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Lasso (Torquaio)
alle diese Sorgfalt reichte nicht hin, den Frieden in seinem Innern wiedccherzu- ^stellen, und der Herzog sah sich endlich genöthigt, ihn auf sein Verlangen nach Fcr-rara zu den Franciscanern zurückbringen zu lassen. Sein Zustand verschlimmertesich dennoch immer mehr; er sah sich von eingebildeten Gefahren umgeben, machtesich die peinlichsten Vorwürfe und ergriff in dieser Zerrüttung endlich einen unbe-wachten Augenblick, um, von Allem entblößt, wie er war, selbst ohne s. Hand-schriften und Papiere, die Flucht zu nehmen (LO. Juli 1577). Er eilte zu seinerSchwester Cornelia, welche im Witwenstande zu Sorrcnto in Neapel lebte und ^ihn auf das zärtlichste aufnahm. Durch ihre Sorgfalt sing er an ruhiger zu wer- *den; er bereute s. übereilte Flucht und wandte sich mit Bittschreibcn an den Herzogund die Fürstinnen, um seinen Posten, vornehmlich aber ihr Wohlwollen wieder-zuerlangen. Er ging wirklich nach Ferrara zurück, aber sein altes Übel kehrte wie-der, und er entwich zum zweiten Male. Vergebens suchte er in Mantua, Paduaund Venedig eine Zuflucht; erst am Hofe von Urbino fand er eine würdige Aus-nahme. Aber aller Freundschaft und Sorgfalt ungeachtet, die man für ihn hatte,kehrte auch hier s. Schwermuth zurück; er glaubte sich nicht sicher, und indem ereingebildeten Gefahren zu entfliehen glaubte, stürzte er sich in wirkliche. Er gingendlich nach Turin. Hier erkannte ihn zufällig ein Freund, zog ihn aus der Ver-legenheit und führte ihn zu dem Marchesc Filippo v. Este, der ihn auf das liebe-vollste und freigebigste aufnahm. Der Erzbischof von Turin, ein alter FreundVernarb» Tassv's, stellte ihn dem Herzoge Karl Emanuel vor, welcher ihm diesel- ^ben Bedingungen anbot, unter denen er sich in Ferrara befunden. Noch ein Malfaßte der Unglückliche einigen Muth, und herrliche Funken seines Geistes glänztendurch die trüben Nebel, die sein Gemüth verschleierten und nur zu bald wieder dasÜbergewicht erhielten. Er sehnte sich abermals nach Ferrara zurück und hielt dazudie Vermahlung des Herzogs mit Margaret« Gonzaga für den schicklichsten Zeit-punkt. Er kam, sah sich aber bitter getauscht. Allenthalben nahm man ihn mitGleichgültigkeit, selbst mit Spott und Verachtung auf; weder der Herzog noch dieFürstinnen ließen ihn vor sich. Da verließ ihn die Geduld, die nie seine Tugendwar, und er ergoß sich laut in Schmähungen gegen Alfons und den ganzen Hos.
Der Herzog befahl, statt an dem Unglücklichen Mitleid zu üben, ihn in das St.-Annenhospital zu bringen und als einen Rasenden dort wohl zu verwahren (März1579). Man hat, um diesen grausamen Befehl des Fürsten zu erklären, nochandre Gründe aufgesucht und sie in der Liebe T.'s zu der Prinzessin Leonore finden 'wollen. Allein so wenig diese durchaus tugendhafte und ritterliche Liebe zu läug-nen ist, so wenig läßt sich doch aus irgend einem Grunde darthun, daß T. je dieGrenzen der Ehrfurcht und Bescheidenheit überschritten habe. Wohl aber wag siezu dem Wahnsinne beigetragen haben, der ihn zuweilen heimsuchte, und der sowolphysische als moralische Ursachen haben mochte. Daß T. durch eine solche Maßre-gel, wie man gegen ihn verhängt hatte, nicht geheilt werden konnte, leuchtet wolvon selbst ein. Schon der Gedanke, daß er in einem Narrcnhause gefangen gehal-ten werde, mußte ihn empören; ebenso übel mußte er die Härte, mit der er sich be-handelt sah, die Nichtbeachtung, mit der alle s. Bitten und Vorstellungen von demHerzog und der Prinzessin aufgenommen wurden, empfinden. Und dennoch fanddieser seltene Geist in solcher Verzweiflung ruhige Augenblicke, in denen er sich auf ,das herrlichste bald in Versen, bald in philosophischen Betrachtungen ergoß. Einneuer Schlag für ihn war die Nachricht, daß s. Gedicht in höchst verstümmelter Ge-stalt zu Venedig im Druck erschienen sei; dieser ersten Ausg. folgten schnell an ver-schiedenen Orten mehre, von denen jede spatere die frühern an Richtigkeit und Voll-ständigkeit übertraf. So wurden in 6 Monaten 6 Ausg. des „Befreiten Jerusa-lems" gedruckt; die Herausgeber und Unternehmer bereicherten sich, wahrend derunglückliche Dichter in harter Gefangenschaft krank und vernachlässigt schmachtete,