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11 (1830) T bis V
Entstehung
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Larnow

bete, und besuchte wöchentlich mit ihr die von ihr gestiftete Schule. Nach 2 Jah-ren gab die Freun Lefort einem preuß. Major v. Vinenke die Hand, und Fannykehrte in das äikerliche Haus zurück. Hier lebte sie wieder sich selbst überlassen inder innern Welt ihrer Phantasie. Sie las viel Romane und besuchte fast täglich daSSchauspiel. Dies führte sie schon als Kind auf die gefährliche Grenzlinie, wo eindichterisches Leben sich von der Wahrheit scheidet, mit der es vereint bleiben muß.Doch hatte ihr ganzes Leben eine sittliche Richtung gewonnen; Religiosität, Web-muth und Sehnsucht waren die Grundtöne ihres Herzens. Von ihrem 11. Jahrean verlebte sie auf einem reizend gelegenen Landguts einige schöne Sommer. Hierschrieb sie ihr erstes Gedicht, ein Gespräch zwischen sich und dem Todcsengel. Dar-aus ward sie, nebst andern Katechumcnen, von einem Prediger zur Confirmationvorbereitet; allein sie gerielh in einen traurigen Zwiespalt mit ihrem glaubensfrohenSinne, als der Vater einer ihrer Gespielinnen sie mit seinem Spotte über heiligeund göttliche Dinge beunruhigte, und fand erst nach schmerzhaften Erfahrungen denFrieden des religiösen Glaubens wieder. Die „Glaubensanstchtcn" („Lilien", I.Bd.)zeugen von dem Ernste, mit dem sie nach dem Einen, was Noth ist, gestrebt hat.Auch findet man in ihrem ersten Romane: „Natalie" (Berlin 1811), den Gangihrer geistigen Entwickelung. Nach ihrer Confirmation brachte sie den größten Theildes Jahres bei ihrem Großvater, dem Landrath v. Holstein, zu, wo sie ganz unab-hängig lebte; indeß sicherte sie die romantische Stimmung ihres Innern vor jedemMißbrauche dieser gefahrvollen Freiheit. Im 17. Jahre verlor sie den Großvater,und ihre Ältern büßten durch Unglücksfälle ihr ganzes Vermögen ein. Fanny über-nahm jetzt die Führung der landwirthschafilichen Rechnungen des seguestrirten väter-lichen Gutes, und durch die Freundschaft einiger cdeln Männer gelang es ihr, ihremVater einen Posten zu verschaffen, der ihm und seiner Familie den Unterhalt sicherte.Dann ging sie nach Rügen als Erzieherin, kehrte 1804 nach Mecklenburg zurückund lebte daselbst bis 1816. Ihre anfangs kummervolle Lage erheiterte die Ach-tung edler Familien und der Schutz der unvergeßlichen Erbprinzessin Karolinc vonMecklenburg. Ein Jahrgehalt, das sie von dieser wohlthätigen Fürstin erbielt, undder Ertrag ihrer schriftstellerischen Arbeiten setzten sie in den Stand, ihren Ältern denDruck der Nabrungssorgen zu erleichtern. Fanny übernahm sogar den größtenTheil der Amtsgeschäfte ihres Vaters. Von 1813 —15 lebte sie in tiefer Abge-schiedenheit nur für ihre Mutter, die in ihren Armen an einer furchtbaren Krankheitlangsam dahinstarb. Vierzehn Tage nach dem Tode ihrer Mutter verlorFanny auchihre erlauchte Wohlthäterin, und der Gram nagte sichtbar an ihrem Leben. DerArzt ricth zu einer Reise, und der Ecbgroßhcrzog v. Mecklenburg gab ihr dazu groß-müthig die Mittel. Sehnsucht nach einer geliebten Jugendfreundin zog sie nachPetersburg, aber das dortige Klima sagte ihr nicht zu; sie mußte nach Deutschlandzurückgehen, wo sie seit 1819 größtentheils zu Dresden, und seit 1829 zu Weißen-fels sich aufhielt. So gab ein ernstes, tiefbewegtes Leben dem Gemüthe dieser geist-vollen Schriftstellerin jene Erhebung und ihrer Gesinnung jenen Adel, der ihre Er-zählungen und Darstellungen zu Erwcckungsmitteln der sittlichen Bildung ganz vor-züglich eignet. Ihre erste Erzählung: „Ällwina von Rosen", erschien anonym indem „Journal für deutsche Frauen"; ebenso ihr erster Roman: „Natalie". ZuF. T.'s vorzüglichsten Schriften gehören vielleicht ihre Erzählungen: „Thckla, oderErinnerungen aus GrafGustavsJugendlcben", und „Kleopatra" (Berlin 1815),die von hellen Flammen der Jugend, der Liebe und der Begeisterung durchleuchtetsind. F. T. ist keine Dichterin im eigentlichen Sinne des Worts, nach welchem ob-jective Wahrheit und Schönheit in einem Kunstwerke vorherrschen sollen. Alles inihren Schriften ist subjektiv: Ahnung. Meinung, Wissen, Glaubensrichtung. Dasie jedoch Alles durch sich selbst erworben, oft schwer errungen hak, so ist sie auch ori-ginell. Sie enthüllt in ihren Schriften das menschliche Herz und die Leiden desselben