44 Tardieu (Alexander) Tarnow
bedeutend, wol gar gefährlich werden kann. — Tarantella nennen die Ita-liener auch triviale Musik, Klingklang.
Tardieu (Alexander), geb. den 2. Mär; 1756, ein Erbe des Ruhms,den schon sein Oheim und Großoheim als Ehalkographen sich erwarben, ist einSchüler des berühmten I. I. Wille. In der Manier Nanteuil's und Edelink'Shat er nach Gemälden großer Meister eine bedeutende Anzahl von Kupferstichenausgeführt. Sein Bildniß des Grafen Arundel, nach Vandyk, gilt für ein Mei-sterwerk des Grabstichels. Ein h. Michael und ein h. Hieronymus, nach Rafaelund Domenichino, geben ebenso treu als geistreich Zeichnung und Eolorit der Ge-mälde wieder. 1791 erhielt T. den großen Preis für das gelungenste Erzeugnißder Chalkographie. Er ist der Lehrer Desnoyec's und der einzige jetzt lebendeKünstler aus der alten Schule. Zu s. gelungensten Werken gehören: zwei Bild-nisse von Voltaire, nach Largilliere und Houdon; zwei Bildnisse Heinrichs IV.;die Königin Louise von Preußen, nach Madame Lebrun; Montesquieu und derholländ. Gesandte, nach David; Psyche und der Marschall Ncy, nachGörard;das lebensgroße Bild Napoleons, nach Jsabcy; endlich Judith und Holofcrnes,nach Allori. 1825 beendigte er Ruch und Boas, nach Hersent. T. ist Ritterder Ehrenlegion, Mitgl. des stanz. Instituts und der Akademie zu Mailand.
Tardieu (Jean Vaptiste Pierre), Bruder dcS Vorigen, ausgezeichnetals geographischer Kupferstecher, geb. 1746 zu Paris, starb 1816. Er war einerder Ersten, welche diese Kunstgattung zu einem hohen Grade geschmackreichcr Voll-endung erhoben. Für die Kaiserin Maria Theresia stach er in 53 Blättern dieCharte der Niederlande. Unter Aufsicht Ludwigs XVI. fertigte er eine Charte vonden königl. Wildbahnen. Von ihm ist die Charte zu Sonnini's „Reise durchGriechenland und die Türkei". Auch stach er die vom Minister Thümmel veran-staltete vortreffliche topographische Charte von Sachsen-Altenburg in 25 Bl.
Tarent, eine alte griechische Pflanzstadt in Unteritalien, die von laceda-monischen Auswanderern, von den sogen. Parthenicrn, 700 I. v. Chr. gegründetwurde. Sie war eine der blühendsten und mächtigsten Städte Großgriechenlandsund behauptete lange ihre Unabhängigkeit von Rom. Auch galt sie für eine derüppigsten und prachtliebendsten; doch fand Pylhagoeaö einst hier viele Anhänger.Übrigens war auch hier der Luxus dem Gedeihen der schönen Künste förderlich.Einer der berühmtesten Tarentiner ist Archytas, ein scharfsinniger Mathemati-ker aus Pythagoras's Schule. 272 v. Chr. wurde die Stadt den Römern unter-worfen. Das heutige Taranto, am Meerbusen gl. N., hat einen versandetenHafen, einigen Handel und 18,400 Einw., mit einem Erzbischof. Von ihr heißtMacdonald (s. d.) Herzog von Tarent.
Tarif, ein Verzeichniß des Preises gewisser Waaren; dann ein Verzcich-m'ß Dessen, was für ein- und ausgehende Waaren an Zoll zu bezahlen ist: Zoll-,Accis-, Gcleitsrollen.
Tarnorv (Fanny) wurde geb. den 17. Dcc. 1782 zu Güstrow im Grvß-hcrzogthum Mecklenburg-Schwerin. In ihrem 4. Jahre fiel sie aus einem Fensterdes 2. Stockwerks auf die Gasse. Man hob sie unbeschädigt auf, aber die innernLebenstheile hatten gelitten; eine Nervenkrankheit ließ bis in ihr 12. Jahr einegroße Schwäche zurück; sie mußte eine Zeit lang an Krücken gehen und blieb über einhalbes Jahr taub. Dadurch von jedem Spiele der Kindheit und von ihren Geschwi-stern geschieden, bewohnte sie ihr eignes kleines Stübchen im Hofe und hatte Nie-mand als eine alte Dienerin um sich. So fand sie in der Lecture allein Umgang,Genuß und Freude. Sie las, was sie wollte, aus einer Leihbibliothek; Niemandbekümmerte sich darum. In ihrem 7. Jahre nahm ihre Tante, die Baronin Wil-belmine Lefort, sie zu sich aufs Land. Fanny war jetzt die Begleiterin ihrer edelnBeschützerin zu den Krankenbetten der Armen, denen sie Labung und Arznei sperr,