Tasso (Torquato)
qrößttm Glänze an. T.'s Ansehen und Gunst beim Herzoge stieg; aber eben die-ses Glück weckte ihm auch Neider, die insgeheim darauf dachten, ihn zu verderben.Die Prinzessin von Urbino hatte der Vorstellung des „Aminta" nicht beiwohnenkönnen; sie wünschte das Gedicht, das der Gegenstand allgemeiner Bewunderungwar, kennen zu lernen, und aus diese Veranlassung begab sich T. zu ihr nach Pe-saro, wo ihn der alte Fürst Guidobaldo, sowie dessen Söhne und Schwiegertochter,s.hr schmeichelhaft aufnahmen. Mehre Monate verlebte er in dem reizenden GastetDurankc in der vertrautesten Freundschaft mit Lucrezia, die gern die Verse horte,^ in welchen er sie verherrlichte. Mit reichen Geschenken und mit dem schönen Ge-fühle des Glücks, dessen er genoß, kam er nach Ferrara zurück und wandte sich wie-der zu seinem Epos. Ungern unterbrach er diese Arbeit abermals, um den Herzognach Venedig zu begleiten, wohin dieser dem Könige Heinrich M., der von demThrone Polens auf den Thron Frankreichs stieg, entgegenreiste, um ihn mit sichnach Ferrara zu führen. Diese Reise siel in die heißeste Jahreszeit und zog demDichter ein Fieber zu, an dem er lange litt, und das ihn an aller Arbeit hinderte.Während er auf dem Wege der Genesung war, endigte er im Frühjahre 1575 s.„Goffredo", die Frucht so vieler Anstrengungen und die Quelle so großen Unglücks-für ihn. Aber er wünschte, ehe er ihn bekanntmachte, die Urtheile seiner Freundezu hören, und diese waren so verschieden, daß sie ihn in Verwirrung und Unruhesehten und ihm sogar ein hitziges Fieber zuzogen, von dem er jedoch bald wiedcrhec-> gestellt wurde. Er nahm sogleich sein Werk aufs Neue vor, um es an einzelnenStellen umzuarbeiten oder abzuändern. Der Herzog behandelte ihn mit verdop-pelter Auszeichnung. T. mußte ihn auf seinen Lustreisen nach Belriguardo beglei-ten, und Lucrezia, die sich von ihrem Gemahle getrennt hatte und zu ihrem Bruderzurückgekehrt war, wünschte den Dichter stets um sich zu haben. Nur mit Mühewirkte er sich unter diesen Umstanden (Nov. 1575) die Erlaubniß aus, nach Romzu gehen, um dort sein Gedicht einer neuen und gründlichen Prüfung zu unterwer-fen. Hier empfing ihn vor Allen s. Freund Scipio v. Gonzagq. Von diesem wurdeer dem Cardinal Ferdinand v. Medici, dem Bruder und nachmaligen Nachfolgerd.s Großherzogs v. Toscana, vorgestellt, und da derselbe wußte, daß der Dichtersich in Ferrara nicht mehr ganz gefiel, trug er ihm die Dienste des Großherzogs an,die Jener jedoch ablehnte, weil er vor allen Dingen die Pflichten der Dankbarkeit ge-gen das Haus Este erfüllen wollte. Er kehrte daher nach Ferrara zurück. Hier er-^ schien bald nach ihm die junge und schöne Gräfin Leonore Sanvitali, Gemahlin desGrafen v. Scandiauo, deren eifrigster Verehrer und Verherrliche! T. wurde. Daauch sie ihrerseits nicht unempfindlich blieb, und der Herzog um dieselbe Zeit das er-ledigte Amt eines Historiographen des Hauses Este dem Dichter verlieh, so fanddieser sich, zu seinem Unglücke, nun um so fester an Ferrara gebunden, und erregteum so lebhafter den Haß seiner Neider und Feinde. Einen sehr großen Kummer,,machte ihm die Nachricht, daß in einer Stadt Italiens sein Gedicht gedruckt werde,einmal, weil es ihm zum Drucke noch nicht vollendet schien, dann auch, weil er sichdadurch der Vortheile beraubt sah, die er sich von einer so vieljährigen Arbeit ver-sprochen hatte. Diese und andre, theils wahre, theils eingebildete Kümmernissevermehrten s. Schwcrmulh; er glaubte sich von Feinden verfolgt, verleumdet, an-^ geklagt. In dieser Gemüthsstimmung zog er eines Abends in den Zimmern derHerzogin v. Urbino den Degen gegen einen ihrer Diener. Dies bewog den Herzog,ihn verhaften und in einem Hause neben dem Palast einschließen zu lassen, alleinauf s. Bitten setzte er ihn wieder in Freiheit und verlangte bloß, daß er sich ärztlichsolle behandeln lassen. Die Cur schien Erfolg zu haben, und der Herzog nahm ihnauf einer Lustreise nach Belriguardo mit sich, um ihn zu zerstreuen, nachdem er ihnwegen einiger Gewissensscrupel, die T. sich über manche ihm entstandene Zweifel inNeligionssachen machte, durch den Inquisitor selbst hatte beruhigen lassen. Aber