38 Tantalus Tanzkunst
daß die krummlinige Bewegung nicht in ein Entfliehen nach geradliniger Richtungausarte, die letztere aber in die Richtung der Bahn selbst fällt, folglich darin nichtsändert, sondern nur aufdie Geschwindigkeit wirkt; und diese letztere Kraft nun istdie hier betrachtete Tangentialkraft, sogenannt, weil das Element derEurvemitder Tangente zusammenfällt. Die Betrachtung der Lehre von den Centralkräftenist deßhalb von so ganz außerordentlicher Wichtigkeit, weil die durch Theorie nichtunterstützte Einbildungskraft der Aufgabe fast erliegt, sich einen frei schwebendenKörper zu denken, der sich um einen, Anziehung auf ihn ausübenden Punkt dreht,ohne gleichwol je mit ihm zusammenzustürzen. Allein diese Schwierigkeit wird weg-fallen, wenn man es sich, nach dem Vorgetragenen, nur recht versinnlicht, daß selbstdie Verbindung der Centripctalkraft mit der dem Planeten schon beiwohnenden Ge-schwindigkeit, weit entfernt, das Schwungbestreben desselben zu vermindern, sogaroft auf Vergrößerung desselben wirkt, und daß die Natur dieser Verbindung also,bei richtigem Verhältnisse der Eentripetalkraft zum ursprünglichen Anstoß, dasZusammenfallen mit dem Sonnenkörpcr ganz unmöglich macht. — Bei demVortrage dieser Lehre wird gewöhnlich des aus den angeführten Gründen entsprin-genden Bestrebens des Planeten, sich vom Mittelpunkte der Kräfte zu entfernen,u. d. N. der Een triftig al kraft gedacht; allein darf man Dasjenige mildemNamen einer,straft belegen, was offenbar nur Wirkung der Trägheit ist? Vondem ursprünglichen Anstoß ist dabei so wenig mehr die Rede, als bei der Theorie deSPendels von dem ersten Stoße, der ihn in Bewegung setzt, wonächst er, andre Ein-flüsse bei Seite gedacht, in bloßer Folge der Einwirkung derSchwcre, seine Schwin-gungen in alle Ewigkeit fortsetzen würde: ein Gleichniß, welches uns bei Behand-lung dieser schwierigen Materie immer sehr passend vorgekommen ist. Vgl. die derTheorie der Bewegung der Himmelskörper gewidmeten Werke, besonders Bohnen-berger's „Astronomie" (Tübing. 1811). I). Iß.
Tantalus (Mythologie), Sohn des Zeus (nach A. des Tmolus) undKönig zu Sipylus in Phrygien, Gemahl der Nymphe Pluto. Er war ein Günst-ling der Götter, so erzählt die alte Sage, die öfters bei ihm einkehrten; aber inseinem Übermuthe verscherzte er diese Gunst. Durch welches Verbrechen, darüberstimmen die Sagen nicht überein. Bald soll er den Jupiter durch Verrath belei-digt, bald den Göttern heimlich Nektar und Ambrosia entwendet, bald gar deneignen Sohn Pelops geschlachtet und ihnen aufgetischt haben. Ebenso verschiedenwird auch seine Strafe, die er in der Unterwelt dafür erleiden mußte, erzählt. Baldhängt ein gewaltiger Stein ihm über dem Haupte, der ihn jeden Augenblick zu zer-schmettern droht, und den er doch nicht entfernen kann; bald, und das ist die ge-wöhnliche Vorstellung, welche auch die Homer'sche „Odyssee" aufstellt, steht er bisan den Hals im Wasser, und dicht über ihm hängen die herrlichsten Früchte; abersowol diese als jenes weichen zurück, so oft er den brennenden Durst löschen und denquälenden Hunger stillen will.
Tanzkunst. Tanz ist die streng rhythmische Bewegung des menschlichenKörpers durch die Füße. Einer solchen Bewegung überläßt sich selbst der ungebil-dete Mensch, sobald ein mächtiges Gefühl der Freude und Freiheit ihn über dengewöhnlichen Zustand erhebt. Der vollendete Zustand des Gebildeten aber strebtauch, sich angemessen, harmonisch und mit geordnetem Maße der Bewegung zuverkünden. Darum finden wir Tänze der Wilden und feierliche Tänze bei festli-chen Gelegenheiten, Kriegs- und Fricdenstänze, Hochzeitstänzc u. s. w. Überallist die Bewegung des Körpers an die Veräußerung eines innern Zustandes ange-knüpft, und hierin besteht die Grundlage der Tanzkunst. Wird nun eineslheilsden Bewegungen der Füße und den sie begleitenden Gebärdendes Körpers die mög-lichste Ausbildung, mithin die größte Mannigfaltigkeit. Fertigkeit und Biegsamkeitund das wohlgefälligste Maß in der Folge ihrer Bewegungen (Eurhythmie) gege-