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11 (1830) T bis V
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Tasso (Torquato)

flache berührt. Auch ihn beschränkte die Virgil'sche Form einigermaßen, daher ei-nige nicht ganz glücklich gelungene Stellen von dem sogen, epischen Maschinenwerk.T. gehört im Ganzen mehr zu den Dichtern, die nur sich selbst und ihr schönstesGefühl darstellen, als eine Welt in ihrem Geiste klar aufzufassen und sich selbstdarin zu verlieren und zu vergessen im Stande sind. Die schönsten Stellen in sei-nem Gedichte sind solche, die auch einzeln oder als Episoden in jedem andern Werkeschön sein würden, und nicht wesentlich zum Gegenstände gehören. Die Reize der> Acmida, Elvrindens Schönheit und Ecminiens Liebe, diese und ähnliche Stellen

' sind es, die uns an den Tasso fesseln. In seinen lyrischen Gedichten („Mine",

von denen K. Förster eine Auswahl übersetzt hat, Zwickau 1821) ist eine Glut derLeidenschaft und eine Begeisterung der unglücklichsten Liebe, welche uns noch mehrals das kleine Schäferspiel, „Aminta", das auch ganz vom Gefühl der Liebe glüht,erst an die Quelle jener schönen Dichtungen führt, und wogegen die Kälte des kunst-reichen Petrarca sonderbar absticht. T. ist ganz ein Gcsühlsdichter, und wie Ariostoganz malerisch, so ist über T/s Sprache und Verse ein Zauber musikalischer Schön-heit ausgegosscn, der wol am meisten mit beigetragen hat, ihn zum Licblingsdichterder Italiener zu machen, was er selbst beim Volke mehr als Ariosto ist. Die ein-zelnen Stellen und Episoden des Gedichts sind oft gesungen worden, und da dieItaliener sonst eigentlich keine Romanzen der Art wie die Spanier Haben, so habensie ihr episches Gedicht für den lebendigen Gesang sich auf solche Weisest» einzelne, Romanzen aufgelöst, die wohllautendsten, edelsten, dichterisch schönsten undschmuckoollsten, die wol irgend ein andres Volk besitzt. Die Art, ihren Dichterzu nehmen und stellenweise vorzutragen, war vielleicht für den Genuß und dasGefühl die beste; denn an dem innern Zusammenhange des ganzen Werks, als ei-nes solchen, möchte nicht sehr viel verloren sein. Wie wenig T. sich selbst mit sei-nem Begriffe von epischer Kunst befriedigen konnte, zeigen seine mannigfachen Ab-änderungen und mißlungenen Versuche. Zuerst versuchte er es mit einem Ritter-gedicht; das „Befreite Jerusalem", dem er seinen schönsten Ruhm verdankt, wollteer, da seine glücklichste Zeit schon vorüber war, ganz umarbeiten; die schön-sten,,reizendsten und liebevollsten Stellen brachte er seiner jetzigen sittlichen Strengeoder Ängstlichkeit zum Opfer; dafür sollte eine durch das Werk fortgeführte kalteAllegorie einen Ersatz gewähren. Noch versuchte er ein christlich - episches Gedichtvon der Schöpfung. Wie schwer es auch dem glücklichsten Dichter werden muß,^ einige wenige, zum Theil geheimnißvolle Sprüche Mosis zu ebenso viel ausführli-chen Gesängen zu entfalten, darf nicht erst auseinandergesetzt werden. In diesemGedicht entsagte T. sogar dem Gebrauche des Reims, dessen Zauber doch seine Ge-sänge einen großen Theil ihrer Reize verdanken, und den selten ein Dichter so ganzin der Gewalt hatte wie er. Man hat ihm oft seine Gedankenspiele (oonvetti)vorgeworfen. Viele von diesen spielenden Gedanken beim Tasso sind nicht bloßsinnreich, sondern auch bildlich schön. Einem Dichter des Gefühls und der Liebesind sie am ersten erlaubt. Betrachten wir den Tasso ganz als einen musikalischenGefühlsdichter, so ist es eigentlich kein Tadel, daß er in einem gewissen Sinne ein-förmig, und daß er so durchgehends sentimental ist. Von einer Poesie, die inihrem innern Wesen lyrisch ist, scheint diese Einförmigkeit nun einmal unzcrtrenn-t lieh zu sein; ja wir finden eher eine Schönheit darin. daß selbst über die Darstel-lung sinnlicher Reize beim Tasso dieser sanfte elegische Hauch verbreitet ist. Aber einepischer Dichter muß allerdings reicher sein; er muß eine Welt von Gegenständen, denGeist der Gegenwart und der Vergangenheit, seine Nation und die Natur umfas-sen ; er muß auch nicht bloß einen Ton durchführen, sondern jede Saite des Ge-fühls zu berühren und anzuregen verstehen". — Eine Übersicht der verschiedenenOriginalausgaben der Werke des T. findet man in „Tasso's Leben und Charakteri-stik nach Ginguenö, dargestellt von F. A. Ebert" (Leipzig 1819). Die besten