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11 (1830) T bis V
Entstehung
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Taubstumme 63

manniana), und wie Wenigen ist es bekannt, daß er nichts weniger als dies, ja imGegentheil e'n Gelehrter war, dessen literarischc Thätigkeit den Verirrungen seinerZeit mit Ernst, Würde und Nachdruck entgegenstrebte. Er war zu Wonsees beiBaireulh den 16. Mai 1565 geb-, erhielt seine Bildung in den Schulen zu Kulm-bach und Heilsbrunn und auf der Universität Wittenberg, wurde auch auf derletzter», nachdem er sich durch gründliches Wissen, frohen und heitern Lebens-muth, reichen und lebendigen Witz und durch eine seltene Fertigkeit zu dichtenallgemein bckanntgemacht hatte, nach kaum vollendeten Univers,'talsj ihren alsi Pcof. der Dichtkunst angestellt. Zugleich erhielt er das Amt eines Hofpoeten, wel-ches, wie sehr es ihn bei der Mitwelt ehren mochte, ihm doch bei der Nachweltdurch unverständige Verwechselung so nachtheili'g geworden ist. Es geht aus tie-ferer Kunde der damaligen Zeit und unparteiischer Prüfung aller Zeugnisse über ihn»nwidersprech'ich hervor, daß er selbst in den Kreisen der höchsten Staatsbeamtenund der Fürsten nie seiner Würde vergaß, nie zum Lustigmacher oder verworfenenSchmeichler berabsank, und nie die Grenzen der Zucht und Sitte überschritt oderseinem geraden und biedern Charakter untreu wurde. Nicht weniger achlungswerth,als ihn die glückliche Vermeidung dieser gefährlichen Klippe macht, erscheint er auchals Gelehrter. Die Philologie war bei den theologischen Zwisten, welche gegenEnde des 16, Jahrh. Sachsen im Innern entzweiten, immer mehr vernachlässigtworden, und sank nach Melanchlhon's und Camcrarius's Tode täglich tiefer. Nur^ wenige hellsehende Männer erkannten das Verderben; aber Taubmann war dereinzige, der diesen Verirrungen durch Wort und Beispiel offene Fehde bot. Nichtnur bestrilt er mit Ernst und Spott die verkehrten Ansichten seiner Zeitgenossen undrief ihnen die einzig wahren Grundsätze eines gründlichen Sprachstudiums in dasGedächtniß zurück („Disoertatia se iingus, 1,-uin»", Mittend. !614>, sonderner strebte auch durch seine Vorlesungen, sowie durch seine Ausgabe des Plautus(Wittenb. 1621, 4.) und Virgilius (Mittend. 1618, 4.), ihnen den richtigen Wegzu zeigen, und sie mit den Aufklärungen der trefflichsten ausländischen Philologenseiner Zeit bekanntzumachen. In diesen Bestrebungen starb er, zu früh, den24. März 1613. Geringer ist sein dichterisches Verdienst. S. von ihm F. A.Eberl's ,,Leben und Verdienste F. Taubmann's" (Eisenberg 1814).

Tau l> stu m m e sind diejenigen Menschen, welche entweder ohne den Sinndes Gehörs geboren worden sind, oder denselben in früher Kindheit, «he sie noch> sprechen lernten, verloren haben. Da die innern Theile des Gehörorgans so zu-sammengesetzt und so zart sind, die Gchörsfähigkeit an Bedingungen gebunden ist,die so leicht fehlen können, so ist es nicht zu verwundern, daß dieser Sinn so oftmangelhaft wird und nicht selten ganz zu setzten scheint (man rechnet auf eine Milk.Menschen 150—200 Taubstumme). Bei Taubgeborenen ist meistens ein ungebil-deter organischer Fehler in den feinsten Theilen' des Gehörgangs die Ursache derTaubheit, welchc wol in den seltensten Fällen durch die Hülfe der Kunst gehoben wer-den kann. Versuche der Duchbctznmg des Trommelfells haben in wenigen Fällencjne entschieden günstige Wirkung hervorgebracht. Auch kann dieselbe nur einem ein-zigen Fehler abhelfen, wahrend in dem innern Ohre gewöhnlich deren mehre statt-finden , zu denen keine Kunst hinreicht. Es ist daher in der Regel sehr vergeblich,

, taubgeborene Personen mit mancherlei oft schmerzhaften und lästigen Heilversuchenzu plagen. Anders ist der Fall bei solchen Kindern, von welchen man bestimmt weiß,daß sie das Gehör in ihrem ersten Jahre hatten, und welche es verloren, ehe sie nochsprechen lernten. Hier kann man eher die Hoffnung haben, daß die Gehörwerkzeugein ordnungsmäßiger Beschaffenheit vorhanden seien, und nur eine Krankheit ihreFunktion gestört habe. Alle Kinder, welche von der ersten Kindheit, ehe sie noch spre-chen lernten, taub geblieben sind, sind auch stumm, weil sie nun nich/spreche» lernenkönnen, nicht aber deßwegen, well nothwendig und jedesmal ein Mangel der Sprach-weckzeuge oder ein Fehler an denselben stattfinden müßte. Stumme, die dabei hören,