubstummen Das, was man zu ihm redete, vernehmbar zumachen; allein obwol dieses Mittel bei schwerhörenden, auch wol bei taubgewor-denen erwachsenen Menschen nicht ohne Wirkung ist, so ist es doch, nach demZeugnisse mehrer Taubstummenlehrcr, bei wirklich Taubstumme» völlig unbrauch-bar. Einige Taubstummcnlchrec bedienten sich, auch in neuern Zeiten, derSchrift-züge oder Schriftsprache; allein diese Methode kann dem Taubstummen nur inAnsehung sichtbarer Gegenstände von Nutzen sein, indem ihm nothwendig ein Ge-genstand sichtbar sein muß, wenn er ihn mit den Schriftlichen vergleichen, sichein Bild von ihm in sein Gedächtniß einprägen und festhalten soll. Auch sollenmehre Taubstumme, welche bloß durch Schriftsprache ihren Unterricht erhielten,sehr bald in ihre vorige Unwissenheit zurückgesunken sein. Dasselbe, was von derSchriftsprache gesagt ist, gilt auch von der Gebärdensprache, die noch ihre eignenSchwierigkeiten hat, besonders wenn sie allgemein verständlich sein soll. In neuernZeiten ist der Unterricht der Taubstummen sehr vervollkommnet worden, sodaßjetzt Diejenigen, welche gehörig unterrichtet worden sind, nicht bloß Jedem sichverständlich machen, sondern selbst Lehrer von Taubstummen werden können. II.
Taubstummeninstitute sind Lehranstalten, in welchen Taubstummeihren Unterricht erhalten. Sie entstanden durch die Bemühungen einer kleinenAnzahlvon Männern, welche aus cignemAntriebe sich mit einzelnenTaubstummcnbeschäftigten, was imAnfangeum soschwererwar, da es noch an allen Hülfsmit-teln und an den Erfahrungen fehlte, welche jetzt den Unterricht der Taubstummenerleichtern. Erst in der2. Hälfte, besonders in dem letzten Viertel des 18. Jahrh,war man daraufbedacht, Anstalten zumUnterricht mehrerTaubstummen zu errich-ten. Vorhersah man diese Personen als Unglückliche an, bei denen keine Hülfe an-wendbar sei ; es gab wol gar schwache Menschen, die aus verkehrten Begriffen dieBemühungen, welche man aufdie Bildung der Taubstummen verwandte, als ei-nen Eingriff in die Rechte des Schöpfers ansahen. — Als ersten Taubstummen-lehrer nennt man einen spanischen Bencdictincrmönch, Peter Pontius, zuEndedes 16. Jahrh., der auch dereigcntliche Verf. der Schrift sein soll, welche PaulBonnet, den man für den ersten Schriftsteller über den Taubstummenunterrichthält, 1620in spanischer Sprache herausgab. Indeß scheint der Titel dieser Schriftzu beweisen, daß der Unterricht mehr aufdie Stummen überhaupt als auf dieTaubstummen insbesondere berechnet gewesen sei. Ob dem Landsmann der beidenVorerwähnten, Emanuel Ramirez de Carion, welcher den taubstummgeb. savopi-schenPrinzen, Eman. Philibert v. Carignan, sprechen lehrte, der Ruhm gehöre,die erste glückliche Probe des Unterrichts an einem Taubstummen geliefert zu ha-ben, ist bei dem Mangel an sichern Nachrichten ebenfalls ungewiß. Gewisser istes, daß William Holder, ein engt. Theolog (gest. 1696)1659 einen jungen taub-und stummgeb. Edelmann, Alex. Popham, sprechen lehrte, ob ihm schon Joh. Wal-lis, Pros. der Mathematik zu Oxford (starb 1703), diese Ehre streitig zu machengesucht hat. Zu Ende des 17. Jahrh, beschäftigten sich besonders ein Frech. v. Hel-mont, und Joh. Konr. Amman, ein Arzt aus Schaffhausen, der zu Amster-dam lebte, mit dem Unterricht von Taubstummen. Durch ihre Schriften wurdeman auch in Deutschland aufdiescn Unterricht aufmerksamer; doch umfassen sienicht den ganzen Unterricht, sondern beschränken sich bloß auf den physiologischenTheil desselben. Erwürbe überhaupt seil dem Anfange des 18. Jahrh, in Deutsch-land sowol als in andern Ländern mit mehr Eifer betrieben, und mehre Taubstum-Conv.-Lex. Siebente Ausl. Bb. XI. st 5