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11 (1830) T bis V
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Tanzkunst 39

ben, und tritt anderntheils das Talent hinzu, die mannigfaltigsten Gefählszu-stande, Stimmungen und Lagen durch jene rhythmischen Bewegungen anschaulichund nach Willkür auszudrücken, so zeigt sich die Tanzkunst als schöne Kunst, diein Hinsicht der Gebärden eine (durch die Bewegungen des ganzen Körpers) be-schränkte Mimik (s. d.), in Hinsicht der Folge der Bewegungen eine rhythmischeKunst ist und sich darum mit der Musik, welche den vollkommensten Rhythmushervorbringt, am liebsten verbindet. (S. Kunst, schöne Künste.) Als rhyth-mische Mimik ist sie daher auch den Gesetzen des Rhythmus, sowie den allgemei-nen Gesetzen der Mimik und der Kunst überhaupt unterworfen. Sie ist also keinebloße, wenn auch künstliche Bewegung der Füße, und selbst die größte Fertigkeitim Springen und Hüpfen macht noch nicht den schönen Tanz Ebenso ist sie auchvon dem unwillkürlichen Ausdruck beschrankter Gemüthszustande durch eine rhyth-mische Bewegung des Körpers, welchen wir bei dem gesellschaftlichen Tanze deSgemeinen Lebens finden, durch höhere Bedeutsamkeit, Mannigfaltigkeit und will-kürliche Beherrschung des Ausdrucks verschieden. Da sie aber, als schöne Kunstbetrachtet, etwas Inneres, in sich Vollendetes harmonisch veräußern und zur An-schauung bringen soll, so fragt sich, welches ist der Kreis von Stoffen, welche dieseKunst zu bearbeiten und darzustellen fähig ist? Die natürlichste Antwort ist: NurDasjenige ist Stoff dieser Kunst, was sich durch mannigfaltig abwechselnde, rhyth-mische Bewegungen des ganzen Körpers und die dadurch gebildeten Formen dessel-ben, sowie in den diese Bewegungen begleitenden Gebärden ästhetisch versinnlichenläßt. Denn da der Tanz zwar von den Bewegungen der Füße ausgeht, aber nichtauf dieselben durchaus eingeschränkt ist, sondern der ganze Körper zugleich in ab-wechselnden Formen und Gebärden angeschaut wird, so läßt sich auch der Tanz alsein ästhetisches Ganzes bestimmter, auf einander folgender Gefühle, Neigungenund Lagen ausbilden; und die Musik, indem sie die rhythmischen Bewegungen desKörpers begleitet, wirkt, wie bei der Begleitung der poetischen Worte, zur Ver-stärkung des lyrischen Ausdrucks mit. Aber er ist, wie wir sagten, durch die Be-wegung des ganzen Körpers beschränkt, insofern es nämlich unmöglich ist, den Ge-bärden die Ausführung und deutliche Ausbildung zu geben, welche in dem Zustandedes ruhenden oder in weniger abgemessener Folge bewegten und fortschreitenden Kör-pers möglich ist. Sonach hat also die Mimik in ihrer selbständigen Ausbildung,namentlich als Pantomime (s. d.) im engern Sinne einen noch größern Spiel-raum als die Tanzkunst, und die letztere muß, selbst in ihrer höchsten Gattung,dem Ballet, immer von jener unterstützt werden. Die Tanzkunst nämlich beschränktsich auf die Darstellung solcher Zustande und deren Verbindung, welchen eine strengrhythmische Bewegung des Körpers entspricht, und die durch letztere für sich ver-ständlich sind. Von der andern Seite aber sind von ihr ebensowol die bloß künstlicheMechanik als der Ausdruck der sinnlichen Wollust und des thierischen Wohlgefühls,als der Würde der schönen freien Kunst überhaupt widersprechend, ausgeschlossen.Der Tanz, als Kunstwerk betrachtet, kann daher auch nickt eigentlich eine abge-schlossene poetische Handlung im Sinne des Drama, am allerwenigsten eine tragi-sche Handlung darstellen, welchem Unrernehmen schon die abgemessene Bewegungdes Körpers anschaulich widerspricht, sondern er kann entweder 1) nur einzelne Ge-fühle und Neigungen, oder 2) eine Reihe von Gefühlen und Lagen zu einer sinn-lichen Handlung zusammenreihen, deren Einheit dann mehr in der Einheit derWahrnehmung und des Gefühls besteht. Das Hülfsmittel dieser Anreihung istdie pantomimische Darstellung und die scenische Kunst, wodurch das pantomimischeBallet entspringt. (S. Pantomime.) In der letztgenannten Beziehung abertheilt man den Tanz in den lyrischen und in den dramatischen ein. Mit dieser Ein-theilung verbindet sich eine andre, welche Art und Anwendung des Tanzes über-haupt betrifft, nämlich die Eintheilung des Tanzes in den gesellschaftlichen und in