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Tasso (TorquaLo)
Erst nach 2 Zähren erhielt er durch eignsBitten und durch wiederholte Verwendun-gen beim Herzoge statt seines gefängnißähnlichen Aufenthalts mehre Zimmer zurWohnung. Er genoß hier einer großem Freiheit, empfing Besuche von Freundenund Fremden und durste selbst von Zeit zu Zeit, von einer einzigen Person begleitet,ausgehen, um Gesellschaften oder sonstige Vergnügungsorte zu besuchen. Sogarder Herzog ließ ihn einst, als er stanz, und ital. Edelleute bei sich hatte, zu sichbringen, nahm ihn mit Güte auf und versprach ihm bald feine Freiheit. Dessen-ungeachtet sah er sich noch vor Ende desselb.J. der bisherigen Milderungen beraubt.Unter diesen traurigen Umstanden brach ein neues Ungewitter über ihn los. Außerandern Schriften hatte das „Befreite Jerusalem" einen Dialog des Camillo Pel-legrino über die epische Poesie („II Carrskr, ovvero äella. poesia opios",1584) veranlaßt, in welchem T. weit über Ariosto erhoben wurde. Darüber ent-spann sich der heftigste Streit. Die zahlreichen Anhänger des „Göttlichen", undunter diesen die beiden Akademiker der Crusca, Lionardo Salviati und Sebastiansdc' Rossi, traten Namens dieser Akademie dagegen auf und zerfleischten das „Be-freite Jerusalem" und seinen Verf., um den „Orlando" zu vertheidigen, wenigstensunter diesem Verwände. Mit bewunderungswerther Würde und Mäßigung beant-wortete T. die Angriffe seiner Gegner, was ihm in seiner Lage, wo geistige und kör-perliche Leiden s. Stimmung verbitterten, gewiß zum doppelten Verdienste ange-rechnet werden muß. Inzwischen beschäftigten ihn die Mittel, seine Freiheit zu er-langen, nicht minder als die Vertheidigung seines Gedichts. Er hatte die mächtig-sten Personen zur Vermittelung aufgeboten. Gregor XIII., der Cardinal Albano,der Großherzog v. Toscana, der Herzog und die Herzogin v. Urbino, die Herzoginv. Mantua, mehre Fürsten des Hauses Gonzaga hatten sich vergebens für ihn ver-wendet. Die Stadt Bergamo, T-'s eigentliches Vaterland, hatte in gleicher Absichteinen eignen Gesandten an den Herzog geschickt. Dieser gab Versprechungen, wel-che er aber nicht erfüllte. T.'s Zustand verschlimmerte sich immer mehr; er war anLeib und Seele zerrüttet und litt periodisch an wirklichem Wahnsinne. Endlich ließsich der hartherzige Alfons erweichen und überließ aufdringendes Bitten die Persondes Dichters, nach mehr als Vjähr. Gefangenschaft, seinem Schwager, Vincenzo v.Gonzaga, Fürsten v. Mantua, welcher ihn so zu bewachen versprach, daß Alfonsnie etwas von ihm zu befürchten haben sollte (Juli 1586). In Mantua fand T.die freundlichste und ehrenvollste Ausnahme, aber sein Übel hatte bereits zu tief ge-wurzelt, um ganz zu weichen. Dessenungeachtet nahm er s. litcrarischen Arbeitenwieder vor; er vollendete u. A. den von seinem Vater begonnenen „Floridante" undließ ihn mit einer Zueignung an den Herzog von Mantua und Bologna drucken;auch s. Trauerspiel „Lorrismondo" arbeitete er von Neuem um. Im nächstenJahre genoß er des Glücks, Bergamo zu besuchen, wo s. Erscheinung von der gan-zen Stadt gefeiert wurde. Der Tod des Herzogs von Mantua rief ihn zurück.Zwar hegte der Sohn und Nachfolger desselben gleiches Wohlwollen gegen denDichter, allein es fehlte ihm die Freundschaft und Vertraulichkeit. Der Aufenthaltin Mantua sing an dem Dichter zu mißfallen. Einen ehrenvollen Ruf als Professoran der Akademie zu Genua anzunehmen, ward er durch s. Kränklichkeit verhindert.Er faßte daher den Entschluß, nach Rom zu gehen. Hier ward er nicht nur vonScipio v. Gonzaga, sondern auch von mehren Cardinälen und Prälaten so wohlaufgenommen, daß er neue Hoffnungen faßte. Allein nichts ging in Erfüllung, under begab sich 1588 nach Neapel, um einen Versuch zu machen, das eingezogene Ver-mögen seiner Ältern wiederzuerlangen. Hier beschäftigte er sich mit einer gänzlichenUmarbeitung s. „Befreiten Jerusalems", um das für fehlerhaft Erkannte, sowie dieLobsprüche auf das Haus Este wegzuschaffen. Von Neapel kehrte er nach Rom zu-rück, und als er auch hier wieder Veranlassungen zu Mißmuth fand, folgte er denehrenvollen Einladungen des Großherzogs von Florenz, Er konnte in jeder Hin-